Klärschlamm: eine globale Herausforderung

Nach dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung soll die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken beendet werden. Die Hydrothermale Carbonisierung eröffnet hier neue Möglichkeiten für eine effiziente thermische Verwertung. Vorgestellt werden die Ergebnisse einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die in Zusammenarbeit mit der AVA-CO2 und im Auftrag der Schweizer Bundesregierung erstellt wurde.

Bei der Abwasserreinigung in Kläranlagen fällt unweigerlich Klärschlamm als Abfallstoff an. Allein in Deutschland sind es pro Jahr rund 1,9 Mio. Tonnen Klärschlamm (TR), welche kostenpflichtig entsorgt werden müssen. In den nächsten Jahren wird das Aufkommen an kommunalem Klärschlamm, insbesondere in Ost-Europa, durch eine Erhöhung des Anschlussgrades an Kläranlagen stark steigen. Weltweit dürfte die Menge an angefallenem Klärschlamm bei 70-90 Mio. Tonnen liegen. Tendenz steigend.

Während in der Schweiz seit 2006 Klärschlamm nur noch thermisch verwertet werden darf, setzen andere Länder nach wie vor stark auf die landwirtschaftliche Verwertung. Sowohl die Deponierung, als auch die landwirtschaftliche Ausbringung sind in den letzten Jahren aus ökologischen Gründen zunehmend in die Kritik geraten. Neben Schwermetallen sind Keime, Arzneimittelrückstände und teils krebserregende Stoffe in der Diskussion gewesen. Daher setzen immer mehr Regierungen rund um den Globus, aus ökologischen sowie ökonomischen Gründen, auf die thermische Verwertung. Die landwirtschaftliche Ausbringung von Klärschlamm stellt zwar eine kostengünstige Entsorgungsvariante dar: Ein entscheidender Nachteil für diesen Entsorgungsweg sind die Risiken persistenter, d.h. nicht abbaubarer Schadstoffe, von denen derzeit nur wenige Stoffgruppen bekannt sind. Langfristig können diese Stoffe die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigen oder in die Nahrungskette gelangen. Nach dem Vorbild der Schweiz dürften mittelfristig auch Deutschland sowie weitere Länder zur Klärschlammverbrennung als Hauptverwertungsweg übergehen. Die Ankündigung der neuen Großen Koalition, die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken zu beenden, setzt ein deutliches Zeichen. Die thermische Schlammbehandlung und -entsorgung mit bestehenden Technologien stellt aber nach wie vor einen hohen Kostenfaktor in der Abwasserbehandlung dar. Durch den Einsatz der hydrothermalen Carbonisierung (HTC) kann die Trocknung viel effizienter durchgeführt werden. Somit können beträchtliche Kosten eingespart werden.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 05/2014 (Mai 2014)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Thomas Kläusli

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