Wasser-Recycling gegen die Trockenheit

Auch bl√ľhende Hotelg√§rten k√∂nnen nicht dar√ľber hinwegt√§uschen, dass die Wasserknappheit beliebte Urlaubsdomizile in S√ľdeuropa und Nordafrika im Sommer fest im Griff hat. Landwirtschaft, Tourismus und Trinkwasserversorgung konkurrieren um die knappe Ressource. Im Zuge der globalen Klimaerw√§rmung sinken die Niederschlagsmengen, aber Perspektiven f√ľr einen Ausgleich fehlen derzeit noch. Das Recycling von Abwasser kann Abhilfe schaffen. Wissenschaftler des ttz Bremerhaven setzen Membranbioreaktoren ein, um Abwasser f√ľr die erneute Nutzung aufzubereiten.

Membrantechnologie stärkt wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Mittelmeerregion

Die Aussicht auf einige Wochen wolkenlosen Himmel und Sonnengarantie lockt viele Touristen in s√ľdliche Gefilde. Damit der Erholungswert stimmt, setzen Ferienanlagen gewaltige Mengen von Wasser ein, um den G√§sten eine gr√ľne Oase zu bieten. Schlie√ülich ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle im Mittelmeerraum. √Ąhnlich ist die Situation beim Anbau von Obst und Gem√ľse, der z.B. in Tunesien und Marokko sowohl der Eigenversorgung dient, als auch f√ľr den Export eine wichtige Gr√∂√üe ist. Doch die zur Verf√ľgung stehenden Wassermengen sind begrenzt. In einigen Regionen ist die Situation schon so angespannt, dass selbst die Grundversorgung der Bev√∂lkerung nicht mehr gesichert ist. Meldungen von Versorgungsstopps und Rationierungen werden h√§ufiger. Die vielerorts angewendete Entsalzung von Meerwasser ist energieintensiv und schafft Probleme bei der Entsorgung des R√ľckstandes Salzsole.

Ein Ausweg ist die Aufbereitung von Abwasser. Daf√ľr werden robuste Technologien eingesetzt, die ein gesamtes Dorf mit 500 Einwohnern oder eben eine gro√üe Ferienanlage versorgen k√∂nnen. "Die Herausforderung in dem Projekt Puratreat war, einen Membranbioreaktor so zu bauen und zu betreiben, dass er auch bei hohen Umgebungstemperaturen effizient arbeitet und nur einen geringen Energiebedarf f√ľr den Betrieb ben√∂tigt", erkl√§rt Dr. Gerhard Schories, technischer Leiter des ttz-Bereiches Wasser-, Energie- und Landschaftsmanage-ment.

Bei diesem Verfahren wird die biologische Abwasserreinigung, die Schadstoffe eliminiert, mit der Membrantechnologie kombiniert, die die Reinigungsleistung steigert und zudem Keimfreiheit im gereinigten Wasser sicherstellt. Dies ist eine Grundvoraussetzung f√ľr die Wiedernutzung in der Landwirtschaft. Das Konzept mit getauchten Membranen erm√∂glicht, dass auch auf einem kleinen Volumen eine gro√üe Filterfl√§che realisiert werden kann. Aufgrund der hohen Temperatur-schwankungen in den Zielgebieten musste der Anlagenbetrieb so angepasst werden, dass die Membranen sowie eine sich anpassende Bakterienkonzentration diese Schwankungen ausgleicht.

Die europ√§ische Union f√∂rdert die Entwicklung dieser Technologie, die organische Fracht sowie humanpathogene Keime aus dem Wasser entfernt, aber f√ľr das Pflanzenwachstum wichtige N√§hrstoffe zur√ľckh√§lt. Das gereinigte Wasser ist aufgrund der definierten N√§hrstoffkonzentration besonders gut zur Bew√§sserung von Nutzpflanzen geeignet. Die im Abwasser enthaltenen Stickstoffverbindungen werden in dem Membranbioreaktor durch Sauerstoffzufuhr in Nitrat umgewandelt, das von Pflanzen gut aufgenommen werden kann. Zusammen mit Phosphorverbindungen aus dem Abwasser kann das Nitrat die Pflanzen mit N√§hrstoffen versorgen. Auch bestehende Kl√§ranlagen k√∂nnen mit dieser Technologienachger√ľstet werden.

Neben dem Design und der Anpassung der Membranbioreaktortechnologie f√ľr die Einsatzbedingungen im Mittelmeerraum war auch die Vorstellung der Technologie bei potenziellen Anwendern in der Zielregion eine Aufgabe des EU-Projektes Puratreat. Die Mitarbeit des staatlichen Wasserver- und -entsorgers in Tunesien und die Einbindung grenz√ľberschreitend t√§tiger Akteure leistete dazu einen wich-tigen Beitrag. Durch eine internationale Konferenz mit Regierungsvertretern und kommunalen Entscheidungstr√§gern aus den beteiligten Regionen wurde zum Abschluss des Projektes noch einmal ein organisatorisch wichtiger Grundstein f√ľr die Verbreitung der Technologie in der Region festgeklopft.

Nach der erfolgreichen Technologieentwicklung ist das ttz Bremerhaven nun be-m√ľht, ein Nachfolgeprojekt auf den Weg zu bringen. Eine weitere wichtige Per-spektive, die sich mit der Technologie realisieren lie√üe, ist die Aufbereitung von Abwasser auf Trinkwasserqualit√§t durch Erweiterung um eine Umkehrosmosestufe.

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement, Gesundheitssysteme sowie Verwaltung & Software.

Kontakt:
ttz Bremerhaven
Britta Rollert, Presse- und √Ėffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0471 / 4832-121/-124; Fax: 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de/
http://www.puratreat.com/


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Copyright: © Informationsdienst Wissenschaft e.V. -idw- (19.08.2009)
 
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