Das niederländische Programm Ems-Dollart 2050

Das niederländische Programm Ems-Dollart 2050 (ED2050) konzentriert sich, ebenso wie der deutsche Masterplan Ems 2050, auf die Wiederherstellung des Ökosystems des Ems-Ästuars. Nach fünf Jahren wird Bilanz gezogen.

Weltweit stehen Ästuare unter Druck. Sie sind meist gut geeignete Standorte für den Bau von Städten und Häfen, für die Ansiedlungvon Industrien oder für die landwirtschaftliche Nutzung fruchtbarer Böden. Demzufolge ist die ökologische Qualität nahezu aller nordwesteuropäischen Ästuare zunehmend gefährdet. Auch die Qualität des Ems-Ästuars hat sich stark verschlechtert. Im Zuge menschlicher Eingriffe wie Einpolderungen, Eindeichungen und Fahrrinnenvertiefungen nahm der Schlickgehalt drastisch zu, verschwanden die allmählichen Übergänge zwischen Salz- und Süßwasser sowie zwischen Land und Wasser und nahm die Vielfalt des Ökosystems stark ab [1]. Die Wiederherstellung des Ökosystemsim Ems-Ästuar ist somit eine große Herausforderung. Die Eingriffe in das System sind groß und deren Auswirkungen lassen sich nicht ohne Weiteres rückgängig machen. Die sehr starken Ebbe- und Flutbewegungen sowie der daraus resultierende Schlickimport hat eine große Auswirkung auf das Ökosystem im Emsästuar. Für die Sanierung bedarf es häufig nachhaltiger und dem System angepasster Eingriffe, die gesellschaftlich akzeptiert und wirtschaftlich realisierbar sein müssen. Die Herausforderung war daher besonders groß, als die Beteiligten im Januar 2014 beschlossen, die Verbesserung des ökologischen Zustands des Ems-Dollart-Gebiets anzugehen (Bild 1).

Was vorher geschah

Im Januar 2014 unterzeichneten sieben Partner des Programms Ökologie und Ökonomie im Gleichgewicht (Ecologie en Economiein Balans/E&E) die Kooperationsvereinbarung „Verbesserung der Natur und der Erreichbarkeit über das Wasser“ („Natuurverbeteringen Verbetering bereikbaarheid over water“). Darin sind der niederländische Staat und die Region, die Wirtschaft sowie Natur- und Umweltschutzorganisationen vertreten. Der Staat und die Provinz Groningen sicherten zu, einen Beitrag zur Verbesserung des Ems-Ästuars zu leisten. Die Natur- und Umweltschutzorganisationensollten im Gegenzug Zurückhaltung beim Einlegen vonRechtsmitteln gegen die Vertiefung der Fahrrinne zwischen demEemshaven und der Nordsee üben. Anschließend wurde das Mehrjahresprogramm Infrastruktur, Raumordnung und Transport aufgelegt (Meerjarenprogramma Infrastructuur Ruimte en Transport/MIRT [1]). Die Ergebnisse dieses Programms stellten die Grundlagefür das Mehrjährige adaptive Programm Ems-Dollart 2050 dar [2].

Grundzüge 2016 – 2020

Das Programm umfasste im Zeitraum 2016 – 2020 die folgenden Teile:

  1. Hydromorphologische Verbesserung: Als Grundlage für Maßnahmenzur Verbesserung des Systems werden mehr Kenntnisseüber die Hydromorphologie des Ästuars benötigt. Zu diesem Zweck wurden Modellierungen, Messungen und verschiedene Studien vorgenommen.
  2. Nützliche Verwertung von Schlick: Die Verringerung des Schlickgehalts im Ästuar ist ein aussichtsreiches Zwischenziel, für das kurz- bis mittelfristig Maßnahmen möglich sind. Es bedarf eines innovativen Ansatzes, um große Mengen Schlickzu akzeptablen Kosten entfernen zu können. Das Ziel: jährlichmindestens 1 Mio. t Schlick (Trockenmasse).
  3. Vitale Küste: Ziel ist die Entwicklung und Verbesserung von Lebensräumen entlang der Küste in Verbindung mit der Stärkungder Wassersicherheit, Schlickfang, Chancen für innovative Landwirtschaft und Aquakultur sowie Erholungsmöglichkeiten.
  4. Stärkung der Kooperation mit Deutschland: GrenzüberschreitendeZusammenarbeit ist notwendig, weil sich ein wesentlicher Teil des Ems-Ästuars auf deutschem Hoheitsgebiet befindet undes sich bei einem Teil um umstrittenes oder gemeinschaftliches Gebiet handelt.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 07 (Juli 2021)
Seiten: 8
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Wouter Iedema
Henk Smit
Jaap Siemons

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