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Studie: Stromerzeugung in Müllverbrennungsanlagen schneidet ökologisch besser ab als andere Elektrizitäts-Systeme
Bern/Zürich (08.09.05). Einer wissenschaftlichen Studie zufolge, die im Auftrag des Schweizer Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) und des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) des Kantons Zürich erstellt worden ist, ist die Stromerzeugung in sogenannten Kehrichtverbrennungsanlagen/KVA (Müllverbrennungsanlagen/MVA) wenig umweltbelastend, auch im Vergleich mit anderen erneuerbaren Energiequellen. Die Produktion von KVA-Strom aus den erneuerbaren (biogenen) und den nicht erneuerbaren Abfällen schneidet demnach ökologisch weit besser ab als andere Elektrizitäts-Systeme wie zum Beispiel konventionelle moderne Gas- und Dampf-Kombikraftwerke (GuD-Kraftwerke) oder Wind-, Solar- und Wasserkraftwerke. Angesichts des grossen Potenzials in der Schweiz bezeichnen die Autoren der Studie KVA-Strom als ein sehr attraktives Energieprodukt. Damit sich die Investition in effizientere Stromgewinnungstechnologien lohnt, müsste Strom aus KVA als Ökostrom zertifiziert werden können und somit einen höheren Preis erzielen. Die Möglichkeit der Zertifizierung von Strom aus KVA wird von der Schweizer Energieverordnung (EnV) jedoch explizit ausgeschlossen. Die Abfallbranche und Fachleute von EnergieSchweiz fordern jetzt deshalb, dass die Gesetzgebung entsprechend geändert wird.
Das BUWAL liess untersuchen, ob der Strom Aus KVA die Kriterien des Naturemade-Star-Labels erfüllt. Die Bilanz wurde streng nach der Methode des VUE (Verein für umweltgerechte Elektrizität) erstellt. Die Vorgaben dafür lieferten Fachleute aus der Elektrizitätswirtschaft sowie von Umweltverbänden und Konsumentenorganisationen.
Der Studie zufolge weist Strom aus KVA eine um den Faktor 1.000 geringere Umweltbelastung auf als der Naturemade-Grenzwert für bestehende Anlagen. KVA haben in erster Linie eine Entsorgungsfunktion. Die Gutachter haben deshalb nur die Umweltbelastung der Prozesse und Anlageteile berücksichtigt, die zusätzlich für die Energiegewinnung benötigt werden. Zugleich betonen sie, dass die Verminderung der zu behandelnden Abfallmenge weiterhin Priorität eingeräumt werden müsse. Innerhalb dieses Rahmens könne und solle aber die freigesetzte Energie möglichst umfassend und sinnvoll genutzt werden.
Die Gutacchter verweisen darauf, dass die Resultate nur für die Methode des Naturemade-Labels beziehungsweise für das daraus abgeleitete Vorgehen gültig seien. Dieses Vorgehen sei aber unter Mitwirkung der Elektrizitätswerke, Umweltverbände und Behörden breit abgestützt. Die Gutachter verweisen darauf, dass auch andere, für die Studie nicht betrachtete Vorgehensweisen der Ökobilanzierung möglich seien, die zu anderen Schlüssen führen könnten. In diesem Sinne "gelten die Resultate nur für die gewählte Methodik und sollten nicht mit Resultaten aus Studien, die auf anderen Vorgehensweisen basieren, verglichen oder vermischt werden", so die Gutachter.
Alle 28 Schweizer KVA zusammen liefern rund 2,5 Prozent des benötigten Stroms der Schweiz. Netto, das heißt nach Abzug des Eigenbedarfs liefern die KVA rund eine Million Megawattstunden Strom. Davon ist die Hälfte biogenen Ursprungs. Die Stromproduktion aus KVA macht mit 75 Prozent den Löwenanteil der erneuerbaren Energie in der Schweiz aus, lässt man die dominierende Wasserkraft ausser Acht.

