Das Programm „Reine Ruhr“ und seine Umsetzung bei der Wasserwerke Westfalen GmbH

Der Eintrag anthropogener Spurenstoffe in Oberflächengewässer nimmt stetig zu. Mit Blick darauf sind im Sinne eines vorbeugenden Gewässer- und Verbraucherschutzes besondere Anstrengungen aller wasserwirtschaftlichen Akteure im Einzugsgebiet notwendig. Nachdem 2006 die Ruhrwasserqualität durch Einträge von perfluorierten Tensiden (PFT) traurige Berühmtheit erlangte, hat das Land Nordrhein-Westfalen zwei Jahre später das Programm „Reine Ruhr“ beschlossen. Zielsetzung des Programms sind die Vermeidung und der weitgehende Rückhalt von Spurenstoffen. Dabei folgt das Programm einem kombinierten Ansatz aus Maßnahmen „an der Quelle“, dem Rückhalt in kommunalen Kläranlagen und Maßnahmen zur Reduzierung möglicher Restbelastungen, aber auch von Krankheitserregern im Trinkwasseraufbereitungsprozess.

Die Ruhr stellt die Grundlage der Wasserversorgung für über vier Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen dar und ist damit die Lebensader für einen der größten Ballungsräume Europas. Die Qualität dieses Gewässers ist deshalb schon seit Langem von besonderer Bedeutung. Neben der Funktion als Rohwasserlieferantin für die Trinkwassererzeugung ist die Ruhr Vorfluter für die Einleitungen gereinigten Abwassers aus dem Einzugsgebiet. Die bewährte Zusammenarbeit zwischen den drei wichtigsten Akteuren Behörde, Wasserwerksbetreiber und Wasserverband (hier: Ruhrverband) sind wesentliche Grundlage dafür, dass bis heute an der Ruhr einwandfreies Trinkwasser gewonnen werden kann.

Der Zustand der Ruhr hat sich in den zurückliegenden Dekaden deutlich verbessert. Beispielsweise konnten die Phosphor- und Stickstoffeinträge aus Kläranlagen durch ein umfangreiches Investitionsprogramm des Ruhrverbands als Kläranlagenbetreiber signifikant verringert werden, sodass diese beiden Parameter im Gegensatz zu früher heute kein Problem mehr für Gewässerökologie und Trinkwassergewinnung darstellen.

Heute stellt vielmehr der Eintrag anthropogener Spurenstoffe und mikrobiologischer Erreger eine besondere Herausforderung für den Gewässerschutz sowie für die Trinkwassererzeugung dar. Verursacher sind im Wesentlichen Medikamentenrückstände (Therapeutika und Diagnostika aus der human- und veterinärmedizinischen Anwendung), Industrie- und Haushaltschemikalien, Körperpflegemittel, Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel und ähnliche Stoffgruppen. Aufgrund der ubiquitären Verwendung einer Vielzahl unterschiedlicher Stoffe und deren Verbindungen stellen kommunale Abwässer neben Industrieabwässern sowie Abschwemmungen von landwirtschaftlich genutzten Flächen den Haupteintragspfad in Oberflächengewässer dar.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 09 - 2016 (September 2016)
Seiten: 7
Preis: € 4,00
Autor: Ingo Becker

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