Erfassung und Qualität von haushaltsstämmigen Bioabfällen

Die getrennte Erfassung von Bioabfällen ist ein zentrales Standbein der Recyclingwirtschaft in Deutschland. Mit ca. 10 Millionen Mg getrennt gesammelter Bio- und Grünabfälle (Bio- und Grüngut) bzw. rund 125 kg je Einwohner und Jahr stellen diese Fraktionen insgesamt die größte getrennt erfasste Wertstofffraktion innerhalb der Siedlungsabfälle dar. Es ist aber auch bekannt, dass die in den Restabfällen enthaltenen Bioabfälle in der Regel ebenfalls die größte nicht getrennt erfasste Wertstofffraktion sind.

Untersuchungen des Witzenhausen-Instituts zeigen, dass im Schnitt zwischen 25 und 45 Gew.-% des Restabfalls aus Haushalten aus nativorganischen Materialien bestehen. Gerade die haushaltsstämmigen Bioabfälle (Nahrungs- und Küchenabfälle) werden zu einem großen Anteil über den Restabfall entsorgt. Insbesondere Städte und Kreise, die für ihre Bioabfallverwertung eine vorgeschaltete Vergärungsstufe installiert haben, bedauern dies sehr, da gerade die haushaltsstämmigen Bioabfälle in der Regel einen sehr hohen Energieinhalt aufweisen und damit zu einer hohen Biogasausbeute beitragen können.

Die Vorgaben und Empfehlungen zur Handhabung und Erfassung von haushaltsstämmigen Bioabfällen werden bei den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern (örE) sehr unterschiedlich geregelt. Während einige Gebietskörperschaften beispielsweise rohe tierische Abfälle von der Biotonne ausschließen, wird anderen Orts das gesamte Spektrum an pflanzlichen und tierischen Bioabfällen, egal ob gekocht oder roh, für die Erfassung über die Biotonne zugelassen.

Noch kontroverser wird das Thema entsprechender Trennhilfen im Haushalt diskutiert. Die Diskussion, ob Papiertüten oder kompostierbare (biologisch-abbaubare) Bioabfall-Sammelbeutel (BAW-Beutel) zugelassen werden sollen, geht meist an den Wünschen und Anforderungen der Haushalte (Hygiene, Geruch u. a.) vorbei. Hauptargumente der örE für den Einsatz der BAW-Beutel sind der größere Komfort für den Bürger, die verbesserte Hygiene in der Küche und der Biotonne sowie die hierdurch in der Regel höhere Erfassungsleistung an Küchen- und Nahrungsabfällen. Die Gegner von BAW-Beuteln stellen vor allem in den Vordergrund, dass sich die BAW-Beutel in der praxisüblichen Behandlungszeit nicht vollständig abbauen und somit wie konventionelle PE-Beutel den Prozess und die Qualität des Komposts stören. Zudem wird bei Zulassung von BAW-Beuteln ein höherer Fremdstoffeintrag in das Biogut angenommen, da die Bürger nicht zwischen der Nutzung von BAW- und PE-Beuteln unterscheiden würden.



Copyright: © Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH
Quelle: Biomasse-Forum 2018 (November 2018)
Seiten: 16
Preis inkl. MwSt.: € 8,00
Autor: Dr.-Ing. Michael Kern
Dipl.-Ing. Jörg Siepenkothen
Dipl.-Ing. Thomas Turk

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