Unterstützende Auswertungen und Darstellungen für die Beurteilung von Niederschlagswassereinleitungen auf die Gewässerökologie

In stark urban geprägten Einzugsgebieten sind oft die Anwendungsgrenzen des biologischen Nachweises gemäß des Merkblatts DWA-M 102-5 / BWK-M 3-5 überschritten. Zur Unterstützung wird für diese Fälle ein praxisnah entwickeltes Bewertungsverfahren vorgeschlagen, wobei eine flächendeckende Validierung noch aussteht.

Niederschlagsbedingte Einleitungen aus der Siedlungsentwässerung (Bild 1) in die Fließgewässer können sich negativ auf den ökologischen Zustand bzw. das ökologische Potenzial auswirken. Ziel des biologischen Nachweises nach [1] ist es u. a., signifikante Auswirkungen dieser Einleitungen auf den ökologischen Zustand bzw. das ökologische Potenzial zu identifizieren. Hierzu wird die aquatische Wirbellosenfauna (Makrozoobenthos) als biologischer Indikator herangezogen. Diese biologische Qualitätskomponente ist in der Lage, eine Vielzahl von Stressoren, wie z. B. organische oder hydraulische Belastungen, zu erfassen. Zudem spiegelt das Makrozoobenthos chronisch-anhaltende Belastungen wider. Mithilfe eines Vergleichs ausgewählter funktionaler Attribute (Metrics) oberhalb und unterhalb der Einleitung aus der Siedlungsentwässerung kann der Einfluss der Einleitung auf das Makrozoobenthos im Gewässer beurteilt werden. Es werden vor allem Einflüsse hinsichtlich der saprobiellen Belastung (Saprobienindex), der organischen Feststoffbelastung (Anteil Besiedler organischen Materials), der anorganischen Feststoffbelastung (Anteil Besiedler Sand) sowie der Störungsfrequenz (r- ominanz) betrachtet. Diese Metrics sind in der Regel ausreichend, um signifikante Einflüsse feststellen oder ausschließen zu können. Der biologische Nachweis kann sicher angewendet werden, wenn sich maßgebliche Gewässermerkmale oberhalb und unterhalb der Einleitung, insbesondere Strömungsund Substratverhältnisse, nicht unterscheiden. Sind allerdings Unterschiede vorhanden, könnten diese einen signifikanten Effekt der Einleitung vortäuschen oder verdecken. In diesen Fällen sollten die Probenahmen an besser geeigneten Stellen stattfinden. Ist dies nicht möglich, sollten die möglichen Effekte der vor-Ort Situation kausal analysiert werden.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 01 (Januar 2023)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Patrick Volkens
Dipl.-Umweltwiss. Thomas Korte
Kerstin Plantikow

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