Deutschland, Ecuador, Ghana und Vietnam wollen weltweites Abkommen gegen Meeresm√ľll

Internationale Ministerkonferenz zur Bek√§mpfung von Meeres- und Plastikm√ľll


Die Umweltminister Deutschlands, Ecuadors, Ghanas und Vietnams laden zu einer internationalen Ministerkonferenz gegen Meeresm√ľll im September ein, um ein weltweites Abkommen gegen Meeresm√ľll und die Verschmutzung der Umwelt mit Plastikabf√§llen voranzutreiben. Meeres- und Plastikm√ľll stellen eine globale Herausforderung dar, der mit neuen Impulsen und politischem Willen begegnet werden solle, so die Umweltminister der vier L√§nder auf einem virtuellen Treffen am 31.M√§rz. In √ľber 120 L√§ndern gibt es mittlerweile Rechtsvorschriften, um die Nutzung von Einwegkunststoffen einzuschr√§nken bzw. zu verbieten. 34 von 54 afrikanischen Nationen haben Einwegkunststoffe verboten. Auch in der Europ√§ischen Union gibt es ein solches Verbot sowie ein Exportverbot von unsortiertem Plastikm√ľll. Ungeachtet dessen k√∂nnte sich der Eintrag von Abf√§llen in die Weltmeere bis 2040 sch√§tzungsweise fast verdreifachen.

Jochen Flasbarth, Staatssekret√§r im Bundesumweltministerium: "Es gibt kein Allheilmittel mit dem wir Meeres- und Plastikm√ľll verschwinden lassen k√∂nnen, aber es gibt einen Werkzeugkasten, mit dessen Hilfe wir L√∂sungen entwickeln k√∂nnen. F√ľr einen langfristigen Erfolg m√ľssen wir die Herstellung und Entwicklung von Kunststoffen st√§rker in den Blick nehmen, und wir brauchen Ma√ünahmen entlang der ganzen Verschmutzungskette. Wir verf√ľgen √ľber die wissenschaftlichen Erkenntnisse, das Wissen √ľber die Eintragswege und die erforderliche Technologie, um Innovationen zu beschleunigen und gleichzeitig unseren gebeutelten Planeten zu sch√ľtzen."

Marcelo Mata Guerrero, Umweltminister Ecuadors: "Eine gro√üe H√ľrde f√ľr Wissenschaftler und Entscheidungstr√§ger heutzutage ist das fehlende Wissen √ľber die biologischen Auswirkungen von Mikroplastik auf maritime Organismen und den Menschen. Auf dem Weg zu einem globalen √úbereinkommen muss das Thema dynamischer und sichtbarer werden. Ganz besonders in der Dekade der Meeresforschung f√ľr Nachhaltige Entwicklung ist dies ein guter Impuls, um Nachweise √ľber die Auswirkungen von Mikroplastik, das in unseren Nahrungsketten und in maritimen Lebewesen gefunden wird, zu erbringen. Meeres- und Plastikm√ľll zu stoppen bedeutet nicht nur, die Gesundheit der Meere zu sch√ľtzen, sondern auch unsere eigene."

Kwaku Afriyie Umweltminister Ghanas: "Wir brauchen Innovationen, Zusammenarbeit und Finanzierung in den Bereichen Abfallwirtschaft und Monitoring von Meeresm√ľll, insbesondere in Entwicklungsl√§ndern, die kaum √ľber Infrastruktur verf√ľgen und wo sich der Prozess schwieriger gestaltet ‚Äď und schwieriger zu finanzieren ist."

Ta Dinh Thi, Direktor der Vietnamesischen Beh√∂rde f√ľr Meeresgebiete: "Die L√§nder m√ľssen jetzt zusammenkommen, um eine globale Strategie mit klaren Zwischenzielen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Interessengruppen sowie Fortschrittsindikatoren zu entwickeln, damit wir das Problem von grenz√ľberschreitendem Meeres- und Plastikm√ľll angehen k√∂nnen. S√ľdostasien befindet sich in einer einzigartigen Position und spielt hier eine bedeutende Rolle. Ein neues globales Abkommen wird unseren regionalen und nationalen Ma√ünahmen gegen die globale Plastikkrise starken Auftrieb verleihen."

Inger Andersen, Exekutivdirektorin der UNEP: "Wir m√ľssen dringend transformative Ma√ünahmen ergreifen, um Plastikm√ľll zu reduzieren. Wir k√∂nnen es uns nicht leisten, den Punkt zu erreichen, an dem es kein Zur√ľck mehr gibt. UNEP ist bereit, seine Mitgliedstaaten bei den Gespr√§chen zu wirksameren globalen Ma√ünahmen im Bereich Einwegkunststoffe zu unterst√ľtzen und fordert die Mitgliedstaaten und andere Interessengruppen auf, die Arbeit zur Beseitigung von Einwegkunststoffen wo immer m√∂glich aufzunehmen. Wir d√ľrfen beim Reduzieren, der Wiederverwendung und dem Recycling keine Zeit verlieren."

