Nitratbelastung des Grundwassers in Deutschland - Ist das Messnetz schuld?

Die Debatte über Ursachen und Lösungsansätze des Nitratproblems wird derzeit kontrovers geführt.
Die Angaben zum Ausmaß der Grundwasserbelastung durch eine Überschreitung des Qualitätsziels
von 50 mg/l NO3 in Deutschland reichen von 10 % bis 49 %, diese gegensätzlichen Werte tragen
nicht zur Versachlichung der Diskussion bei. Die Bedeutung der Landwirtschaft als wesentliche
Quelle der Nitrateinträge in das Grundwasser wird dabei von verschiedenen Seiten in Frage gestellt.
Im vorliegenden Beitrag werden die Ergebnisse aus unterschiedlichen Messnetzen zum Anteil des Grundwassers mit Nitratkonzentrationen über 50 mg NO3/l gegenübergestellt. Weiterhin werden die Nitrateinträge in das Grundwasser aus den Nutzungsformen Landwirtschaft, Siedlung und Wald abgeschätzt.

1 Einleitung


Die Nitratrichtlinie der EU (91/676/EWG) aus 1991 verpflichtet die EU-Mitgliedsstaaten, Verunreinigungen des Grundwassers durch Nitrateinträge aus der Landwirtschaft zu vermindern und zu vermeiden. Auch die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert, dass bei Überschreiten des Schwellenwertes von 50 mg NO3/l in einem Grundwasserkörper geeignete Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit der gute chemische Zustand hergestellt wird. Trotz dieser eindeutigen und seit langem geltenden gesetzlichen Vorgaben hat sich die Situation der Grundwasserbelastung mit Nitrat in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren nicht verbessert. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat dazu mit Urteil vom 21.06.2018 festgestellt, dass die Bundesrepublik Deutschland die Nitratrichtlinie nachhaltig verletzt. Auf Grund dieses Urteils sieht die Europäische Kommission weiteren Anpassungsbedarf bei der Düngeverordnung, da Deutschland keine ausreichenden Maßnahmen zur Umsetzung des EuGH-Urteils getroffen hat. Die novellierte Düngeverordnung 2020 sieht daher jetzt vor, die zulässige Stickstoffdüngung in Gebieten mit einer Nitratbelastung des Grundwassers (sogenannte rote Gebiete) um 20 % zu reduzieren.
In der aktuellen Diskussion um die Novellierung der Düngeverordnung wird verschiedentlich kritisiert, dass mit unzutreffenden Angaben zum Anteil der betroffenen Grundwasserkörper argumentiert wird. Weiterhin wird des Öfteren die Frage aufgeworfen, welcher Anteil der Nitrateinträge in das Grundwasser in Deutschland tatsächlich auf die Landwirtschaft zurückzuführen ist, oder ob das Nitratproblem nicht vielmehr maßgeblich durch Einträge aus dem Siedlungsbereich (beispielsweise durch undichte Abwasserkanäle) verursacht würde. Der Beitrag stellt den aktuellen Stand der Kenntnis zu diesen Aspekten vor.


2 Anteil und Trend belasteter Grundwasservorkommen in Deutschland


Zum Ausmaß der Nitratbelastung des Grundwassers sind sehr unterschiedliche Aussagen zu finden. Die alle vier Jahre veröffentlichten Nitratberichte der Bundesregierung an die EU-Kommission bilden eine maßgebliche Quelle für diese Angaben. Dabei ist aber zu beachten, dass es nicht Ziel der Nitrat-Berichterstattung ist, den Anteil des nitratbelasteten Grundwassers abzuschätzen, sondern die Wirksamkeit der Aktionsprogramme zur Verminderung von Nitrateinträgen zu überprüfen. Die Überwachung des Grundwassers dient in diesem Zusammenhang ausschließlich dazu, die Veränderungen (nicht jedoch den Status) der Nitratverunreinigung des Grundwassers aus landwirtschaftlichen Quellen festzustellen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 06 (Juni 2020)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Martin Bach
Lukas Knoll
Uwe Häußermann
Prof. Dr. Lutz Breuer

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