Mit Nanotechnologie gegen Schimmel, Algen und Keime

Forscher entwickeln dauerhaften nicht-toxischen Anstrich für Wohnbereich

Pfinztal/Oberhausen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT in Pfinztal bei Karlsruhe haben gemeinsam mit dem Farbenhersteller Bioni CS, Oberhausen, einen nicht-toxischen Anstrich entwickelt, der den Schimmelpilz- und Algenbefall auf Wand- und Fassadenflächen dauerhaft verhindert und selbst Antibiotika-resistente Krankenhauskeime wirksam beseitigt. Durch den Einsatz der neu entwickelten Nano-Wirkstoffkombination mit Partikeln, die tausendmal kleiner sind als die meisten Pilzsporen und Bakterien, kann auf herkömmliche Biozide, Fungizide und Konservierungsstoffe verzichtet werden, so daß von den Beschichtungen keine Raumluft- und Umweltbelastung ausgeht. Dies berichtet das Fraunhofer ICT.

Ziel des Forschungsprojektes vom Fraunhofer Institut für Chemische Technologie und Bioni war es, für den Einsatz in Wandfarben eine Wirkstoffkombination zu entwickeln, die das Wachstum von Schimmelpilzen dauerhaft verhindert. Gleichzeitig sollte von den neuen Anstrichen keine Raumluftbelastung ausgehen, so der Fraunhofer ICT-Chemiker Helmut Schmid. Um dies zu erreichen, habe man sich neuester Erkenntnisse aus der Nanotechnologie bedient. Nicht-toxische Nano-Partikel mit einem Durchmesser von durchschnittlich 10 Nanometer (dies entspricht einem Hunderttausendstel Millimeter) bilden den wichtigsten Bestandteil des neu entwickelten, antibakteriellen Anstrichs, der den Namen "Bioni Nature" erhielt. Laut Schmid sind damit die eingesetzten Wirkstoff-Partikel circa 1.000 Mal kleiner als die meisten Pilzsporen und Keime, die es zu bekämpfen gilt. Schmid zufolge haben mikrobiologische Untersuchungen gezeigt, daß Schimmelpilzsporen, die mit der „Bioni Nature“-Beschichtung und damit mit den integrierten Nano-Partikeln in Kontakt kommen, innerhalb kürzester Zeit beseitigt werden.

Da es sich bei den von den Forschern eingesetzten Nano-Wirkstoffen um chemisch ausgesprochen stabile Festkörper handelt, sie bestehen aus matallischem Silber, bleibt die antimikrobielle Wirksamkeit des Anstrichs dauerhaft erhalten. Der sonst übliche, rasche Abbau der Schutzfunktion durch Wirkstoff-Ausgasungen, wie es beim Einsatz von flüchtigen Bioziden in herkömmlichen Farben der Fall ist, findet also nicht statt. Generell verzichte man bei dem Anstrich auf herkömmliche Biozide, Lösemittel, Weichmacher und Konservierungsstoffe, betonen die Fraunhofer ICT-Forscher Dadurch werde sichergestellt, daß von der Bioni Beschichtung keine Raumluftbelastung ausgeht. Dies hätten auch Untersuchungen durch den TÜV Produkt und Umwelt in Köln bestätigt.

Nach Angaben der Bioni CS GmbH eignet sich der Anstrich nicht nur für Innenräume, sondern kann auch auf der Außenwand angebracht werden. Die Nano-Teilchen schützen dann Fassaden und Dächer vor Algen- und Moosbefall. Laut Bioni CS haben dies Untersuchungen an der Amtlichen Materialprüfanstalt der Freien Hansestadt Bremen gezeigt. Diese habe der Fassadenbeschichtung "Bioni Perform" eine hohe Beständigkeit gegen das Wachstum von Algen bescheinigt und bestätigt, daß bei den Tests keine algiziden Wirkstoffe in die Umgebung abgegeben wurden.

Dem Fraunhofer ICT zufolge eigenen sich die mit Nano-Technologie ausgestatteten Bioni Beschichtungen für zahlreiche Anwendungsbereiche, zum Beispiel in feuchtigkeits- und schimmelpilzgefährdeten und -betroffenen Räumen sowie in Bereichen, in denen sich sensible Bewohner wie Kinder, Allergiker oder ältere Menschen aufhalten.

Darüber hinaus verweist das Fraunhofer ICT auf Untersuchungen an der ISEGA Forschungs- und Untersuchungsanstalt in Aschaffenburg. Diese hätten gezeigt, daß  die neuen Bioni Beschichtungen selbst gegenüber den gefährlichen, antibiotika-resistenten Krankenhauskeimen äußerst wirksam sind. In direktem Kontakt mit der Bioni Beschichtung wurde demnach eine Reduktion des hochgefährlichen "Krankenhauskeims" Stayphylococcus Aureus um 99,6 Prozent nachgewiesen. Die eigens für den Einsatz in medizinischen Bereichen konzipierte Innenbeschichtung "Bioni Hygienic" ist somit in der Lage, die hygienischen Bedingungen in Krankenhäusern und Kliniken nachhaltig und gesundheitsschonend zu verbessern.

Die von den ICT-Forschern und Bioni entwickelte Wirkstoffkombination soll nun auch in anderen Produkten wie der Beschichtung von Zahnimplantaten, synthetischen Knochen, Kathetern, Herzklappen, Lebensmittelverpackungen oder Spielzeug getestet werden.

Kontakt: Fraunhofer ICT, Joseph-von-Fraunhofer- Strasse 7, D-76327 Pfinztal, Dipl. Chem. Helmut Schmid, Tel. 0721.4640709, eMail: helmut.schmid@ict.fhg.de, Internet: www.ict.fhg.de.
Bioni CS GmbH, D-46149 Oberhausen, Dipl.-Kfm. Sven Knoll, Tel. 0208.6217 553, eMail: s.knoll@bioni.de, Internet: www.bioni.de



Copyright: © Rhombos Verlag (13.10.2005)
 
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