Kreislauf in Dosen - Stoffliches Recycling von PU-Schaumdosen jetzt Pflicht

Mit der 4.Novelle der Verpackungsverordnung (VerpackV) hat der Gesetzgeber der Scheinverwertung von gebrauchten PU-Schaumdosen eine klare Absage erteilt und die Priorität der stofflichen Verwertung gegenüber der thermischen Behandlung bestätigt.

25.03.2006 Die am 7. Januar 2006 in Kraft getretene Neufassung bestimmt in § 7 (2) ausdrücklich, dass die als besonders überwachungsbedürftiger Abfall eingestuften gebrauchten Dosen einer stofflichen Verwertung zugeführt werden müssen. Diese Präzisierung schließt die Interpretationsspielräume bei der Auslegung des Verordnungstextes, der bisher nur bestimmte, dass zurückgenommene Verpackungen schadstoffhaltiger Füllgüter "einer erneuten Verwendung oder einer Verwertung zuzuführen (sind), soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist." In der Begründung zur jüngsten Novelle heißt es, so solle der sich abzeichnenden Entwicklung vorgebeugt werden, PU-Schaumdosen entweder gar nicht oder minderwertiger als technisch möglich zu verwerten. Nach vom Umweltbundesamt geprüften Ökobilanzen sei die überwiegend stoffliche Verwertung aus der Sicht des Umweltschutzes günstiger als die energetische Verwertung.

Dass sich die im Bauhandwerk bewährten Bau- oder Montageschaumdosen zu über 90 Prozent wieder zu Sekundärrohstoffen verwerten lassen, stellt seit 1993 die PDR Recycling GmbH + Co KG im nordbayerischen Thurnau unter Beweis. Sie kann aus einer PU-Schaumdose mehrere Sekundärrohstoffe gewinnen: PU-Prepolymer (PREPUR), Flüssiggas (TRIGAS), Thermoplaste (PE/PP), Weißblech und Aluminium. Auch die Kartonagen der Rücksendekartons werden wiederverwertet.

In Gewichtseinheiten ausgedrückt waren das 2005 rund 500 Tonnen PREPUR, 60 Tonnen TRIGAS, 525 Tonnen Weißblech, 60 Tonnen Aluminium, sechs Tonnen Thermoplaste und 110 Tonnen Kartonagen.

Alle PU-Schaumdosen werden zunächst von Hand sortiert. Dabei werden die Kunststoffkappen entfernt und zu Mahlgut verarbeitet. In der Aufbereitungsanlage werden die Dosen unter Luftabschluss mechanisch zerkleinert.

Die flüssigen Inhaltsstoffe und die Metallteile der Dosenbehälter (Aluminium bzw. Weißblech) fallen in ein Lösemittelbad. Das unterhalb der Zerkleinerungsanlage anfallende PUR-Lösemittel-Gemisch wird über eine Filterstation der Aufbereitung zugeführt, wo der Lösemittelanteil entfernt wird. Dieser wird wieder zum Waschen der Metallteile benutzt. Das zurückgewonnene Prepolymer findet als Zusatzstoff für Industriekleber Verwendung.

Die Metallteile werden mit einer Waschschnecke aus dem Lösemittelbad herausgefördert und zweimal vorgewaschen. Die sauberen Metallteile gelangen anschließend in eine Trockenschnecke. Diese beseitigt unter Zufuhr von Verdampfungsenergie die letzten Lösemittelreste. Anschließend kommen die Metallteile zur Nachsortierung in Aluminium- und Weißblechcontainer. Das wiedergewonnene Metall wird in Metallhütten erneut aufgeschmolzen. Die frei werdenden Treibmittel der PU-Schaumdosen werden oberhalb der Zerkleinerungsanlage abgesaugt und in die Treibmittelrückgewinnung transportiert. In Druckgasbehältern abgefüllt stehen sie anschließend für die Aerosolindustrie zur Wiederverwendung bereit.

Unternehmen, Behörden + Verbände: PDR Recycling GmbH + Co KG
Autorenhinweis: Rolf Apfeld, PDR Recycling GmbH + Co KG



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: März 2006 (März 2006)
Seiten: 1
Preis: € 0,00
Autor: Rolf Apfeld

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