Aus der Abfalltonne in den Autotank?

Messe "waste to energy" informiert über Kraftstoff aus Abfall und Biomasse

Bremen. Die gestiegenen Strom- und Kraftstoffpreise zwingen vor allem Unternehmen mit hohem Energieverbrauch oder eigenem Fuhrpark zum Umdenken. Nach Auffassung von Entsorgungsspezialisten könnte der Rohstoff Abfall eine Lösung für den preiswerten und gleichzeitig umweltverträglichen Nachschub für Kraftwerke und Fahrzeuge sein. Auf der zweiten internationalen Fachmesse und Konferenz für Energie aus Abfall und Biomasse "waste to energy" am 7. und 8. Dezember 2005 in der Messe Bremen zeigen Aussteller Technologien, mit denen Reststoffe aus Haushalt, Gewerbe und Industrie nutzbar gemacht werden können.

"Bei der Erzeugung von Kraftstoffen aus Abfall handelt es sich um Energierückgewinnung und die Schaffung eines neuen Produktes gleichzeitig", erklärt Professor Gottfried Paffrath von der Fachhochschule Darmstadt, „waste-to-energy“-Experte und wissenschaftlicher Leiter der Bremer Konferenz. "Mit der Verwertung des Rohstoffs Abfall, der uns in großen Mengen kostengünstig zur Verfügung steht, findet somit auch eine Wertschöpfung statt: ein vermarktbares Produkt entsteht."

Das südkoreanische Unternehmen EOS System, das gerade eine Niederlassung in Deutschland eröffnet, beschäftigt sich mit der Produktion von Diesel aus Kunststoffabfällen. Das patentierte Verfahren setzt auf die sogenannte Pyrolyse (Entgasung). Kohlenstoffhaltige Verbindungen wie Abfälle werden unter Ausschluß von Sauerstoff bei Temperaturen zwischen 500 und 900 Grad Celsius zersetzt. In dem Verfahren der Firma EOS System wird mittels Pyrolyse gasförmiger Kraftstoff aus Kunststoffresten erzeugt, der anschließend abgekühlt und zu Diesel raffiniert wird. Zehn Prozent dieses Kraftstoffs, der sich für die Fahrzeugbetankung eignet, sind nach Aussage des Unternehmens ausreichend, um den Zersetzungsprozeß zu betreiben. Das Besondere bei dem Verfahren ist eine Förderschnecke, die durch den geregelten Fluß der Abfälle für höhere Sicherheit und gesteigerte Verarbeitungskapazität sorgt. Den Angaben zufolge kann das System 24 Stunden ohne Unterbrechung laufen. "Für den Betrieb der Anlage ist kein zusätzlicher Brennstoff erforderlich", erklärt You-goon Shin, Director Overseas Sales. "Durch das neue, patentierte Verfahren können in der Anlage 20 Tonnen Plastikabfälle pro Tag verarbeitet werden. Eine Vorbehandlung der Reststoffe, Trocknung, Reinigung oder Sortierung, ist mit unserem System nicht erforderlich." Wie das Unternehmen mitteilt, wurden im Jahr 2004 zwei Anlagen in Korea in Betrieb genommen. Auf der "waste to energy" wird EOS System das Patent erstmalig in Europa vorstellen.

Neben EOS System stellen weitere Firmen Verfahren zur Herstellung von Fahrzeugkraftstoff aus Abfällen auf der "waste to energy" vor. Darüber hinaus beschäftigen sich die mehr als 90 Aussteller mit der thermischen Verwertung in Müllheizkraftwerken, der Aufbereitung von Ersatzbrennstoffen, die in energieintensiven Branchen wie der Zementindustrie fossile Ressourcen wie Kohle ersetzen, und mit der Produktion von Biogas. Das Konferenzprogramm umfaßt mehr als 80 Beiträge zu Marktsituation, Rechtssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Anlagen- und Verfahrenstechnik und über 20 Posterbeiträge zu aktuellen Forschungsthemen. Die "waste to energy" ist am 7. bis 8. Dezember 2005 von 9 bis 18 Uhr für Fachbesucher geöffnet. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wte-expo.de.

Kontakt: HVG Hanseatische Veranstaltungs-GmbH, Geschäftsbereich Messe Bremen, Andrea Bischoff, Tel. 0421.3505-444, Fax -3505-340, eMail: bischoff@messe-bremen.de, Internet: www.messe-bremen.de.



Copyright: © Rhombos Verlag (13.10.2005)
 
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