Ostsee zunehmend vergiftet

WWF warnt in Studie vor Fischgenuss aus dem Baltischen Meer

Bremen. Die Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) warnt in einer am 25. Januar veröffentlichten Studie vor der starken Verschmutzung der Ostsee durch Chemikalien. Nach dem aktuellen Report: "Clean Baltic within REACH" reicherten sich zwischen den späten 1980er und den frühen 90er Jahren jährlich durchschnittlich 31 Kilogramm Polychlorierte Biphenyle (PCB) in den Ostseefischen an. Die schwedischen Gesundheitsbehörden empfehlen Frauen im gebärfähigen Alter deshalb, ihren Konsum von Ostseehering und Ostseelachs einzuschränken.

In Fischen wie beispielsweise Lachs und Kabeljau wurden auch neuere Substanzen wie Bromierte Flammschutzmittel, darunter Polybromierte Diphenylether (PBDE), Weichmacher und Duftstoffe in bedenklichen Mengen gefunden. Einzelne Fischproben aus der Ostsee enthielten bis zu 50 Mal mehr des Flammschutzmittels PBDE als Vergleichsproben aus dem Atlantik. Die Umweltschutzorganisation hat außerdem festgestellt, dass einige Fischarten wie beispielsweise Meerforelle, Kabeljau und Steinbutt unter Fortpflanzungsstörungen leiden, die mit Chemikalien in Verbindung gebracht werden. Schwer belastet sind aber auch Seehunde und Seeadler: Die Mengen an Polybromierten Biphenylen und PBDE sind in diesen Tieren der Ostsee zwei- bis fünfmal höher als in der Nordsee oder Arktis.

Andere schädliche Chemikalien, wie beispielsweise Perfluorierte Verbindungen, die als krebserregend und schädlich für die Fortpflanzung eingeschätzt werden, wurden laut der Studie kürzlich in Ostseeschweinswalen, Fischen und Vögeln gefunden. Wegen des langsamen Wasseraustauschs mit der Nordsee und der teilweise extrem niedrigen Temperaturen der Ostsee werden die Chemikalien hier noch langsamer abgebaut als in anderen Meeren. Die ohnehin geringe Artenvielfalt der Ostsee wird durch die Chemikalien noch zusätzlich gefährdet.

Die Umweltorganisation ruft nach einer grundlegenden Reform der EU-Chemikaliengesetzgebung, die derzeit unter dem Begriff REACH in Diskussion steht. „Die bisherige EU-Chemikalienpolitik ist offensichtlich nicht in der Lage, die Ostsee ausreichend zu schützen. Wir wissen genug, um jetzt endlich zu handeln: Industrie und EU müssen in Zusammenarbeit mit den Behörden dringend die gefährlichsten Substanzen ersetzen. Ein verbessertes REACH-Gesetz ist der wirksamste Hebel für eine gesündere Ostsee“, resümiert Ninja Reineke, Chemikalienexpertin des WWF. (pte)

Die Studie kann über das Internet heruntergeladen werden unter: http://www.panda.org/downloads/toxics/balticreport.pdf

Kontakt: World Wide Fund For Nature (WWF), Fachbereich Meere und Küsten, Am Guthpol 11, D-28757 Bremen, Tel. 0421-65846 -15, Fax: -65846-12, eMail: info@wwf.de, Internet: www.wwf.de
WWF Baltic Ecoregion Action Programme, Ulriksdals Slott, SE-170 81 Solna, Sweden, Internet: www.panda.org/europe/baltic



Copyright: © Rhombos Verlag (26.01.2005)
 
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