Schulze: "Human-Biomonitoring soll Instrument der europäischen Chemikalienpolitik werden"

Im Rahmen einer internationalen Konferenz zu "Human Biomonitoring for science and chemical policy" haben sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze und UBA-Pr√§sident Dirk Messner f√ľr den Ausbau des Human-Biomonitoring auf europ√§ischer Ebene ausgesprochen.


Dabei geht es um Untersuchungen von Bevölkerungsgruppen auf ihre Belastung mit Schadstoffen aus der Umwelt und aus anderen Quellen. Die Ergebnisse geben Hinweise, ob Maßnahmen zur Minderung dieser Belastung zu treffen sind, oder wie sich bestehende Maßnahmen ausgewirkt haben. Schulze und Messner forderten virtuell vor Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung, Industrie, Verwaltung und Zivilgesellschaft, Human-Biomonitoring als Instrument der europäischen Chemikalienpolitik zu verankern. Denn bislang gibt es kaum verlässliche EU-weite Daten zur Belastung der Bevölkerung mit Chemikalien.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Wir m√ľssen wissen, welche Schadstoffe im Menschen √ľberhaupt ankommen. Nur so k√∂nnen wir eine fortschrittliche Chemikalienpolitik machen, die sich an Nachhaltigkeitszielen orientiert und dabei Mensch und Umwelt sch√ľtzt. In Deutschland hat sich das Human-Biomonitoring bew√§hrt. Ich setze mich daf√ľr ein, dass es auch auf EU-Ebene die n√∂tige Bedeutung erlangt. Die neue Chemikalienstrategie der EU-Kommission wird ein wichtiger Baustein des Green Deals sein. Wir brauchen fortschrittliche Inhalte, die den Schutz von Mensch und Umwelt verbessern."

UBA-Pr√§sident Dirk Messner: "Human-Biomonitoring sollte im Rahmen der EU-Nachhaltigkeitsstrategie f√ľr Chemikalien vorangetrieben werden. Um problematische Chemikalien wirksam zu regulieren, brauchen wir EU-weit vergleichbare Daten, auch um regionale Unterschiede in der Belastung zu verstehen. Nur dann k√∂nnen wir √ľberpr√ľfen, ob die EU-Chemikalienregulierung wirkt."

In der EU sind mehrere Zehntausend Chemikalien auf dem Markt, viele davon finden sich auch im Blut oder im Urin vieler EU-B√ľrgerinnen und B√ľrger. In welchem Umfang und warum die Chemikalien √ľberhaupt im Menschen landen, untersucht das Human-Biomonitoring (HBM). Wie ein solches Monitoring europaweit funktionieren k√∂nnte, erprobt derzeit die vom UBA geleitete europ√§ische HBM4EU-Initiative. Das Projekt HBM4EU hat mittlerweile 194 Labore vernetzt, die h√∂chste Qualit√§tsstandards erf√ľllen. Sie liefern europaweit verl√§ssliche und vergleichbare Daten f√ľr priorit√§re Stoffe, die mit gesundheitlichen Risiken f√ľr die Bev√∂lkerung verbunden sind oder verbunden sein k√∂nnen. HBM4EU interpretiert diese Daten und formuliert Empfehlungen f√ľr die Politik. Im Gegensatz zu bestehenden Berichtspflichten im Bereich des Umweltmonitoring gibt es derzeit keine verbindlichen Vorgaben zur Erhebung von HBM-Daten auf europ√§ischer Ebene oder in den EU-Mitgliedstaaten. HBM4EU hat gezeigt, dass HBM-Daten zu einer verbesserten Risikoeinsch√§tzung von Chemikalien beitragen. Das HBM4EU-Management Board hat sich vor diesem Hintergrund in einem offenen Brief an die EU-Kommission f√ľr die systematische Erhebung und Nutzung von HBM-Daten stark gemacht. Der europ√§ische "Green Deal", und die dazugeh√∂rige neue EU Nachhaltigkeitsstrategie f√ľr Chemikalien bieten die Chance daf√ľr.

Derzeit l√§uft eine HBM4EU-Studie zur Belastung von Arbeiterinnen und Arbeitern mit Chrom VI in verschiedenen Industriebranchen. Die Ergebnisse der Studie werden demn√§chst zeigen, dass diese Gruppen immer noch signifikant h√∂her mit krebserzeugendem Chrom VI belastet sind als die Allgemeinbev√∂lkerung ‚Äď trotz bereits strenger EU-Regulierungsma√ünahmen. Die Studie verdeutlicht, dass insbesondere weitere Vorkehrungen sinnvoll sind, um die Aufnahme von Chrom VI √ľber die Haut zu verhindern.

Eine weitere untersuchte Stoffgruppe sind die sogenannten Phthalate. Zu dieser Gruppe von Weichmachern geh√∂ren Stoffe, die die Fruchtbarkeit sch√§digen und in vielen Plastikprodukten verwendet werden, unter anderem in Lebensmittelverpackungen. Erste HBM4EU-Ergebnisse zeigen zwar, dass die menschliche Belastung mit Phthalaten nach erfolgter Regulierung von einzelnen Substanzen dieser Gruppe abnimmt, aber dennoch sind die Stoffe immer noch in fast jedem untersuchten Menschen nachweisbar. Die EU-Regulierung wirkt also, die Bev√∂lkerung kommt aber immer noch mit zu vielen Phthalaten in Ber√ľhrung. Hinzu kommt, dass sich die Wirkungen gerade der kritischen Phthalate untereinander und auch in Kombination mit einigen Pflanzenschutzmitteln addieren k√∂nnen, so dass eine zuverl√§ssige Entwarnung erst nach Beurteilung der Stoffmischungen gegeben werden kann.

HBM4EU leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Bewertung der Risiken von per- und polyflurierte Alkylsubstanzen (PFAS). Dies ist eine in Europa gerade intensiv diskutierte Gruppe von Chemikalien, die u.a. die Wirkungen von Impfungen beeintr√§chtigen k√∂nnen. In der "Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit", durchgef√ľhrt vom Umweltbundesamt, konnte nachgewiesen werden, dass viele deutsche Kinder mehr PFAS im Blut haben, als toxikologisch unbedenklich w√§re.


Die Originalpressemitteilung finden Sie hier.



Copyright: © Bundesministerium f√ľr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (02.10.2020)
 
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