Wechselbeziehungen zwischen Umwelt und Wirtschaft

Studien des BUWAL zeigen wirtschaftliche Dimensionen der Umweltpolitik auf

Bern. Wirtschaftliches Gedeihen ist auf Dauer nur in einer intakten Umwelt möglich. Die Bewahrung natürlicher Ressourcen leistet einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand. Dies geht aus den Forschungsarbeiten unabhängiger Expertenbüros hervor, die das Schweizer Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) zur Erfüllung einer parlamentarischen Initiative (Postulat Respini) in Auftrag gegeben hat. Das BUWAL will die Studienergebnisse in den laufenden Dialog über Umwelt und Wirtschaft einbringen und die Effizienz der Umweltpolitik weiter verbessern. Dies teilte das BUWAL am 12. August 2005 in Bern mit.

Wie BUWAL-Vizedirektor Bruno Oberle betont, bilden intakte natürliche Ressourcen einen Grundpfeiler für die Wirtschaft der Schweiz. Indes: Der Schutz der Güter Luft, Wasser, Boden, Landschaft, Wald und Ruhe würden oft nur als Kostenfaktor wahrgenommen. Unabhängige Experten haben deshalb im Auftrag des BUWAL Fragen geklärt wie: Welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen hat der Umweltschutz? Welche Rolle spielt das Wirtschaftswachstum für die Umwelt? Hat sich das Verursacherprinzip durchgesetzt? Begleitet wurden die Untersuchungen vom BUWAL sowie von Vertretern des seco, der economiesuisse, der Universität Genf und der Kantone (Schweizerische Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz BPUK).

Erarbeitet wurden sechs Studien mit Schwerpunkten wie Verursacherprinzip, Wettbewerbsfähigkeit und Finanzmärkte im Zusammenhang mit Umweltschutz. Die wichtigsten Erkenntnisse und Folgerungen sind in einem Synthesebericht des BUWAL zusammengefasst.

Bruno Oberle tritt am 1. Oktober 2005 die Nachfolge von Philippe Roch als Direktor des Schweizer Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) an.

Dem Bericht zufolge verbessern Umweltschutz-Anstrengungen die Lebensqualität und vermeiden Kosten: Zwischen 1970 und 2002 konnten zum Beispiel rund 16 Milliarden Franken Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung vermieden werden.

Die Wertschöpfung von Privaten und Unternehmen im Umweltschutz beträgt dem Bericht zufolge in der Schweiz jährlich 6.7 Milliarden Franken. Würde man das Geld statt in Umweltschutz anders investieren, wäre das Bruttoinlandprodukt nicht höher, die Beschäftigung aber um 13'000 Vollzeitstellen tiefer. Der Grund: Umweltschutz ist arbeitsintensiver als der Durchschnitt der übrigen Wirtschaftssektoren.

Die Umsetzung des Verursacherprinzips macht Fortschritte, so das BUWAl, das zum Beispiel auf die Bereiche Abfall und Gewässerschutz verweist. Dennoch werden dem Bericht zufolge noch immer jährlich 9.7 Milliarden Franken statt von den Verursachenden von der Allgemeinheit getragen; dies wirke wie eine Subventionierung der Umweltbelastung. Die Experten empfehlen, die Marktkräfte verstärkt zu nutzen, etwa mittels handelbarer Zertifikate, Lenkungsabgaben oder verursachergerechter Gebühren für staatliche Leistungen.

Wie der Bericht feststellt, schöpfen die Finanzmärkte bislang noch zu wenig das vorhandene Potenzial aus, um positiv Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Wirtschaft nehmen zu können. So könnten beispielsweise Pensionskassen ihrer Kundschaft umweltorientierte Vorsorgepläne insbesondere Anlage-Varianten anbieten und sich so als umweltbewusste Partner profilieren.
Ideal wäre es, wenn die Wirtschaft wachsen würde, ohne dass zugleich die Umweltbelastung zunähme. Eine solche Entkopplung hat dem Bericht zufolge bisher bei der Luftqualität durch die Reduktion wichtiger Schadstoffe oder bei der Wasserqualität durch den Bau von Kläranlagen stattgefunden, nicht aber zum Beispiel beim Energieverbrauch oder bei den Siedlungsflächen. Die Literatur zeige klar, dass die Entkopplung nicht von selbst, sondern nur mittels einer aktiven Umweltpolitik zu erreichen ist.

