„Missing Factfulness“ – auch im Gewässerschutz

Im Hinblick auf das langwierige Genehmigungsverfahren des Schachtkraftwerks an der Iller sowie einer negativen Haltung gegen weitere Projekte werden die Ursachen für die Entstehung dieser Situation erörtert. Der Verfahrensablauf sowie die Einflüsse verschiedener Interessensvertreter werden dargestellt und hinsichtlich ihrer „factfulness“ mit Forschungsergebnissen verglichen. Zielsetzung ist es, einerseits einen Eindruck davon zu vermitteln, zu welchen Problemen fehlende Faktenorientierung in derartigen Verfahren führen kann, andererseits Ansätze vorzuschlagen, mithilfe derer diese Probleme in Zukunft vermieden werden können.

Mit seinem Buch „Factfulness" hat Hans Rosling [1] eine Debatte über die Wirkung von Aussagen angestoßen, die alleine durch ihre mehrfache Wiederholung und breite Verteilung als richtig wahrgenommen werden, obwohl sie eigentlich falsch sind. Rosling sieht darin eine Erklärung für eine insgesamt überdramatisierte Weltsicht. Voreingenommene, alteingesessene Ansichten ließen sich somit nur schwer ändern, obwohl eindeutige Beweise vorliegen. Sie beeinflussten somit auch Einschätzungen, Entscheidungen und das Handeln - und zwar nachteilig.

Auch wenn sich Rosling in seinem Buch mit den wirklich großen Problemen der Welt befasst, passt seine Analyse sehr gut zum Fall der geplanten Schachtkraftwerke (SKW) an der Unteren Iller. Viele Schwierigkeiten bei der Umsetzung sind ebenfalls auf eine nicht faktenbasierte und zum Teil überdramatisierte bzw. falsche Darstellung zurückführen, mit nachteiligen Folgen für die regenerative Energieerzeugung und gleichzeitig auch für die zeitnahe Verbesserung der ökologischen Bedingungen. Forschungsergebnisse wissenschaftlicher Versuchsreihen, bei denen neben der Untersuchung der technischen Umsetzbarkeit und hydraulischen Besonderheiten die Auslegung des Konzepts auf ökologische Verträglichkeit an erster Stelle standen und auf überzeugende Weise bewiesen werden konnten, werden nicht oder nur unzureichend berücksichtigt [2].



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 09 (September 2019)
Seiten: 4
Preis: € 10,90
Autor: Dr. Matthias Fontin
Bertalan Alapfy

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Die Gefährdungsanalyse in Trinkwasser-Installationen – mehr als die Erfüllung einer rechtlichen Pflicht
© wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH (3/2014)
Der BTGA e. V. setzt sich in seinen Fachgremien intensiv mit dem Thema Gefährdungsanalyse in Trinkwasser-Installationen auseinander. Der Beitrag behandelt die Verpflichtung zur Durchführung einer Gefährdungsanalyse bei Überschreitung des von der Trinkwasserverordnung festgelegten technischen Maßnahmenwertes für Legionellen. Des Weiteren wird aufgezeigt, warum die Gefährdungsanalyse auch zur Aufdeckung von Schwachstellen in der Trinkwasser-Installation nutzbar gemacht werden sollte.

German Water Partnership etabliert sich als Dachmarke der deutschen Wasserwirtschaft, -forschung und -politik
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (12/2010)
Nach nur zwei Jahren hat die Gemeinschaftsinitiative, die Unternehmen und Forschungsinstitute bündelt und vernetzt, eine beachtliche Entwicklung vorzuweisen: Knapp 300 Mitglieder sind aktiv, um als German Water Partnership (GWP) ausländische Märkte für deutsche Technologie, Innovation und Dienstleistung im Wassersektor gemeinsam zu erschließen.

Vergabe untersagt - Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes
© Deutscher Fachverlag (DFV) (4/2005)
Der Beitrag behandelt das neue EuGH-Urteil zur Zulässigkeit von vergaberechtsfreien InHouse-Geschäften mit Public-Private-Partnerships. Für bestehende oder geplante 'Entsorgungs-GmbHs, an denen Private und öffentliche Hand gemeinsam beteiligt sind, wird dieses Urteil erhebliche Auswirkungen haben, meine zwei Rechtsanwälte aus der Nähe von Heidelberg.

Novelle der Düngeverordnung: Was wurde bereits geändert, was wird sich ändern?
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (12/2019)
Deutschland wurde im Juni 2018 vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen Nichteinhaltung und nicht ausreichender Umsetzung der Nitratrichtlinie verurteilt. Der EuGH kommt zum Ergebnis, dass die von Deutschland in der Novelle der Düngeverordnung 2007 ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichend sind, um die Ziele der Nitratrichtlinie zu erreichen. Die Europäische Kommission (EU-KOM) hat in der Folge Deutschland gerügt, dass auch mit der 2017 abgeschlossenen Novelle der Düngeverordnung nicht die notwendige Umsetzung der Nitratrichtlinie erfolgt, daher wird die Düngeverordnung derzeit erneut novelliert und soll 2020 in Kraft treten.

Finanzierung von ökologischen Maß-nahmen an Gewässern durch Ökopunkte
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (9/2019)
Die Gründe für den schlechten ökologischen Zustand unserer Gewässer in Europa sind vielschichtig und durch die direkte oder indirekte anthropogene Nutzung verursacht. Um den ökologischen Zustand unserer Gewässer zu verbessern, schaffte die EU im Jahr 2000 mit der Wasserrahmenrichtlinie für alle Mitgliedstaaten einen verbindlichen Rechtsrahmen. Die Wasserkraftnutzer tragen hier einen wesentlichen Beitrag vor allem bei der Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Gewässer. Der fortschreitende Klimawandel fordert größere Anstrengungen für ein emissionsarmes Wirtschaften, in dem die Wasserkraft einen wichtigen Beitrag leisten kann. Dies erfordert eine gleichrangige Gewichtung von ökologischen und ökonomischen Argumenten bei der Schaffung eines guten ökologischen Zustands der Gewässer. Mit Hilfe der Ökokonto-Verordnung in Baden-Württemberg i. V. m. § 16 BNatSchG wird die Finanzierung von freiwilligen Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung durch Ökopunkte unterstützt. Die Nutzung von Ökopunkten bietet nun den Wasserkraftbetreibern die Möglichkeit, gleichzeitig sowohl ökologische als auch ökonomische Aspekte bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustands der Gewässer zu berücksichtigen.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?