Plastik in der Umwelt finden und vermeiden

In der Corona-Krise zeigen Kunststoffe ihren Mehrwert und zugleich auf den Handlungsbedarf beim Kampf gegen Umweltverschmutzung. Denn während Kunststoffe z.B. in Medizinprodukten oder Lebensmittelverpackungen der Gesundheit dienen, werden sie falsch entsorgt als Makro- und Mikroplastik zur Gefahr.

Forschende aus der Zuse-Gemeinschaft beschreiten mit innovativen Monitoring- und Analysetools neue Wege bei der Erfassung und Bestimmung solcher Stoffe. Teil 1 unserer Serie zur Vermeidung von Plastik in der Umwelt fokussiert auf großes Mikro- und auf Makroplastik.

Welch gro√üe Verantwortung sowohl Verbraucher als auch Handel und Industrie tragen, damit weniger Kunststoff in die Umwelt gelangt, zeigt das aktuelle, vom Bundesforschungsministerium gef√∂rderte Projekt InRePlast. In dem Verbundprojekt hat das Forschungsinstitut f√ľr Wasser- und Abfallwirtschaft (FiW) in vier Gemeinden im Raum Aachen, vom Dorf bis zur Gro√üstadt, Plastikreste systematisch gesammelt, katalogisiert und klassifiziert. Die Forschenden erfassten Partikel aus gro√üem Mikroplastik (1-5 mm) ebenso wie Makroplastik mit noch sichtbarem ebenso wie mit nicht mehr erkennbarem Produktursprung. ‚ÄěNach einj√§hriger Arbeit mit einem Stab von acht Forschen-den haben wir rund 165 verschiedene Produkte und Vor-Produkte aus Makro- und gro√üem Mikroplastik im Abwasser identifiziert‚Äú, erkl√§rt FiW-Projektleiter Dr. Marco Breitbarth. Untersuchungsorte waren die Kl√§ranlagen der Gemeinden, aber auch Niederschlagsabl√§ufe auf Verkehrswegen. Von den Stra√üen bringt Niederschlagswasser Fremdstoffe h√§ufig in Gew√§sser.

In den Kl√§ranlagen √ľberall unter den ‚ÄěTop5‚Äú bei den Kunststoffprodukten zu finden: Zigarettenfilter. Ihr Anteil am vom FiW erfassten Mikro- und Makroplastik reichte dort je nach Standort von 9 bis 28 Prozent. Eine weitere Problemkategorie sind Bestandteile von Hygieneartikeln. Tampon- und Bindenverpackung ebenso wie Wattest√§bchen waren an allen vier Kl√§ranlagen unter den ‚ÄěTop20‚Äú der gefundenen und katalogisierten Kunststoffprodukte. Bei den Verbundmaterialien wie auch insgesamt nahm die Kategorie Feucht-/Desinfektionst√ľcher/K√ľchenpapier die traurige Spitzenposition ein.

Was die Kläranlage nicht stoppt

‚ÄěAll diese Dinge geh√∂ren nicht in die Toilette, zumal je nach Wetterlage erhebliche Mengen Schmutzwasser aus der Kanalisation zuweilen nicht in die Kl√§rwerke gelangen. Bei Starkregen werden z.B. h√§ufig Abwasserstr√∂me in √úberlaufbecken gelenkt, die bei √úberschreitung der Kapazit√§tsgrenzen ungekl√§rtes Abwasser in die Gew√§sser einleiten ‚Äď so dass achtlos weggeworfene Verpackungen und Kunststoffprodukte zum gro√üen Umweltproblem geworden sind‚Äú, warnt Breitbarth. Laut Sch√§tzungen des Umweltbundesamtes (UBA) erreichen die nicht in Kl√§rwerken behandelten Abschl√§ge aus der Mischkanalisation in Deutschland j√§hrlich ein Volumen von rd. 1,3 Mrd. Kubikmeter (cbm), w√§hrend sich die ebenfalls nicht von Kl√§rwerken erfasste Einleitung von Niederschlagswasser auf eine Menge von knapp 4 Mrd. cbm bel√§uft. Die hingegen in Kl√§ranlagen erfasste Abwassermenge erreicht rd. 9,9 Mrd cbm.

Verhaltensänderung nicht nur bei Verbrauchern notwendig

Nicht nur die Verbraucher m√ľssen ihr Verhalten √§ndern, wie die Zwischenergebnisse des bis Ende 2021 zusammen mit Verbundpartnern laufenden Projekts deutlich machen. So waren K√ľgelchen aus der Kunststoffindustrie, so genannte Pellets, an drei der vier Kl√§rwerks-Standorte des Projekts unter den ‚ÄěTop 10‚Äú der vom FiW gefundenen Produkte. Auch an Stra√üenr√§ndern fanden die Forschenden laut Breitbarth immer wieder Kunststoff-Pellets, die genaue Auswertung steht noch bevor. ‚ÄěZwar hat die Kunststoffindustrie immer wieder Info-Kampagnen zur Vermeidung von Produktaustr√§gen aufgelegt, doch m√ľssen die Gefahren offenbar noch deutlicher gemacht werden. Angesichts von rund 3.000 klassischen Kunststoffverarbeitern in Deutschland und vielen weiteren Unternehmen, die Kunststoffe nutzen, ist das eine zentrale Aufgabe‚Äú, betont der Forscher des FiW, einem Mitglied der Zuse-Gemeinschaft. Eine weitere wichtige Zielbranche zur Vermeidung von Kunststoffeintr√§gen in die Umwelt ist f√ľr ihn die Baubranche, die u.a. beim Umgang mit D√§mmmaterialien an H√§usern besonders umsichtig sein muss, so bei der Verwendung von Styropor. Bei InRePlast geht es nach der Umwelt-Analyse nun im letzten Projektabschnitt an die Formulierung von Handlungsempfehlungen, u.a. f√ľr Kommunen.


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© Deutsche Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse e.V.




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