Überführung eines nass-mechanischen Aufbereitungsverfahrens für Altkunststoffe in den Pilotmaßstab

Im gegenständlichen Beitrag wird ein Bogen über mehr als zehn Jahre Forschung der Lehrstühle für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes (VTIU), Aufbereitung und Veredlung (AuV) sowie Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft (AVAW) und industriellen Partnern im Bereich des chemischen Recyclings von Altkunststoffen gespannt.

Kunststoffe zählen zu den meistgebrauchten Werkstoffen der modernen Gesellschaft, was eine weltweit steigende Produktion von 359 Millionen Tonnen (Plastics-Europe 2018) unterstreicht. Diese Kunststoffe werden oft nach bereits kurzer Verwendungsdauer – Verpackungsmaterial oder Wegwerfprodukte – als Reststoffe der Abfallwirtschaft übergeben, in Europa (28 EU-Staaten sowie der Schweiz und Norwegen) waren dies 29,1 Millionen Tonnen (PlasticsEurope 2018). Da kurzlebige Produkte mehrheitlich aus Polyethylen, Polypropylen und Polystyrol – den sogenannten Polyolefinen – hergestellt werden, bilden sie mit 55 % (PlasticsEurope 2018) den Großteil dieser Reststoffe. Oft ist es wegen der starken Verunreinigung bzw. der Heterogenität dieser Abfälle nicht möglich, diese stofflich zu recyceln. In der EU schwanken die Recyclingquoten der einzelnen Länder zwischen lediglich 20 % und 45 %. (PlasticsEurope 2018) So ist auch heute noch die thermische Verwertung die Hauptsenke der Kunststoffabfälle. Seitens der EU wird jedoch eine Steigerung dieser Quote auf 55 % bis 2025 angestrebt, was die Abfallwirtschaft vor neue Herausforderungen stellt.


Daraus resultierten in den vergangenen 10 Jahren zahlreiche Forschungsprojekte der Lehrstühle VTIU, AuV und AVAW sowie industriellen Partnern. Aus diesen ist ein Aufbereitungsprozess und Anlagenkonzept entstanden, das nun durch das Spin-Off „Circulyzer GmbH" in den industriellen Pilotmaßstab überführt werden soll.

Um zusätzliche Altkunststoffströme aus der thermischen Verwertung dem stofflichen Recycling zuzuführen, wurde eine Prozesskette (vergleiche Abb. 1) entwickelt, um heterogene Kunststoffabfälle für das chemische Recycling verfügbar zu machen. Nach der bereits etablierten trockenen Vorbehandlung sollte ein zusätzlicher Aufbereitungsschritt entwickelt werden. Hierbei sollte ein 90 %-iges Polyolefinkonzentrat – sogenannte PO-Flakes – hergestellt werden, welches mittels einer thermochemischen Konversion (Lederer 2013) zu Einsatzstoffen für die petrochemische Industrie und somit für die Produktion neuer Kunststoffe verwendet werden kann.
 




Copyright: © Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben
Quelle: Recy & Depotech 2020 (November 2020)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 3,00
Autor: Daniel Schwabl
Dipl.-Ing. Dr.mont. Markus Bauer
Mario Peyha
Markus Lehner

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