Wasserressourcen-Management des Amu Darya

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leibniz Universit√§t Hannover entwickeln Bewirtschaftungsstrategien f√ľr Zentralasien in einem EU-Projekt

Die weltweiten Wasserressourcen werden knapper. Ursachen daf√ľr sind der Klimawandel, das zunehmende Bev√∂lkerungswachstum, die steigende Industrialisierung und die intensivierte Agrarproduktion. Um zumindest die Grundversorgung mit Wasser zu sichern, muss das Wassermanagement in den Krisenregionen der Welt deutlich verbessert werden.

Mit der Entwicklung eines solchen grenz√ľbergreifenden Wasserressourcen-Managements am Beispiel Zentralasiens haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leibniz Universit√§t Hannover seit 2005 in dem Projekt Jayhun befasst. Die Europ√§ische Union f√∂rderte das Vorhaben, das jetzt abgeschlossen ist, mit 1,1 Millionen Euro. Neben Forscherinnen und Forschern des Instituts f√ľr Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik waren Wissenschaftler aus Usbekistan, Russland, Tadschikistan, Kasachstan, Frankreich und Gro√übritannien beteiligt.

Hauptziel des EU-Projekts war die Bestimmung der aktuellen und zuk√ľnftigen Wasserverf√ľgbarkeit im Amu Darya Basin und eine Bewertung lokaler Risiken und ihrer Auswirkungen auf das Wassermanagement - Beispiel f√ľr ein lokales Risiko sind die Folgen der globalen Erw√§rmung f√ľr Schnee und Gletscherschmelze und das dadurch ver√§nderte Abflussverhalten der Fl√ľsse. Gleichzeitig wollte das Forscherteam Empfehlungen zur Umsetzung nachhaltiger Managementstrategien entwickeln, die den Verantwortlichen in der Region helfen sollten, mit den ver√§nderten Lebensbedingungen umzugehen.

Das Jayhun Projekt bietet eine Spezifizierung und Bewertung der gegenw√§rtigen Wasserkonflikte. Das Forscherteam hat angepasste Bewirtschaftungsstrategien f√ľr den Amu Darya entwickelt und tr√§gt somit zu einer Minimierung des lokalen Konflikts aller Anrainerstaaten bei. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickelten unter Ber√ľcksichtigung der hydrologischen Ver√§nderungen infolge regionaler Temperaturanstiege mehrere Methoden, mit denen die Verantwortlichen auf die Krisensituation reagieren k√∂nnten. So sollten die Landwirte ihre Be- und Entw√§sserungstechniken anpassen, optimieren und das entsprechende Kanalnetz weiter warten und sanieren. Weiter empfehlen die Forscher, die landwirtschaftlichen Wasserentnahmen zu limitieren, insbesondere in Trockenzeiten. Das Management von Talsperren m√ľsste an diese Vorgaben angepasst werden.

Im Mittelpunkt stand daher die aktive Einbindung von lokalen Ministerien, Institutionen und Forschungseinrichtungen in die Erarbeitung angepasster L√∂sungsstrategien f√ľr ein effizientes Wassermanagement, insbesondere in D√ľrrejahren. "Das lokale Wassermanagement bedarf einer sofortigen Anpassung, da die jetzigen D√ľrrejahre zuk√ľnftig zur Regel werden", sagt Dipl.-Ing. Oliver Olsson vom Institut f√ľr Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik, der das Projekt koordiniert hat.

Gemessen an der durchschnittlichen Wassermenge der Flussl√§ufe und an den nutzbaren Grundwasservorkommen, d√ľrfte Wasser in Zentralasien gegenw√§rtig keine Mangelressource sein. Die Hauptstr√∂me Syr Darya und Amu Darya, die in den Hochgebirgen Tienshan und Pamir entstehen, k√∂nnten auch in trockenen Jahren genug Wasser mit sich f√ľhren. Es gibt jedoch einige Faktoren, die die Wassermenge beeinflussen. Dies sind vor allem die klimatischen Bedingungen - in der Region herrscht ein trockenes und d√ľrres Klima vor.

Das Amu Darya Flussgebiet geh√∂rt zum Aralseebecken in Zentralasien, das weltweit bekannt wurde durch das Zusammenschrumpfen des Aralsees und dem damit verbundenen Verlust des viertgr√∂√üten S√ľ√üwassersees der Erde. Dieser Verlust hat weitreichende Folgen f√ľr Umwelt und Menschen in der Region. Ein unzureichendes Wassermanagement, l√§ndliche Armut, Gesundheitsprobleme aufgrund der immer schlechter werdenden Wasserversorgung - die Region und ihre Bewohner haben mit zahlreichen Problemen zu k√§mpfen. Hinzu kommen eine staatlich gelenkte Agrarproduktion, marode Bew√§sserungssysteme und ein hohes Bev√∂lkerungswachstum. Diese Faktoren haben Wasser zu einem √§u√üerst knappen Gut gemacht, das nicht effizient genug bewirtschaftet wird.

W√§hrend im Oberlauf des Amu Darya (Tadschikistan) die Energiegewinnung aus Wasserkraft im Vordergrund steht, liegt der Fokus im Unterlauf (Afghanistan, Usbekistan und Turkmenistan) √ľberwiegend auf der Produktion von Baumwolle, Reis und Weizen, die einen extrem hohen Wasserbedarf haben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das ehemals von Moskau zentral gesteuerte System der Wasserversorgung internationalisiert. Seitdem steht Wasserpolitik in Zentralasien unter dem Einfluss zum Teil gegens√§tzlicher einzelstaatlicher Entwicklungsinteressen. Daher gilt Zentralasien weltweit als die Region mit dem h√∂chsten Konfliktpotenzial, was die Nutzung der nat√ľrlichen Wasserressourcen anbelangt.

Die Ausweitung des Baumwollanbaus sollte nach Ansicht des Forscherteams gestoppt werden. An einen v√∂lligen Verzicht auf den Anbau ist momentan allerdings nicht zu denken, weil Baumwolle zurzeit der Hauptdevisenbringer des Staates ist. Die Chancen, dass die Verantwortlichen zumindest einige Anregungen umsetzen, stehen nicht schlecht. "Den Menschen ist bewusst, dass sie sich arrangieren und anpassen m√ľssen", sagt Oliver Olsson.
 
F√ľr weitere Informationen steht Ihnen Dipl.-Ing. Oliver Olsson vom Institut f√ľr Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik unter Telefon +49 511 762 5984 oder per E-Mail unter oo (at) warb.uni-hannover.de gern zur Verf√ľgung.



Copyright: © Informationsdienst Wissenschaft e.V. -idw- (25.05.2009)
 
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