Starker Anstieg der Energierohstoffpreise

- HWWI-Gesamtindex stieg um 8,8 % (US-Dollarbasis)
- Rohölpreise stiegen um 5,3 %
- Erdgaspreise erhöhten sich um 31,1 %

Der HWWI-Rohstoffpreisindex stieg im September um durchschnittlich 8,8 % gegenĂŒber dem Vormonat und lag damit um 91,5 % ĂŒber dem entsprechenden Vorjahreswert. Der Anstieg des HWWI-Rohstoffpreisindex ist auf starke Preissteigerungen auf den EnergierohstoffmĂ€rkten zurĂŒckzufĂŒhren. Neben den Kohle- und Erdgaspreisen zogen auch die Rohölpreise im September stark an. Hintergrund der Preissteigerungen ist, dass der gestiegenen Nachfrage nach Energierohstoffen im Zuge der Erholung der Weltwirtschaft derzeit eine Verknappung des Angebots gegenĂŒbersteht. Die stĂ€rksten Preissteigerungen waren auf den MĂ€rkten fĂŒr europĂ€isches Erdgas zu verzeichnen, was die leeren Erdgasspeicher in Europa widerspiegelt. Dagegen sind die Preise fĂŒr Industrierohstoffe sowie fĂŒr Nahrungs- und Genussmittel im September im Durchschnitt gesunken.

Index fĂŒr Energierohstoffe: +11,3 % (Eurobasis: +11,4 %)

Auf den RohölmĂ€rkten war im September ein deutlicher AufwĂ€rtstrend der Ölpreise zu beobachten. Zum Monatsende nĂ€herten sich die Preise fĂŒr die europĂ€ische Referenzsorte Brent der Marke von 80 US-Dollar pro Barrel, die seit 2018 nicht mehr ĂŒberschritten worden war. Die amerikanische Referenzsorte WTI beendete den Monat bei 75 US-Dollar pro Barrel. Im Vergleich zum September 2020 stiegen die Rohölpreise durchschnittlich um mehr als 77 %. Die Preiserhöhungen sind auf die gestiegene Nachfrage nach Rohöl infolge des weltweiten Aufschwungs nach der Corona-Rezession in Verbindung mit einem knappen Angebot zurĂŒckzufĂŒhren. Trotz des starken Preisanstiegs kĂŒndigte die OPEC+ an, dass sie an ihrer Förderpolitik festhalten und das Angebot nicht weiter als geplant ausweiten werde. Die OPEC+, die derzeit von den hohen Rohölpreisen profitiert, begrĂŒndet ihr Vorgehen mit der Unsicherheit ĂŒber eine vierte Corona-Welle, die die Nachfrage nach Rohöl erneut drĂŒcken könnte.

Die Preise fĂŒr Kohle und Erdgas setzten im September ihren starken AufwĂ€rtstrend ebenfalls fort. Die gestiegenen Preise fĂŒr Kohle und Erdgas sind auf eine Abfolge von Ereignissen zurĂŒckzufĂŒhren, die die Nachfrage erhöhte, sowie das Angebot verknappte. Ein wichtiger Preistreiber ist die erhöhte Stromnachfrage aus China, ausgelöst durch die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie und einer Hitzeperiode, die fĂŒr einen starken Anstieg der Nachfrage nach Strom fĂŒr Klimaanlagen sorgte. Ein RĂŒckgang des Angebots an Strom aus Wasserkraft aufgrund einer DĂŒrreperiode in China erhöhte die chinesische Nachfrage nach Energierohstoffen wie Kohle und Erdgas zusĂ€tzlich, was sich in einer erhöhten Importnachfrage widerspiegelte. Auch andere Volkswirtschaften verzeichneten in Folge der Erholung der Weltwirtschaft einen Anstieg in der Nachfrage nach Kohle und Erdgas, was die Preise in die Höhe trieb.

Insbesondere die Preise fĂŒr europĂ€isches Erdgas erreichten im September historische Höchstwerte und waren mehr als viermal so hoch wie noch im September des Vorjahres. Die Erdgasspeicher in Europa waren infolge des langen, kalten Winters 20/21 bereits stark entleert und konnten aufgrund der gestiegenen Nachfrage nicht vollstĂ€ndig wieder aufgefĂŒllt werden. ZusĂ€tzlich ist das Angebot an Erdgas in Europa zurĂŒckgegangen. Insbesondere die Niederlande, ein wichtiger Erdgasproduzent in der EuropĂ€ischen Union, mussten das Erdgasangebot aufgrund von Erdbebengefahr stark einschrĂ€nken.

Insgesamt stieg der Teilindex der Energierohstoffe um 11,3 % (Eurobasis: 11,4 %) auf 166,0 Punkte (Eurobasis: 156,5 Punkte).

Index fĂŒr Industrierohstoffe: -7,6 % (Eurobasis: -7,6 %)

Der Teilindex fĂŒr Industrierohstoffe, der sich in den Index fĂŒr Agrarrohstoffe, den Index fĂŒr Nichteisenmetalle und den Index fĂŒr Eisenerz und Stahlschrott untergliedert, sank im September gegenĂŒber dem Vormonat um 7,6 %.

Der Teilindex fĂŒr Eisenerz und Stahlschrott setzte seinen AbwĂ€rtstrend im September fort und sank im Vergleich zum Vormonat um weitere 21,6 %. China, der grĂ¶ĂŸte Eisenerzverbraucher der Welt, schrĂ€nkte seine Eisenerzimporte ein, da die chinesische Stahlproduktion aufgrund von Klimaschutzmaßnahmen stark zurĂŒckgefahren wurde. DarĂŒber hinaus sorgte der drohende Zusammenbruch des großen chinesischen Immobilienunternehmens Evergrande fĂŒr Unsicherheit ĂŒber die Zukunft des chinesischen Bausektors und damit ĂŒber die kĂŒnftige Entwicklung des Stahlverbrauchs.

