Futurol: Projekt zur Erforschung und Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation

Das franz√∂sische Erd√∂linstitut (IFP [1]), das franz√∂sische Institut f√ľr Agrarforschung (Inra [2]), die Struktur Agrarforschung f√ľr Entwicklung (ARD [3]) und ihre 8 anderen Partner [4] haben am 11. September 2009 den Start des Projekts Futurol angek√ľndigt. Das Ziel dieses Projektes ist es, bis 2015 ein Produktionsverfahren f√ľr Ethanol der "zweiten Generation" auf den Markt zu bringen.

Vor dem Hintergrund einer Erd√∂lverknappung, der Erderw√§rmung und dem aktuellen R√ľckgang der Entwicklung von Biokraftstoffen der "ersten Generation" (Bioethanol und Biodiesel) aufgrund zu geringer Energieeffizienz, mangelnder Nachhaltigkeit und der Nutzung von Nahrungsmitteln als Rohstoffgrundlage, stellt die Entwicklung dieser Biokraftstoffe der Zukunft (die die Biomasse ern√§hrungsfremder Stoffe nutzen, wie Stroh, Holz oder Waldreststoffe) eine der gr√∂√üten Herausforderungen der heutigen Zeit dar. Es gibt zwei M√∂glichkeiten zur Herstellung des Biokraftstoffes: die biochemische Variante zur Herstellung von Zellulose-Ethanol [5] und die thermochemische Variante f√ľr den synthetischen Dieselkraftstoff BtL (Biomass to Liquid) [6]. Das IPF f√ľhrt Forschungsarbeiten in beiden Bereichen durch.
Bis 2015 soll im Rahmen von Futurol ein franz√∂sisches Industrieverfahren f√ľr die Produktion von Zellulose-Ethanol auf den Markt gebracht werden. Dieses Projekt mobilisiert s√§mtliche F&E-Kompetenzen Frankreichs in diesem Bereich: das Inra f√ľr die Ressource und alkoholische G√§rung, die ARD f√ľr die Vorbehandlung und Coproduktverwaltung und das IFP f√ľr die Enzymhydrolyse und die Verfahrensintegration. Die verschiedenen Partner arbeiten im Konsortium "Procethol 2G" zusammen, um die gesamte Branche voranzutreiben und die Verfahren und Produkte (Enzyme und Hefen) patentieren zu lassen, deren Markteinf√ľhrung Axens, eine Tochtergesellschaft des IFP, sichern wird. Nach Angaben von Jean-Pierre Burzynski, Leiter der petrochemischen Aufbereitungsanlage im IFP, soll bis 2010 eine Pilotanlage (Verarbeitung von 1 Tonne Biomasse pro Tag) in der Marne entstehen, bevor 3 Jahre sp√§ter ein industrieller Prototyp (100 Tonnen Biomasse pro Tag) errichtet wird. Das Ziel besteht darin, ein Produktionsverfahren zu entwickeln, dass, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, mit dem europ√§ischen Ethanol der ersten Generation vergleichbar ist.
Ziel der europ√§ischen Union ist es, dass bis 2020 10 % des gesamten Kraftstoffverbrauchs auf Biokraftstoffe entfallen sollen. Die EU plant ebenfalls die Einf√ľhrung einer Zertifizierung mit Kriterien f√ľr die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen. Zun√§chst k√∂nnte eine Senkung der Treibhausgasemissionen um mindestens 35 % gefordert werden.
Noch nie wurde weltweit so viel in die F&E im Bereich der Produktion von Biokraftstoffen investiert. W√§hrend die USA und Brasilien auf das Zellulose-Ethanol setzen, interessiert sich Europa f√ľr beide M√∂glichkeiten (Zellulose-Ethanol und BtL). Mehrere Pilotanlagen sind bereits in Betrieb und andere befinden sich derzeit in der Planung. Die gr√∂√üte Herausforderung besteht darin, diese Biokraftstoffe zu wettbewerbsf√§higen Preisen und mit den besten Umweltbilanzen zu erzeugen. Angesichts der noch zu √ľberwindenden wirtschaftlichen und technologischen Hindernisse werden die ersten Industrieanlagen erst 2015/2020 entstehen.
Kontakte:
- [1] IFP: http://www.ifp.fr
- [2] Inra: http://www.inra.fr/
- [3] ARD: http://www.a-r-d.fr/
- [4] Partner des Projekts Futurol: IFP, Inra, ARD, Verband der Zuckerr√ľbenbauern (CGB), Champagne céréales, Lesaffre Group, Landesamt f√ľr W√§lder (ONF), Tereos, Total, Unigrains und die Crédit agricole du Nord-Est.
- [5] Extraktion der Zellulose, Umwandlung der Zellulose in Glucose durch Hydrolyse mit Enzymen, Gärung der Glucose mit Hefen zu Ethanol und Säuberung des Ethanols durch Destillierung und Trocknung.
- [6] Aufbereitung der Biomasse durch Pyrolyse oder R√∂stung, anschlie√üende Umwandlung in gasf√∂rmigen Zustand mit Hilfe von Wasserdampf oder Wasserstoff, gefolgt vom Fischer-Tropsch-Verfahren: chemische Umwandlung des Synthesegases in fl√ľssige und feste paraffinische Kohlenwasserstoffe.
Quellen:
- "Quel avenir pour les biocarburants dits de deuxi√®me génération?" - Pressemitteilung des IFP - http://www.ifp.fr/espace-decouverte-mieux-comprendre-les-enjeux-energetiques/tou... - 09.2009
- "L'IFP, acteur majeur du PROJET FUTUROL" - Pressemitteilung des IFP - http://www.ifp.fr/actualites/dossiers/l-ifp-acteur-majeur-du-projet-futurol - 11.09.2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
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