Wenn KanÀle zum Himmel stinken

Wissenschaftler der TU-Berlin entwickeln Versuchsanlage fĂŒr die Berliner Wasserbetriebe

Viele Berliner kennen das Problem: Wenn es lange heiß ist und kein Regen fĂ€llt, beginnen viele Gullis unangenehm zu riechen. Aufgrund des sinkenden Wasserverbrauchs erhöht sich die Aufenthaltszeit des Abwassers in den KanĂ€len. "Wenn in den Druckrohrleitungen des Berliner Kanalnetzes das Abwasser ĂŒber lĂ€ngere Strecken transportiert wird, bildet sich unter anaeroben Bedingungen hĂ€ufig Schwefelwasserstoff, und an der EinmĂŒndung der Druckrohrleitung in einen FreigefĂ€lleabschnitt kann es dadurch zu GeruchsbelĂ€stigungen kommen", erlĂ€utert Dipl.-Ing. Stefan Rettig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft der TU Berlin. Dieses nach faulen Eiern riechende giftige Gas wird an den WĂ€nden der Rohre zu SchwefelsĂ€ure umgewandelt und fĂŒhrt dort zu Korrosion, vornehmlich an Betonbauteilen.

Unter dem Titel "ODOCO-2" finanzieren die Berliner Wasserbetriebe seit November 2008 ein Forschungsprojekt, an dem neben der TU Berlin auch die MaterialprĂŒfungsanstalt MPA Berlin-Brandenburg GmbH beteiligt ist. "Wir wollen herausfinden, was genau unangenehme GerĂŒche entstehen lĂ€sst und was man am sinnvollsten dagegen unternehmen kann", beschreibt Stefan Rettig sein Projektziel. Das VorlĂ€uferprojekt "ODOCO-1" hatte bereits ermittelt, dass geeignete Messtechnik möglichst unter genau definierten Bedingungen in einer Versuchsanlage untersucht werden sollte. "Wir haben bereits eine Versuchsanlage konzipiert, deren Bau nun ausgeschrieben wird", erlĂ€utert der Ingenieur. Das System wird aus zwei je 25 Meter langen Röhren bestehen, die einen FreigefĂ€llekanal nachbilden. In vorgeschalteten Fermentoren sollen die Bedingungen in den kritischen Druckrohrleitungen nachgestellt werden. An einem Betonschacht und zusĂ€tzlichen Materialproben werden die Experten der MPA Korrosionsuntersuchungen anstellen, dort wird auch die Abluft entnommen und behandelt.

"Wir werden flĂŒssige und gasförmige Phasen mit Onlinetechnik messen, Proben entnehmen und im Labor untersuchen", erlĂ€utert Stefan Rettig. Bei dem Projekt ginge es außerdem darum zu ĂŒberprĂŒfen, welche Dosierungen verschiedener Produkte tatsĂ€chlich nötig sind, die zur Geruchsbindung an kritischen Stellen eingesetzt werden können. "Da gibt es zum Beispiel Aluminium- und Kalzium-Nitrate verschiedener Hersteller oder geruchsbindende Gelmatten, die in die KanĂ€le gehĂ€ngt werden", sagt er. FĂŒr die Wasserbetriebe können die Ergebnisse der Arbeit, die vorerst bis zum MĂ€rz 2010 finanziert wird, Erkenntnisse fĂŒr ein Konzept kĂŒnftiger KanalisationsentwĂŒrfe liefern. Vielleicht lĂ€sst sich durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen, sowohl planerisch, baulich als auch betrieblich, kĂŒnftig auch der unangenehme sommerliche Geruch vermeiden.
Andrea Puppe

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Dipl.-Ing. Stefan Rettig, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft, Institut fĂŒr Bauingenieurwesen der TU Berlin, Gustav-Meyer-Allee 25 (TIB 13B), 13355 Berlin, Tel.: 030/314-72305, E-Mail: stefan.rettig@tu-berlin.de und Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft, Institut fĂŒr Bauingenieurwesen der TU Berlin, Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin, Tel.: 030/314-72246, Fax. 030/314-72248, E-Mail: matthias.barjenbruch@tu-berlin.de
www.siwawi.tu-berlin.de



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