Stabiles Wachstum, mehr Effizienz, mehr Markt

Empfehlungen des SRU zur Zukunft der erneuerbaren Energien

Bei den anstehenden Reformen des Strommarktes ist Weitsicht gefragt. „Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien bis zur Vollversorgung muss das Ziel der Energiewende bleiben, genauso wie der Abbau inflexibler und klimaschĂ€dlicher Kohlekraftwerke“, fordert der Vorsitzende des SachverstĂ€ndigenrates fĂŒr Umweltfragen (SRU), Professor Dr. Martin Faulstich, anlĂ€sslich der Vorstellung eines Eckpunktepapiers zur „Zukunft des Strommarktes“. „Das geht nur mit Reformen des EEG und nicht mit seiner Abschaffung.“

Im Hinblick auf die aktuelle Debatte hat der SRU ein Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung des Strommarktes veröffentlicht. Dieses stellt die zehn zentralen Empfehlungen aus einem Sondergutachten vor, das Ende November 2013 veröffentlicht wird.

Mehr Markt ist wĂŒnschenswert bei der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Der Übergang sollte aber schrittweise erfolgen und den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sicherstellen. ZunĂ€chst ist es daher nötig, die verzerrte Kostendebatte auf eine sachliche Grundlage zu stellen. Die aktuell stark diskutierte EEG-Umlage ist ein ungeeigneter Indikator fĂŒr die angeblich zu hohen Ausgaben, weil sie die Kosten der Energiewende ĂŒberzeichnet. Der SRU empfiehlt stattdessen einen umfassenden volkswirtschaftlichen Kostenbegriff, der die Gesamtkosten des Ausbaus der erneuerbaren Energien mit denen einer konventionellen Energieversorgung vergleicht.

Die gleitende MarktprĂ€mie stellt sicher, dass die erneuerbaren Energien behutsam Marktrisiken ausgesetzt werden. Sie war bisher freiwillig und sollte in Zukunft fĂŒr alle neuen Anlagen verpflichtend werden. Im Gegensatz zu anderen Modellen der Direktvermarktung ist die gleitende MarktprĂ€mie kostengĂŒnstiger, weil sie die RisikoaufschlĂ€ge auf Investitionen in erneuerbare Energien niedrig hĂ€lt.

Im Übergang zu einer Stromversorgung mit erneuerbaren Energien sind flexible und relativ CO2-arme Gaskraftwerke unverzichtbar. Ihre Wirtschaftlichkeit leidet unter den erheblichen ÜberkapazitĂ€ten von emissionsintensiven und unflexiblen Kohlekraftwerken. Ein hoher CO2-Preis unterstĂŒtzt daher den notwendigen Strukturwandel im Kraftwerkspark. Die Bundesregierung sollte sich deshalb fĂŒr anspruchsvolle europĂ€ische Klimaschutzziele fĂŒr 2030 einsetzen, sodass der Emissionshandel wieder funktionieren kann. Das ist fĂŒr die Energiewende von grundlegendem Interesse.

Hinsichtlich der Förderung neuer Kraftwerke warnt der SRU vor ĂŒbereilten Maßnahmen. KapazitĂ€tsmĂ€rkte fĂŒr konventionelle Kraftwerke sind riskant und könnten den Übergang in eine klimaneutrale Stromerzeugung erschweren. Daher sollte zunĂ€chst auf die strategische Reserve sowie weitere Optionen gesetzt werden, die die FunktionsfĂ€higkeit des Strommarktes stĂ€rken (europĂ€ische Marktintegration, Lastmanagement).

Die Energiewende erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Ministerien sowie zwischen Bund, LĂ€ndern und der EU. Der SRU hĂ€lt ein separates Energieministerium nicht fĂŒr die geeignete Lösung, um diese Zusammenarbeit zu verbessern. Die zentrale Koordination der staatspolitischen Grundsatzaufgabe „Energiewende“ sollte stattdessen ein Staatsminister im Bundeskanzleramt ĂŒbernehmen.



Das Eckpunktepapier „Den Strommarkt der Zukunft gestalten“ kann unter http://portal.mytum.de/webmail_beta/30C91196D9D3888A/www.umweltrat.de heruntergeladen oder in der GeschĂ€ftsstelle des SRU bestellt werden.



Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Christian Hey, Tel: +49 30 263696-0.



Der SRU berĂ€t die Bundesregierung seit ĂŒber 40 Jahren in Fragen der Umweltpolitik. Die Zusammensetzung des Rates aus sieben Professorinnen und Professoren verschiedener Fachdisziplinen gewĂ€hrleistet eine wissenschaftlich unabhĂ€ngige und umfassende Begutachtung, sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher und politikwissenschaftlicher Perspektive.

Der Rat besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:

Prof. Dr. Martin Faulstich (Vorsitzender), Technische UniversitÀt Clausthal

Prof. Dr. Karin Holm-MĂŒller (stellv. Vorsitzende), Rheinische Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t Bonn

Prof. Dr. Harald Bradke, Fraunhofer-Institut fĂŒr System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe

Prof. Dr. Christian Calliess, Freie UniversitÀt Berlin

Prof. Dr. Heidi Foth, UniversitÀt Halle-Wittenberg

Prof. Dr. Manfred Niekisch, Goethe-UniversitÀt und Zoologischer Garten Frankfurt

Prof. Dr. Miranda Schreurs, Freie UniversitÀt Berlin



Copyright: © SRU - SachverstĂ€ndigenrat fĂŒr Umweltfragen (08.10.2013)
 
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