Elektrizität aus Kehrichtverbrennungsanlagen
(Abbildung: VBSA)

Ökobilanz Stromproduktion (nach Methode VUE, Ecoindicator '99)
(Abbildung: VBSA)
Nach Angaben des Verbandes der Betriebsleiter und Betreiber Schweizerischer Abfallbehandlungsanlagen (VBSA) ist die starke Zunahme der Stromproduktion seit 1990 zum grössten Teil durch das Deponieverbot für brennbare Abfälle und den damit erforderlichen Neubau von Anlagen bedingt. Mit technischen Optimierungen könnte die Leistung weiter gesteigert werden. Dies erfordere jedoch kostendeckende Entschädigungen. Denn bessere Wirkungsgrade bedeuten höhere Investitionen“, so der VBSA. Die Betreiber fordern jetzt verbesserte Rahmenbedingungen für Strom aus Müllverbrennungsanlagen. Strom aus Abfall müsse als wichtige Ressource anerkannt und gefördert werden. Der Verband bezieht sich hierbei auf das Stromversorgungsgesetz (StromVg), das als Ziel die erneuerbare Stromerzeugung erhöhen will. Investitionen müssten sich rechnen, so der VBSA. Strom aus dem biogenen Anteil von brennbaren Abfällen müsse deshalb wie in der EU als erneuerbar definiert werden. Hierzu müsste die EnV angepasst werden. Weiter fordert der VBSA eine Entschädigung (Einspeisevergütung) des erneuerbaren Anteils wie sie die anderen erneuerbaren Energien erhalten (zurzeit 15 Rp./kWh), gekoppelt an Bedingungen bezüglich Wirkungsgrad. Darüber hinaus seien eine langfristig gesicherte Abnahmegarantie für Strom aus Abfall sowie eine Erleichterung der Vermarktung der Elektrizität auf einem liberalisierten Markt durch ein gesichertes und vergünstigtes Durchleitungsrecht notwendig.
Die Ökobilanz für Energie aus Kehrichtverbrennungsanlagen“ kann über folgende Internetadressen kostenlos heruntergeladen werden:
Zertifizierung
Um die Herkunft der verschiedenen Stromprodukte aus erneuerbaren Energien zu garantieren, wird die Elektrizität von unabhängigen Stellen zertifiziert. Dabei kommen in der Schweiz zwei Labels in Frage: Während die TÜV-Zertifizierungen vor allem einen Herkunftsnachweis verlangen, gehen die Naturemade-Labels weiter. naturemade-star verlangt neben dem Herkunftsnachweis, dass mindestens 2,5 Prozent der Energie aus neuen erneuerbaren Quellen stammen und dass 1 Rappen pro Kilowattstunde für ökologische Verbesserungen bei den Stromerzeugungsanlagen eingesetzt wird. Für die Wasserkraftnutzung gelten ökologische Richtlinien, die über das Gewässerschutzgesetz hinausgehen. naturemade-basic hat weniger strenge ökologische Kriterien als die Star-Auszeichnung, geht jedoch weiter als die TÜV-Zertifizierung. So müssen beispielsweise 5 Prozent des Basic-Stroms aus Kraftwerken stammen, die nach naturemade-star zertifiziert sind.
Mit diesem Fördermodell wird eine noch ökologischere Stromerzeugung begünstigt. Die Agentur für erneuerbare Energien bezeichnet nur naturemade-star-zertifizierten Strom als Ökostrom, weil dieser ökologische Mehrleistungen garantiert und verlangt, dass auch Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse angeboten werden.
(Weitere Informationen bietet das Bundesamt für Energie (BFE), Internet: www.energie-schweiz.ch/internet/03754/index.html?lang=de)
Kontakt: BUWAL, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Chef Abteilung Abfall, Dr. Hans-Peter Fahrni, CH-3003 Bern, Tel: +41 (0)31 322 93 28, eMail: hanspeter.fahrni@buwal.admin.ch, Internet: http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/de/fachgebiete/fg_abfall/index.html
Baudirektion Kanton Zürich, AWEL, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, Abteilung Abfallwirtschaft und Betriebe, Franz Adam, Walcheplatz 2, CH-8090 Zürich, Tel. +41 (0)43 259 32 02, Fax +31-(0)43 259 42 99, eMail: awel@bd.zh.ch, Internet: www.awel.zh.ch/internet/bd/awel/de/home.html
Energie in Infrastrukturanlagen, Ernst A. Müller, Felix Schmid, Lindenhofstrasse 15, CH-8001 Zürich, eMail: energie@infrastrukturanlagen.ch, Internet: www.infrastrukturanlagen.ch.
Doka Ökobilanzen, Gabor Doka, Stationsstrasse 32, CH-8003 Zürich, Internet: www.doka.ch.
Verband der Betriebsleiter und Betreiber Schweizerischer Abfallbehandlungsanlagen (VBSA), Pierre Ammann, Peter Steiner, Postfach 261, CH-3000 Bern 22, eMail: steiner@vbsa.ch, mail@vbsa.ch, Internet: www.vbsa.ch.
Bundesamt für Energie (BFE), Worblentalstrasse 32, CH-3063 Ittigen, eMail: office@bfe.admin.ch, Internet: www.energie-schweiz.ch/internet/03754/index.html?lang=de
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