China macht die Grenzen dicht - eine Chance für Europa: Gastbeitrag von Michael Lackner, Managing Director Lindner-Recyclingtech GmbH

Mit seinem ,Nationalen Schwert 2017‘ hat China die Einfuhr von Plastikmüll gestoppt. Das hat in Europa und den USA vor allem einen Effekt: Wir benötigen dringend Lösungen für den Umgang mit diesem Material, das bisher ein wertvolles Handelsgut war und derzeit die Lager verstopft.

Foto: Lindner-Recyclingtech (04.05.2018) Mit seinem ,Nationalen Schwert 2017‘ hat China die Einfuhr von Plastikmüll gestoppt. Das hat in Europa und den USA vor allem einen Effekt: Wir benötigen dringend Lösungen für den Umgang mit diesem Material, das bisher ein wertvolles Handelsgut war und derzeit die Lager verstopft. Hier sind die Politik, die Wirtschaft und der private Bereich gleichermaßen herausgefordert. Kleinen und mittelständischen Recyclingbetrieben öffnen sich vor diesem Hintergrund faszinierende Entwicklungsmöglichkeiten, wenn sie jetzt zukunftsorientiert reagieren.
Hunderttausende Tonnen von Plastikmüll, hauptsächlich in Form von Verpackungsfolien aus dem Handel, die gesammelt, gepresst und dann als Ballenware verfügbar sind – das war bis Ende vorigen Jahres ein gesuchtes und daher auch wertvolles Handelsgut. China hat es gerne gekauft und damit seinen Mangel an Kunststoff-Rohstoffen zumindest teilweise ausgeglichen. Trotz der langen Transportwege über die Ozeane war dies ein einträgliches Geschäft, für beide Seiten – eine klassische Win-Win-Situation.
Heute ist dieser Müll ein Problem, das zu allem Überfluss teilweise hausgemacht ist. China hat die Einfuhr nämlich nicht zuletzt deshalb gestoppt, weil sich in der Bezeichnung ,Plastikmüll‘ das Gewicht von ,Plastik‘ immer mehr hin zu ,Müll‘ verschoben hatte. Schlecht sortiertes, stark verschmutztes Material mit hohem Fremdstoffanteil hatte das Aufbereiten zunehmend unwirtschaftlich und auch gefährlich gemacht. Sicher, einen kleinen Teil des verwaisten Müllbergs kaufen jetzt andere fernöstliche Länder wie Malaysia oder Indien. Aber das ist, wenn überhaupt, nur eine mittelfristige Lösung. Auch dort wird sich die aktuelle, nachvollziehbare und durchaus begründete Entscheidung Chinas eher früher als später wiederholen.
Das Problem müssen wir und all die anderen westlichen Länder, die es bisher so bequem hatten, nun selber lösen. Und das schnell, denn die Müllberge wachsen, der verfügbare Lagerraum nimmt ab, und eigentlich sind sich alle Beteiligten einig, dass Deponieren gar nicht in Frage kommt. Die möglichen Alternativen sind bekannt, nur gibt es, wie so oft, berechtigte Pro- und Kontra-Argumente...

Unternehmen, Behörden + Verbände: Lindner-Recyclingtech GmbH
Autorenhinweis: Michael Lackner, Managing Director Lindner-Recyclingtech GmbH
Foto: Lindner-Recyclingtech



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Nr. 2 - Mai 2018 (Mai 2018)
Seiten: 2
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Ing. mag. Michael Lackner

Artikel weiterleiten Artikel kostenfrei anzeigen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Environmental effects of fireworks with special consideration of plastic emissions
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2020)
In Germany, about 133 million Euro are spent annually for New Year’s Eve fireworks, which result in 38,000 to 49,000 Mg of total firework mass. By a com-bination of desk research with official fireworks approval statistics, a customer survey, dismantling experiments with fireworks debris and with packaging characterisation, the total nationwide polymer emission was estimated to be 3,088 Mg. Out of this total mass, a projected polymer debris mass of 534 Mg was identified, and about 270 Mg of polymer packaging material. The remaining 2283 Mg of polymer mass are parts that eventually may remain at the launching site.

Forschungskolleg Verbund.NRW - Interdisziplinäre Forschung zur Ressourceneffizienz von Verbundwerkstoffen
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2020)
Verbundwerkstoffe und -konstruktionen können aufgrund der Kombination von verschiedenen Materialien und Werkstoffeigenschaften komplexe funktionale, ökonomische und ökologische Anforderungen erfüllen und werden im Bauwesen zunehmend eingesetzt.

Recyclingpotentiale in der Bauindustrie
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2020)
Ressourcenverknappung, Mangel an Deponievolumen, Importabhängigkeit, sowie vorschreitender Urbanisierungsgrad, welcher diese Problematiken zunehmend ver-stärkt, sind derzeitige Problemstellungen, auf welche das Bauwesen einen immensen Einfluss hat. So ist der Bausektor beispielsweise für 60 % der weltweiten Rohstoffgewinnung (Bribian et al. 2011), sowie 40 % der verursachten CO2-Emissionen verantwortlich (WGBC 2016).

Herstellung flüssiger Rohstoffe aus hochkalorischen Abfällen als Grundstoffe für die Chemieindustrie
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2019)
Das Team von RECENSO hat ein Verfahren zur industriellen Anwendung gebracht, mit dem sich diverse, wie auch gemischte kohlenstoffhaltige Einsatzmaterialien in flüssige und universell verwendbare Kohlenwasserstoffgemische umwandeln lassen. Diese können dann als Grundstoffe für vielfältige neue Produkte genutzt werden.

Neues Leben für den Kunststoff: Ökodesign und Absatz der Recyclingprodukte sind wichtige Faktoren
© Deutscher Fachverlag (DFV) (11/2018)
Das Recycling von Kunststoff schont gegenüber der Neuproduktion Ressourcen und spart viel CO2 ein. So reduziert die Verwendung von recyceltem PET über 75 Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zu PET-Neuware. Der Umweltschutz beginnt bereits beim Ökodesign, setzt ein konsequentes Sammeln und Recyceln der Materialien voraus und benötigt schließlich aufgeklärte Verbraucher, die auf ein umfassendes Angebot an Recyclingprodukten aus der Industrie zurückgreifen können.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?