Bioabfallstudie Schleswig-Holstein 2016

Eine vom VHE-Nord im November 2016 vorgelegte Studie befasst sich mit der aktuellen Situation sowie den Perspektiven der Bioabfallverwertung im n√∂rdlichsten Bundesland. Im besonderen Fokus der Untersuchungen stehen Fragen der Sortenreinheit von Biogut sowie m√∂gliche Folgen der Novelle der D√ľngeverordnung f√ľr die Funktionsf√§higkeit der Kreislaufwirtschaft von Bioabf√§llen.

Die Studie wurde vom VHE-Nord initiiert und mit finanzieller Unterst√ľtzung durch das 'Ministerium f√ľr Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und l√§ndliche R√§ume' sowie neun √∂ffentlich-rechtlichen Entsorgungstr√§gern (√∂rE) und sieben Betreibern von Bioabfallbehandlungsanlagen von der u.e.c. Berlin durchgef√ľhrt.

Als Ergebnis wird zun√§chst festgestellt, dass die getrennte Erfassung und hochwertige Verwertung von Biogut aus Haushaltungen in Schleswig-Holstein ein zentraler Bestandteil der Abfallwirtschaft ist. Im Vergleich zu Ergebnissen einer 2010 ver√∂ffentlichten Studie zur ‚ÄěBewertung der vorhandenen Bioabfallbehandlungsstandorte in Schleswig-Holstein im Hinblick auf eine Erg√§nzung um Verg√§rungsstufen" wird gezeigt, dass inzwischen nicht nur die Erfassungsmengen gesteigert wurden, sondern der √ľberwiegende Anteil des erfassten Bioguts k√ľnftig auch kombiniert stofflich und energetisch genutzt werden wird.

Diese positive Prognose kann aber nicht dar√ľber hinwegt√§uschen, so die Autoren, dass sich die √∂rE und die Betreiber der Behandlungsanlagen ernsthaften Problemen gegen√ľber sehen, die z.T. als existenzbedrohend eingestuft werden.

Konkret angesprochen wird etwa eine teilweise mangelnde Sortenreinheit der getrennt erfassten Bioabf√§lle. Um enthaltende Fremdstoffe abzutrennen m√ľssen immer feinmaschigere Siebe eingesetzt werden. Dies hat zur Folge, dass zunehmend gr√∂√üere Mengen an Siebresten anfallen, in denen sich Fremdstofffe akkumulieren. W√ľrden ausschlie√ülich sortenreine Bioabf√§lle verarbeitet, die weitgehend frei von Fremdstoffen sind, k√∂nnten diese Siebreste als Strukturmaterial wieder in den Rotteprozess zur√ľckgef√ľhrt werden.

Bei h√∂heren Gehalten an Fremdstoffen ist dies aber nicht mehr m√∂glich mit der Folge, dass die Siebreste nicht mehr verwertet werden k√∂nnen, sondern beseitigt werden m√ľssen. Dies wiederum ist mit zus√§tzlichen Entsorgungskosten verbunden, die in den vergangenen Jahren auch von rund 25 bis 30 Euro auf inzwischen 100 bis 120 Euro gestiegen sind. In den bestehenden Vertr√§gen zur Bioabfallbehandlung ist dies nicht oder nur ungen√ľgend abgebildet und bringt die Verwerter zunehmend in Bedr√§ngnis. Hinzu kommt, dass die wenigsten Vertr√§ge Vereinbarungen √ľber zugesicherte Sortenreinheiten enthalten. Auch dies kann die Funktionsf√§higkeit der Kreislaufwirtschaft auf Dauer gef√§hrden.

Weitere Sachverhalte, die als gravierendes Gef√§hrdungspotenzial f√ľr die Bioabfallverwertung gesehen werden, sind bestimmte Regelungen der anstehenden Novelle der D√ľngeverordnung (D√ľV). Das Problem ergibt sich daraus, dass nach der gegenw√§rtigen Entwurfsfassung der Novelle Ungleiches gleich bewertet wird, d.h. Komposte oder feste G√§rprodukte werden, z.B. bei N√§hrstoffvergleich f√ľr Stickstoff, so bewertet, als w√ľrde es sich um mineralische Stickstoffd√ľnger handeln. Dass der in Humusd√ľngern wie Kompost enthaltene Stickstoff aber nicht der Pflanzenern√§hrung, sondern im wesentlichen der Humusversorgung des Bodens dient, wird einfach ignoriert. Mit m√∂glichen fatalen Folgen: Beim Komposteinsatz wird hinsichtlich der Stickstoffversorgung (der Pflanzen) ein √úberschuss ausgewiesen, der die zul√§ssigen Kontrollwerte f√ľr Stickstoffverluste √ľberschreitet. Diese Fehbewertung wird, wenn sie nicht noch korrigiert wird, die Kompostverwertung in der Landwirtschaft praktisch beenden.
Alle in Schleswig-Holstein mit der Thematik der Kompostverwertung befassten √∂ffentlich-rechtlichen Entsorgungstr√§ger, Anlagenbetreiber sowie das Ministerium f√ľr Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und l√§ndliche R√§ume setzen sich deshalb f√ľr eine fachlich begr√ľndete Nachbesserung bzw. weitere Differenzierung der den Kompost betreffenden Regelungen in der D√ľngeverordnung ein.




Copyright: © Bundesg√ľtegemeinschaft Kompost e.V. (13.02.2017)
 
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