Interessanter Markt mit Schwächen: Die Türkei treibt die Verwertung von Bioabfall voran

Beim Recycling oder der Kaskadennutzung von Bioabfällen hinkt die türkische Abfallwirtschaft den europäischen Standards deutlich hinterher. Gleichwohl gibt es auch in der Türkei erkennbare Bestrebungen, den Umgang mit Abfällen umweltfreundlicher, energieeffizienter und ressourcenschonender zu gestalten. So gibt es bei der Vergärung von organischen Abfällen erste erfolgversprechende Ansätze, wie Dipl.-Ing. Alfons Himmelstoss, Geschäftsführer des Dresdner Anlagenbauers für Biogasanlagen, AEV Energy GmbH, zu berichten weiß.

Foto: Jörg Böthling (08.04.2016) ENTSORGA-Magazin: Welche Erfahrungen haben Sie auf dem türkischen Markt gemacht?
Alfons Himmelstoss: Die Erfahrungen sind zweigeteilt. Einerseits haben wir mit unserem Auftraggeber in Samsun sehr positive Erfahrungen gemacht. Zudem pflegen wir mit unserem jetzigen türkischen Partner eine sehr zielorientierte Zusammenarbeit. Andererseits haben wir mit unserem früheren Auftraggeber in Antalya erfahren müssen, dass trotz Auftragsvergabe und Lieferbereitschaft verbindliche Zahlungstermine nie eingehalten wurden. Wir haben in den ersten Jahren auch bemerkt, dass Auftraggeber kein Problem damit haben, Aufträge zu unterschreiben, ohne dass die Finanzierung gesichert ist. Leider kommt es auch vor, dass vereinbarte Zahlungen und Sicherheiten einfach nicht geleistet werden. Allein aus 2008 haben wir hier noch einen offenen Auftragsbestand von fast fünf Millionen Euro.
ENTSORGA: Das klingt ziemlich ernüchternd. Was sehen Sie als größte Herausforderung im türkischen Markt?
Himmelstoss: Die größte Herausforderung liegt darin, herauszufinden, welche Kunden nur Informationen wollen und keine finanziellen Möglichkeiten haben, und welche Kunden mit einer klaren Vorstellung an Investitionen in erneuerbare Energien herangehen und zielgerichtet nach einem kompetenten (deutschen) Partner suchen. Schwierig ist auch die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern und deren Qualität und Zuverlässigkeit. Ein vereinbarter Bau- und Zeitplan gilt eher als grober Anhaltspunkt denn als klare Vorgabe. Außerdem war für uns der zum Teil extreme Aufwand mit den Zollformalitäten neu. Eine echte Herausforderung waren auch die Montagetermine. Die Kooperation mit den örtlichen Helfern, die weder Deutsch noch Englisch sprachen, waren extrem schwierig und zeitaufwändig...

Unternehmen, Behörden + Verbände: AEV Energy GmbH, DBFZ gGmbH
Autorenhinweis: Dierk Jensen, Hamburg
Foto: Jörg Böthling



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Nr. 03/04 - April 2016 (April 2016)
Seiten: 3
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Dierk Jensen

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