Schon 1988 wurde kontaminierte Lauge abgepumpt

BfS stößt bei Recherchen in der Asse auf neue Erkenntnisse

Bislang war bekannt, dass erst 2005 radioaktiv belastete Lösungen umgelagert wurden.
In der Schachtanlage Asse II sind weit fr√ľher als bislang bekannt radioaktiv kontaminierte L√∂sungen aus dem sog. "Laugensumpf" vor der Einlagerungskammer 12 abgepumpt worden. Sie sind in andere h√∂her gelegene Teile des Bergwerks verbracht worden, von denen man bisher dachte, sie seien nicht mit diesen kontamierten Laugen belastet. Das haben Recherchen des Bundesamtes f√ľr Strahlen-schutz (BfS) ergeben. Bereits 1988 sind diese L√∂sungen aus dem "Laugensumpf" vor der Kammer 12 auf der 750-m-Sohle abgepumpt worden und in Stahlblechbeh√§ltern mit einem Gabelstapler in die Kammer 11 auf der 700-m-Sohle transportiert worden. Dort sind die L√∂sungen aus den Beh√§ltern auf die dort geschichteten Gesteinsbrocken (das so genannte Haufwerk) der teilverf√ľllten Kammer abgelassen worden.
Das geht aus dem Bericht eines Bergmannes aus dem Dezember 2008 hervor, der im Januar dem BfS vorgelegt und ausgewertet wurde. Um welche Mengen es sich dabei gehandelt hat und wo die radioaktiv kontaminierten Laugen verblieben sind, ist nicht bekannt.
Bislang war man davon ausgegangen, dass erst seit 2005 aus dem "Laugensumpf" vor der Einlagerungskammer 12 auf der 750 Meter- Sohle radioaktiv kontaminierte Salzlösung abgepumpt wurde. Die Radionuklide in diesen Lösungen stammten nach den Untersuchun-gen des Niedersächsischen Umweltministeriums (NMU) sehr wahr-scheinlich aus den schwachradioaktiven Abfällen, die in Kammer 12 eingelagert sind. Die schon 1988 abgepumpten Lösungen sind nach Informationen des BfS mit radioaktivem Cäsium , Kobalt 60, Stronti-um 90 und Tritium kontaminiert gewesen.

Au√üerdem wurden zwischen 1984 und 1986 L√∂sungen unbekannter Herkunft aus der 750-Meter Sohle eingesetzt. Die L√∂sungen seien bei der Verf√ľllung einer Abbaukammer auf der 658-Meter-Sohle zur Staubbindung eingesetzt worden. Ob diese L√∂sungen kontaminiert waren, ist noch nicht bekannt. Das BfS pr√ľft derzeit den Sachverhalt und die Frage, auf welcher Genehmigungsgrundlage die Ma√ünah-men erfolgten.
Hintergrund:
Die Recherchen des BfS stehen im Zusammenhang mit der Frage, ob die in Salzl√∂sungen auf der 750-m-Sohle auftretenden Kontaminationen im Zuge des Transports von Abf√§llen bei der Einlagerung in die Strecken eingetragen wurden oder ob die F√§sser in den Einlagerungskammern derzeit Kontakt zu Salzl√∂sungen haben. Weiter-hin ist zu kl√§ren, ob es sich bei den auf der 750-m-Sohle auftreten-den Salzl√∂sungen um alte, im Bergwerk vorhandene, so genannte Versatzl√∂sungen handelt (so wie bei der Kammer 12) oder ob bereits Zutrittsw√§sser aus der S√ľdflanke ihren Weg in die Einlagerungskammern gefunden haben. Eine direkte Untersuchung der Kammern ist dabei aus bergbaulichen und aus Strahlenschutzgr√ľnden nicht m√∂glich. Daher sind aufw√§ndige Recherchen in den Be-triebsunterlagen sowie geochemische Untersuchungen erforderlich.
Das Helmholtz-Zentrum M√ľnchen (HMGU), das bis Ende 2008 Betreiber der Asse war, hatte ab 2005 ohne die erforderliche Um-gangsgenehmigung nach Strahlenschutzverordnung kontaminierte Salzl√∂sungen in andere Teile des Bergwerks transportiert. Diese L√∂sungen lagen deutlich √ľber den Freigrenzen. Die belastete Salz-lauge war aus dem Sumpf vor Kammer 12 auf der 750-Meter-Sohle durch ein Bohrloch in den so genannten Tiefenaufschluss in etwa 975 Meter Tiefe gebracht worden. Dieses Vorgehen wurde am 18.6.2008 gestoppt.



Copyright: © Informationsdienst Wissenschaft e.V. -idw- (10.02.2009)
 
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