Charakterisierung von Wassergewinnungssystemen im Hinblick auf mikrobiologische Gefährdungen und Empfehlungen zur praktischen Umsetzung

Rohwässer, insbesondere aus Oberflächengewässern, die zur Wassergewinnung genutzt werden, können Krankheitserreger enthalten, die mit der Routineanalytik entsprechend der Trinkwasserverordnung nicht immer indiziert werden. Deshalb muss nach praktikablen Wegen gesucht werden, um auch gemäß den „WHO Guidelines for drinking water quality“ und der Empfehlung des Umweltbundesamtes hierzu Einträge von Krankheitserregern bei der Wassergewinnung zu erkennen und zu vermeiden. Die Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren e. V. und weitere Wasserversorger führten in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt Untersuchungen auf ausgewählte Referenzerreger durch. Parallel wurden die klassischen Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung analysiert sowie wasserwirtschaftliche Daten ausgewertet.

Trinkwasser unterliegt in Deutschland einer hohen Überwachungsdichte und hat stets eine hervorragende Qualität. Eine bewährte Grundlage dafür ist die mikrobiologische Überwachung von Indikatorparametern. Einzelne Beispiele zeigen jedoch, dass bei einer alleinigen Endproduktkontrolle des Trinkwassers Gefährdungen nicht immer sicher erkannt werden. Die WHO fordert in ihren Leitlinien deshalb eine ganzheitliche Betrachtung der Versorgungssysteme. Dieser Ansatz wurde in der 2014 erschienenen Empfehlung des Umweltbundesamts zur Risikobewertung mikrobiologischer Befunde im Rohwasser aufgegriffen. Die Kenntnis der Tatsache, dass sich einzelne Krankheitserreger in der Umwelt oder unter dem Einfluss von Desinfektionsmitteln anders als die Indikatororganismen der Trinkwasserverordnung verhalten, veranlasste die Trinkwasserkommission, die Untersuchung ausgewählter Referenzerreger1 zu empfehlen. Ziel ist es, das Funktionieren aller Barrieren gegen den Eintrag von Krankheitserregern zu bewerten. Diese WHO-Vorgaben zur Analytik auf Referenzerreger (u. a. auch Rotaviren) stoßen jedoch an ihre praktischen Grenzen, denn deren Untersuchung ist vergleichsweise aufwendig. Darüber hinaus sind die Konzentrationen bereits im Rohwasser von Wassergewinnungssystemen oft zu gering, um daraus quantifizierbare Systemleistungen abzuleiten.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 11 - 2015 (November 2015)
Seiten: 4
Preis: € 4,00
Autor: Dipl.-Biol. Hartmut Willmitzer
Dr. Peter Renner
Dr. Irmgard Feuerpfeil

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