Bioindikatorische Typisierung der Anbindung von Altgewässern der Mittelelbe

Die Typisierung von Altgewässern erfolgt überwiegend über die hydrologische Anbindung an den Hauptstrom. Inwiefern Altgewässer dementsprechend auch biologisch typisierbar sind, wurde über 87 Probenahmen des Makrozoobenthos aus 46 Altgewässern entlang der Mittelelbe untersucht. Die Ergebnisse zeigten variable, aber letztlich sehr ähnliche Lebensgemeinschaften in den unterschiedlichen Altgewässertypen. Unterschiede waren nur in einzelnen Metriks feststellbar. Aufgrund dessen erscheint eine Bioindikation des Anbindungsgrades nur eingeschränkt sinnvoll.

Auengewässer können nach unterschiedlichen Kriterien klassifiziert werden. Alle Ansätze richten sich letztlich aber vorwiegend nach der Anbindung an den Fluss, die meist auch das Sukzessionsstadium und damit maßgeblich den Verlandungsgrad sowie Parameter, wie Tiefe, Sohlensubstrat, Vegetation und Nährstoffverhältnisse, bestimmt. Grundlage der meisten Ansätze ist die Unterscheidung nach Amoros et al. [1] in:

Parapotamon: abgetrenntes ehemaliges Flussbett (auch Flutrinnen und Flutmulden) mit permanenter unter- und/oder oberstromiger Anbindung an den Fluss und ständiger, im Regelfall mit dem Flusswasserstand schwankender Wasserführung.
Plesiopotamon: abgetrenntes ehemaliges Flussbett, z. B. ehemaliger Mäanderbogen bei mäandrierenden Gewässern oder Flutrinnen der Furkationszone mit episodischer Anbindung an den Fluss.
Paläopotamon: abgetrenntes ehemaliges Flussbett (Flussabschnitt, Flutmulde, Flutrinne) ohne Anbindung an den Fluss. Es handelt sich um stehende Gewässer mit der deutlichen Tendenz zur Verlandung.
Diese Typisierung deckt sich gut mit einer Typisierung der Alters- bzw. Verlandungsphasen [2]:
Initialphase: Lebensgemeinschaft weist noch eine zunächst hohe, aber langsam abnehmende Übereinstimmung mit der des Flusses auf.
Optimalphase: Lebensgemeinschaft beinhaltet zwar auch noch flusstypische Arten, es dominieren aber solche, die an makrophytenreiche, flache Seen gebunden sind.
Terminalphase: Besiedlung durch an Standgewässer angepasste Organismen. Es können aber auch moortypische Arten auftreten.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 11 (November 2019)
Seiten: 7
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl.-Ing. Michael Seidel
Dr. Fengqing Li
Dr. Uta Langheinrich
Prof. Dr. Volker Lüderlitz

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