Die Preise fĂŒr Aluminium nahmen im September weiterhin zu. Das Angebot an Aluminium leidet weiterhin unter den StromengpĂ€ssen in China, die dafĂŒr sorgten, dass die energieintensive Aluminiumproduktion reduziert wurde. Auch Chinas Ziel, Emissionen einzusparen, impliziert, dass die Produktion erstmal nicht weiter ausgeweitet wird. Die Aluminiumpreise stiegen im September 8,6 % gegenĂŒber dem Vormonat und lagen fast 63 % ĂŒber den entsprechenden Vorjahreswerten.

Die Preise fĂŒr Blei sanken hingegen im September im Vergleich zum Vormonat, nachdem sie im August aufgrund von Störungen in den Lieferketten angestiegen waren. WĂ€hrend im letzten Monat an der Metallbörse in London, der London Metal Exchange (LME), die LagerstĂ€nde historisch niedrig waren, verzeichnete die chinesische Börse, die Shanghai Futures Exchange (SHFE), hohe BestĂ€nde an Blei. Auf dem Spotmarkt kam es zu PanikkĂ€ufen, was sich in den hohen Preisdifferenzen zwischen den Kontrakten mit sofortiger Lieferung und den Kontrakten mit spĂ€terer Lieferung an der LME zeigte. Die sofortige Lieferung des Rohstoffes war deutlich teurer als die Lieferung zu einem spĂ€teren Termin. Im September entspannte sich die Situation und die Preise fĂŒr Blei ließen wieder nach.

Trotz der Ungewissheit ĂŒber die zukĂŒnftigen Auswirkungen des drohenden Evergrande-Konkurses auf die Nachfrage nach Industriemetallen blieben die Preise fĂŒr Nickel, Zink und Kupfer auf einem hohen Niveau und verzeichneten im September im Durchschnitt nur moderate Preisschwankungen. Die Preise fĂŒr Nickel und Zink verzeichneten im September einen leichten Anstieg, wĂ€hrend der Kupferpreis im Monatsdurchschnitt leicht fiel.

Insgesamt fiel der Index fĂŒr Industrierohstoffe im Monatsdurchschnitt um -7,6 % (Eurobasis: -7,6 %) auf 175,6 Punkte (Eurobasis: 165,6 Punkte).

Index fĂŒr Nahrungs- und Genussmittel: -0,7 % (Eurobasis: -0,7 %)

Der Index fĂŒr Nahrungs- und Genussmittel sank im September im Vergleich zum Vormonat um durchschnittlich 0,7 % und lag damit um 32,5 % ĂŒber dem entsprechenden Vorjahreswert. WĂ€hrend die Preise fĂŒr Getreide und Pflanzenöle leicht zurĂŒckgingen, stiegen die Preise fĂŒr Genussmittel im September leicht an.
Die Preise fĂŒr Weizen und Gerste blieben im September weiterhin auf einem hohen Niveau, der starke Preisanstieg des Vormonats setzte sich jedoch nicht mehr fort. So verzeichnete Gerste nur einen leichten Preisanstieg, und die Weizenpreise gingen im Monatsdurchschnitt im Vergleich zum Vormonat leicht zurĂŒck.

Die Preise fĂŒr Mais und Reis sind im September durchschnittlich gegenĂŒber dem Vormonat gesunken. Der AufwĂ€rtsdruck auf den MaismĂ€rkten, ausgelöst durch die Hafenstörungen nach den WirbelstĂŒrmen in den USA, wurde durch verbesserte globale Ernteaussichten ausgeglichen. Die Palmölpreise hingegen stiegen den dritten Monat in Folge und erreichten ein Zehnjahreshoch. Die Palmölpreise werden weiterhin durch die robuste weltweite Importnachfrage gestĂŒtzt. DarĂŒber hinaus bleibt das Angebot an Palmöl aus Malaysia knapp, da die Produktion in Malaysia weiterhin unter einem ArbeitskrĂ€ftemangel aufgrund der Corona-Pandemie leidet.

Die Preise fĂŒr Genussmittel, insbesondere fĂŒr Kaffee und Kakao, sind im September gegenĂŒber dem Vormonat weiter gestiegen. So lagen die Kaffeepreise beispielsweise im Monatsdurchschnitt fast 50 % höher als im September 2020. Der Preisanstieg ist auf die schlechten Ernteprognosen aus Brasilien zurĂŒckzufĂŒhren. Die brasilianische Kaffeeernte wurde durch eine schwere DĂŒrre zu Beginn der Saison und spĂ€ter durch intensive Fröste erheblich beeintrĂ€chtigt. Die Kakaopreise reagierten auf die starken RegenfĂ€lle in der ElfenbeinkĂŒste, die in einigen Anbauregionen den Ausbruch einer fĂŒr Kakaopflanzen schĂ€dlichen Pilzkrankheit auslösten.

Insgesamt sank der Index fĂŒr Nahrungs- und Genussmittel im Monatsdurchschnitt um 0,7 % (Eurobasis: -0,7 %) und notierte bei 131,5 Punkten (Eurobasis: 123,9 Punkten).

Die Originalpressemitteilung finden Sie hier.

© Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut gemeinnĂŒtzige GmbH (HWWI)



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