Laut den vier L√§ndervertretern wird ein weltweites Abkommen ben√∂tigt, um ein abgestimmtes Vorgehen gegen die Bedrohungen der Meere und Ozeane durch Meeresm√ľll zu erreichen. Ziel soll es sein, finanzielle Mittel f√ľr Ma√ünahmen gegen Meeresm√ľll bereitzustellen und einen gemeinsamen Handlungsrahmen auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene zu schaffen. Im Fokus der Aktivit√§ten soll unter anderem der gesamte Lebenszyklus von Kunststoffen stehen sowie wissenschaftsbasierte Ans√§tze bei der √úberwachung des Meeresm√ľllproblems und eine Evaluation getroffener Ma√ünahmen.V Die f√ľr September 2021 anberaumte Ministerkonferenz soll politisch dazu dienen, den zweiten Teil der 5. UN-Umweltversammlung (UNEA) im kommenden Jahr vorzubereiten, auf der √ľber st√§rkere Ma√ünahmen gegen Meeresm√ľll und Mikroplastik beraten werden wird.V Vertreterinnen und Vertreter der vier L√§nder haben am 31.M√§rz ihr Vorgehen bei der Ausrichtung der Konferenz anderen UN-Mitgliedsstaaten sowie Nichtregierungsorganisationen auf einer virtuellen Paneldiskussion erl√§utert.

Das weltweite und allgegenw√§rtige Problem des Meeresm√ľlls richtet nicht nur in marinen √Ėkosystemen gro√üen Schaden an, sondern wirkt sich auch verheerend auf unsere Erde, die Tierwelt und die menschliche Gesundheit aus. Konkret wurden in den letzten 65 Jahren neun Milliarden Tonnen Kunststoff produziert, von denen allerdings nur 9 Prozent wiederverwertet und 12 Prozent verbrannt wurden, was zus√§tzlich eine Verschmutzung der Luft darstellen kann.

J√§hrlich gelangen 12 Millionen Tonnen Plastikm√ľll in unsere Meere. Meerestiere verfangen sich in dem M√ľll oder nehmen Kleinteile davon auf, wodurch sie sich verletzen oder zu Grunde gehen. Plastikm√ľll wirkt sich auch nachteilig auf die Nahrungsmittelsicherheit und -qualit√§t, die menschliche Gesundheit sowie den K√ľstentourismus aus und tr√§gt zum Klimawandel bei.

Dar√ľber hinaus wurde im j√ľngsten UNEP-Bericht Making Peace with Nature, die Umweltverschmutzung neben dem Klimawandel und dem Verlust von Biodiversit√§t als eine der drei planetaren Krisen genannt, die das Erreichen nachhaltiger Entwicklungsziele und somit ein ausgeglichenes Mensch-Natur-Verh√§ltnis gef√§hrden.

Initiativen der L√§nder gegen Plastik- und Meeresm√ľll

Deutschland setzt sich engagiert daf√ľr ein, dass dem Meeresm√ľll in den globalen Foren eine hohe Priorit√§t zukommt und war im Rahmen der G7 im Jahr 2015 und im Rahmen der G20 2017 erfolgreich. In diesen Zusammenh√§ngen wurden auch erstmals Aktionspl√§ne zur Bek√§mpfung von Meeresm√ľll erstellt.

Ecuador nahm im November 2020 ein Gesetz an, das die Wiederverwendung und das Recycling von Kunststoffen regelt und Einwegkunststoffe im Handel verbietet.
Ghana geh√∂rt weltweit zu den engagiertesten L√§ndern bei der Bek√§mpfung von Meeres- und Plastikm√ľll; 2019 trat es als erstes afrikanisches Land der ehrgeizigen Global Plastic Action Partnership (GPAP) bei. Mit Unterst√ľtzung der GPAP wurde Ghanas National Plastics Action Partnership (NPAP) eingerichtet, die den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft als wichtigstes Instrument f√ľr die Reduzierung von Plastikm√ľll unterst√ľtzen soll.

Vietnam hat eine Entwicklungsstrategie entwickelt, um die maritime Wirtschaft zu f√∂rdern und gleichzeitig die maritime Umwelt und maritime √Ėkosysteme zu sch√ľtzen. Insbesondere soll damit die Verschmutzung der maritimen Umwelt verhindert, kontrolliert und erheblich vermindert werden. Vietnam will zu einem Vorreiter bei der Reduzierung der Verschmutzung der Meere mit Plastikm√ľll werden.

Die Rolle der UNEP ist es, die Mitgliedstaaten bei der Ausrichtung der Ministerkonferenz zu unterst√ľtzen und die besten verf√ľgbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse bereitzustellen, um Entscheidungstr√§gerinnen- und tr√§ger vor dem erneuten Zusammentreten der UNEA 5 Anfang 2022 zu informieren.

Die bevorstehende Ministerkonferenz baut auf der Dynamik der Ad Hoc Open-Ended Expert Group on Marine Litter and Microplastics. Die Expertengruppe rief Mitgliedstaaten und Interessengruppen auf, das Ausma√ü und die Dringlichkeit von Meeresm√ľll anzuerkennen und durch Zusammenarbeit eine Trendwende zu erreichen.

Die Originalpressemitteilung finden sie hier



Copyright: © Bundesministerium f√ľr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (06.04.2021)
 
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