In den Forschungsergebnissen sieht sich das BUWAL darin bestärkt, weiterhin auf marktwirtschaftliche Instrumente und auf Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu setzen.

Die Studien wurden aus einer gesamtwirtschaftlichen und langfristigen Optik heraus erstellt; aktuell politisch diskutierte Fragen wie Verbandsbeschwerderecht, Umweltverträglichkeitsprüfung oder Vollzug des Umweltrechts sind nicht Gegenstand des Berichts. Laut BUWAL werden die Ergebnisse in den laufenden Dialog mit der Wirtschaft und anderen Interessierten einfliessen. Das BUWAL will diesen Dialog, der auch die erwähnten aktuellen Themen einbezieht, beispielsweise in Form von Tagungen intensivieren.
Die sechs Studien können auf den Internetseiten des BUWAL heruntergeladen werden: http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/de/fachgebiete/wirtschaft/volkswirtschaft/studien/index.html

Teilstudien:

Auswirkungen des Umweltschutzes auf BIP, Beschäftigung und Unternehmen: Wie beeinflusst die Umweltpolitik das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung?

Wachstum und Umweltbelastung: Findet eine Entkopplung statt?: Welche Bedeutung hat das Wirtschaftswachstum für die Umwelt: positiv oder zumindest neutral im Sinne einer Entkopplung – oder als Verstärker der Umweltbelastungen?

Wettbewerb und Umweltpolitik in einer globalisierten Wirtschaft: Welche Bedeutung hat die «Globalisierung» für die Umwelt und die Umweltpolitik? Was kann die Schweiz im internationalen Rahmen (z.B. in der WTO) tun, und wie weit kann sie eine eigenständige Umweltpolitik verfolgen?

Finanzmärkte und Umwelt: Welche Bedeutung hat der Finanzsektor (Aktienmärkte, Pensionskassen, Anlagefonds usw.) für die Umwelt? Ist die Förderung von nachhaltigen Finanzanlagen ein geeignetes Mittel der Umweltpolitik?

Konsequente Umsetzung des Verursacherprinzips: Wo ist das Verursacherprinzip als grundlegendes wirtschaftliches Steuerungs- und Ordnungsprinzip verletzt? Welches sind die Auswirkungen, die Gegenmassnahmen und deren Folgen?

Machbarkeitsstudie «Evaluation der bisherigen Umweltpolitik»: Wie lässt sich die bisherige Umweltpolitik evaluieren, insbesondere bezüglich Kostenwirksamkeit?

Kontakt: Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Abteilung Ökonomie, Forschung und Umweltbeobachtung, CH-3003 Bern, Bruno M.C. Oberle, Vizedirektor BUWAL, Tel. +31 322 24 94, eMail: oekonomie+forschung@buwal.admin.ch, Internet: www.umwelt-schweiz.ch
Andreas Hauser, Sektion Ökonomie und Klima BUWAL, Tel. +31 322 79 15, eMail: info@buwal.admin.ch.

Kontakt: Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Abteilung Ökonomie, Forschung und Umweltbeobachtung, CH-3003 Bern, Bruno M.C. Oberle, Vizedirektor BUWAL, Tel. +31 322 24 94, eMail: oekonomie+forschung@buwal.admin.ch, Internet: www.umwelt-schweiz.ch
Andreas Hauser, Sektion Ökonomie und Klima BUWAL, Tel. +31 322 79 15, eMail: info@buwal.admin.ch.



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