Bewusstsein und Bildung für den Neckar und seine Renaturierung – Herausforderungen und Aufgaben für die Umweltbildung

Der Mensch kann nur das schützen, was er kennt und schätzt. Angesichts der Wissenserosion in Sachen Natur kann der Schutz unserer Gewässer nur durch eine breite Bildung für eine nachhaltige Entwicklung auch im Bereich Gewässerwissen gelingen. Gerade am Neckar, im Spannungsfeld von Natur und Kultur, von Landschaft und Wirtschaft, gilt es durch entsprechende Umweltbildungsinitiativen, die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger zu stärken, sich aktiv für grüne Infrastruktur einzusetzen. Durch eine Vielzahl von Initiativen und Projekten entstand am gesamten 367 km langen Flusslauf des Neckars ein regelrechter Wettbewerb um gute Ideen und Konzepte. Die Umweltakademie Baden-Württemberg hat schon frühzeitig verschiedene Initiativen zur Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung gestartet, um die Neckar-Natur den Menschen zu vermitteln. Den stark veränderten, ab dem Mittellauf kanalisierten Fluss aufwerten und dort auch neue Naherholungsgebiete zu schaffen, sind wichtige gesellschaftliche Aufgaben. Noch warten viele Standorte darauf, dass am Neckar wieder sein lebendiges grünes Band in Form von Auwäldern, Altwässern und anderen Refugien neu entstehen kann.

Bäche, Flüsse und andere Fließgewässer sind die Lebensadern der Landschaft und wichtigster Teil unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Für deren Schutz ebenso wie für den Schutz der Umwelt ist – zumindest theoretisch – heute eigentlich jeder verantwortlich. Doch Umwelt kann nur schützen, wer Natur und damit auch Gewässer kennt. Und die Bewahrung der eigenen Lebensgrundlagen ist ein erster Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Dabei geht es auch um Demokratiefähigkeit. Wer etwa Bachstelze, Eisvogel und Gänsesäger sowie andere heimische Vogelarten nicht kennt, nimmt diese nicht bewusst wahr und bemerkt auch nicht, wenn sie durch veränderte Umweltbedingungen aus der eigenen Umgebung verschwinden. Die Wahrnehmung der demokratischen Rechte – etwa von den Verantwortlichen in der eigenen Gemeinde oder Stadt entsprechende Maßnahmen einzufordern – ist dann nicht mehr möglich.

Gerade aber eine Demokratie lebt von informierten, an ihren eigenen Lebensverhältnissen und Lebensbedingungen interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Dabei soll und darf es nicht beim Einfordern von Maßnahmen bleiben. Eine aktive Bürgergesellschaft bedarf gerade beim Gewässerschutz auch einer über Diskussionen und Forderungen hinausgehenden aktiven Teilnahme an der Gestaltung der eigenen Lebensgrundlagen – ob im ökologischen als auch im ökonomischen, sozialen und kulturellen Bereich. Für alle diese Gebiete spielt Wissen über Natur, Umwelt und Kultur eine zentrale Rolle. Doch spezifisches Wissen allein reicht noch nicht aus: Um Intention tatsächlich in Handlungen umzusetzen, also die Kluft zwischen Wissen und Handeln zu überbrücken, muss prozedurales und konzeptuelles Handlungswissen (Wissen, das zur Optimierung von Handlungsabläufen befähigt) vorhanden sein. Ferner sind für den Einzelnen und damit auch für die Gesellschaft Handlungsanreize (Vorteile) notwendig, die sich aus ökonomischen Zusammenhängen ergeben bzw. durch politische Vorgaben gesetzt werden müssen. Hier muss die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung gerade auch im Bereich Gewässerwissen und -management ansetzen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 03/2014 (März 2014)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl.-Verwaltungswirt (FH) Claus-Peter Hutter

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