Leitfaden zur Erstellung integraler Hochwasserschutzkonzepte in Thüringen

Im Thüringer Landesprogramm Hochwasserschutz werden der technische Hochwasserschutz, der natürliche Wasserrückhalt, die Revitalisierung der Auen sowie Vorsorgemaßnahmen und die Gefahrenabwehr gemeinsam und gleichberechtigt betrachtet. Zentrales Instrument zur Erarbeitung und Umsetzung dieser Maßnahmen sind die integralen Hochwasserschutzkonzepte. Ein neuer Leitfaden legt dazu einheitliche fachlich-methodische Grundlagen fest.


1 Einführung

Das Thüringer Landesprogramm Hochwasserschutz, welches im März 2016 erstmalig veröffentlicht wurde, stellt einen umfangreichen Fahrplan für den Hochwasserschutz bzw. für das Hochwasserrisikomanagement in Thüringen dar [1]. Kerngedanke des Programms ist es, integral zu handeln, d. h. das Hochwasserrisikomanagement als übergreifenden Prozess unter Mitwirkung aller beteiligten Fachdisziplinen, Behörden, interessierten Institutionen und Betroffenen zu verstehen. Neben dem technischen Hochwasserschutz sollen der natürliche Wasserrückhalt einschließlich der Auenrevitalisierung, viele präventive Maßnahmen sowie die Gefahrenabwehr und der Katastrophenschutz gefördert werden.

Die integralen Hochwasserschutzkonzepte (iHWSK) stellen dabei in Thüringen das grundlegende und zentrale Element des Landesprogramms dar, um die Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes zielgerichtet zu platzieren und kosteneffizient umzusetzen.

2 Veranlassung

Als zuständige Fachbehörde hat die damalige Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG, jetzt Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, TLUBN) die ProAqua Ingenieurgesellschaft für Wasser- und Umwelttechnik mbH, Aachen, 2016 mit der Erarbeitung eines entsprechenden Leitfadens zur Erstellung von iHWSK in Thüringen beauftragt. In einer begleitenden Arbeitsgruppe waren neben dem Referat 51 weitere Referate der TLUG, die Thüringer Landgesellschaft, die Thüringer Aufbaubank, das Thüringer Umweltministerium und zwei Kommunen vertreten. Im Zuge der Erstellung des Leitfadens fanden auch Gespräche mit ausführenden Büros und deren Auftraggebern statt, bei denen Entwürfe des Leitfadens vorgestellt und fachlich abgestimmt wurden.

Im Leitfaden werden einheitliche fachlich-methodische Grundsätze und Mindestanforderungen für alle zukünftigen iHWSK im Freistaat Thüringen festgelegt [2]. Damit sind die Voraussetzungen für die Verwendung von landesweit einheitlichen Daten- und Bearbeitungsgrundlagen sowie eine vergleichbare Bearbeitungstiefe und -qualität gegeben. In Zukunft müssen integrale Hochwasserschutzkonzepte in Thüringen, unabhängig davon, ob sie über die Thüringer Aufbaubank (TAB) gefördert werden oder nicht, den Grundsätzen des Leitfadens genügen. Der Leitfaden wird bei Bedarf an neue Gesetze und Programme angepasst. Die aktuellste Fassung (auch der Anhänge) sowie weitere Informationen sind unter www.aktion-fluss.de abrufbar.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 12 (Dezember 2019)
Seiten: 4
Preis: € 10,90
Autor: Carlos Rubin

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