Modellbasierte Szenarioanalyse zur Anpassung des Entwässerungsmanagements im nordwestdeutschen Küstenraum

Für das Verbandsgebiet des I. Entwässerungsverbandes Emden wurde untersucht, welche Auswirkungen durch den Klimawandel und die Veränderung der Flächennutzung auf das Entwässerungssystem zu erwarten sind. Zukünftig potenziell zu entwässernde Wassermengen wurden quantifiziert
und den aufgrund des Meeresspiegelanstiegs abnehmenden Sielkapazitäten gegenübergestellt. Zukünftige Entwässerungsbedarfe konnten abgeschätzt und die Zukunftstauglichkeit der vorhandenen Entwässerungsinfrastruktur bewertet werden.

Seit Jahrhunderten ist die Entwässerung des Deichhinterlandes an der Nordseeküste die zentrale Voraussetzung für die Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung der Marschgebiete. Im Laufe der Zeit ist eine komplexe Entwässerungsinfrastruktur entstanden, die von Entwässerungsverbänden betrieben und unterhalten wird. Trotz des kontinuierlichen Ausbaus dieser Systeme gerät die Binnenentwässerung bereits heutzutage bei extremen Wettersituationen wie Sturmfluten, Starkregenereignissen und langanhaltenden Regenperioden an ihre Belastungsgrenze, so geschehen im Verbandsgebiet des I. Entwässerungsverbandes Emden nach ergiebigen Regenfällen im November 2015.  Klimaszenarien lassen erwarten, dass die zukünftigen Anforderungen an die Binnenentwässerung signifikant steigen werden. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Anstieg des Meeresspiegels. Während bisher zum Zeitpunkt des Tideniedrigwassers ein Großteil der Abflussbildung noch über Sielbauwerke entwässert werden kann, ist zukünftig damit zu rechnen, dass diese Zeit des Sielzugs fortschreitend kürzer wird. Gleichzeitig werden die zu entwässernden Wassermengen – zumindest saisonal – erheblich steigen, da v. a. von einer Zunahme der Winterniederschläge auszugehen ist. Auch das Starkregenrisiko wird zunehmen [2]. Schließlich führt die Zunahme der Flächenversiegelung dazu, dass die Abflussbildung v.a. in urbanen Gebieten ansteigen und damit das Entwässerungssystem zusätzlich belasten wird. Vor diesem Hintergrund müssen Alternativen zu den herkömmlichen Entwässerungsstrategien erarbeitet werden. Im Einklang mit der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel [3] sollen diese Strategien nachhaltig sein und nach Möglichkeit Synergieeffekte mit anderen Handlungsfeldern berücksichtigen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 07/08 - 2018 (Juli 2018)
Seiten: 7
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Dr. Helge Bormann
M.Sc. Jenny Kebschull
Dr. Peter Schaal
Dr. Frank Ahlhorn

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