Membranbioreaktoren entlasten Abwassermanagement

Bei der Lebensmittelproduktion fallen als Nebenprodukt gro√üe Mengen Abwasser an. Seine Reinigung f√ľhrt zu einem hohen Kl√§rschlammaufkommen, das eine wirtschaftliche Belastung f√ľr die Milch- und Fleischindustrie darstellt. Der Einsatz einer speziellen biotechnologischen Wirkstoffkomposition reduziert das Schlammaufkommen und erh√∂ht die Reinigungsleistung sp√ľrbar.

Im Bereich der kommunalen Kläranlagen hat sich der Einsatz der Komposition, die die Bildung mikroskopisch kleiner Cluster aus Mikroorganismen bewirkt, bereits bewährt. Das EU-Forschungsprojekt WASTEred soll nun diese Anwendung an die Faktoren im Bereich der Lebensmittelindustrie anpassen. Weniger Klärschlamm in der Lebensmittelindustrie

Die Produktion von Nahrungsmitteln und Getr√§nken ist durch ein hohes Abwasseraufkommen gekennzeichnet. Der Aufwand und die Kosten zur Abwasserreinigung sind in den letzten Jahren stetig angestiegen. Die Produzenten besch√§ftigt daher nicht nur die Qualit√§t und Kundenakzeptanz des Endproduktes, sondern zunehmend auch das Abwassermanagement, das f√ľr viele Betriebe inzwischen einen bedeutenden Kostenfaktor darstellt.

Besonders Schlachthöfe und Fleischverarbeitungsbetriebe sowie Molkereien er-zeugen Abwässer, die aufgrund ihrer hohen Schmutzfracht eine kosten- und energieintensive Aufbereitung erfordern. Bei der Abwasserreinigung entsteht Klärschlamm, der meistens verbrannt werden muss und dadurch hohe Entsor-gungskosten verursacht. Jährlich fallen allein in diesen Branchen europaweit 25 Millionen Tonnen an. Dieser Kostendruck auf die vorwiegend mittelständisch geprägte Milch- und Fleischindustrie in Europa macht die Suche nach Auswegen dringlich. Ein vielversprechender Ansatz ist die Reduzierung des zu entsorgenden Klärschlammaufkommens.

Bisher entwickelte Verfahren zur Verringerung des Kl√§rschlammaufkommens - zum Beispiel der Einsatz von Enzymen, oberfl√§chenaktiven Chemikalien oder die Behandlung mit Ultraschall - sind entweder nur f√ľr bestimmte Anwendungen geeignet oder befinden sich noch in der Entwicklung und Erprobung. Ein Konsor-tium mit Verb√§nden aus Spanien und Europa soll unter der Leitung des Projekt-koordinators Bioazul eine wirtschaftliche Alternative aufzeigen. Der spanische Abwasserspezialist hat bereits in Zusammenarbeit mit dem ttz Bremerhaven eine wirkungsvolle L√∂sung f√ľr den Einsatz in kommunalen Kl√§rwerken entwickelt.

Die spezielle biotechnologische Wirkstoffkomposition LODOred-100k bewirkt im Belebtschlamm die Bildung von Mikro-Membranbioreaktoren, mikroskopisch klei-nen Clustern aus Mikroorganismen. Sie werden von einer d√ľnnen organischen H√ľlle umschlossen, die das Cluster von der Umgebung abgrenzt und wie eine Membran wirkt. Die dadurch erreichte Intensivierung der Stoffwechselprozesse steigert die Reinigungsleistung und reduziert das Schlammaufkommen. Bisher wurde das Konzept in zahlreichen Kl√§ranlagen mit Ausbaugr√∂√üen von 5.000 bis 300.000 EW erfolgreich eingesetzt. Die Wirksamkeit kann bereits nach einer Anlaufzeit von sieben bis zehn Tagen einsetzen.

Das Abwasser von milch- und fleischproduzierenden Betrieben unterscheidet sich in der Zusammensetzung, z.B. Fettgehalt, Stickstoff-Kohlenstoff-Verh√§ltnis oder den enthaltenen Feststoffen erheblich von kommunalem Abwasser. In dem Projekt WASTEred wollen die Partner erreichen, dass LODOred-100k auch unter den Einsatzbedingungen in der Lebensmittelindustrie die Schlammbildung im biologi-schen Aufbereitungsprozess um rund ein Viertel reduziert. Die EU f√∂rdert dieses Projekt im Rahmen des Programms Eco-Innovation. Kosten-Nutzen-Analysen auf Basis aktueller Untersuchungsergebnisse liefern Produzenten eine Entschei-dungsgrundlage. Anwenderspezifische Trainings und Lehrmaterialien f√ľr den Ein-satz des Produktes sollen Einsparpotentiale aufzeigen.

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement, Gesundheitssysteme sowie Verwaltung & Software.

Kontakt:
ttz Bremerhaven
Britta Rollert, Presse- und √Ėffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0471 / 4832-121/-124; Fax: 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de/


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