Trinkwasser des Gaza-Streifens stark mit Nitrat belastet

Pal√§stinensische und deutsche Wissenschaftler haben den Beh√∂rden des Gaza-Streifens empfohlen, unverz√ľglich Ma√ünahmen gegen die √ľberh√∂hten Nitratwerte im Trinkwasser zu unternehmen.

Der Gaza-Streifen geh√∂rt mit √ľber 2600 Menschen pro Quadratkilometern zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde. Die Bewohner des Gebietes zwischen Mittelmeer, √Ągypten und Israel sind durch die Isolation auf Eigenversorgung angewiesen. Die Felder werden haupts√§chlich mit H√ľhner- und Kuhmist ged√ľngt. Kunstd√ľnger macht lediglich etwa ein Viertel aus. Aufgrund der Geologie und des semiariden Klimas k√∂nnen Verunreinigungen relativ leicht von der Oberfl√§che in den Grundwasserleiter sickern. Organischer D√ľnger und Abw√§sser sind die Hauptursache f√ľr die Nitratbelastung im Grundwasser, gefolgt von Kl√§rschlamm und Kunstd√ľnger. Das ergaben die Isotopenverh√§ltnisse 15N/14N des Stickstoffs und 18O/16O des Sauerstoffs im untersuchten Nitrat. Isotope sind Variationen des gleichen chemischen Elementes, die sich durch eine unterschiedliche Anzahl an Neutronen im Atomkern unterscheiden. 18O und 15N sind stabile, also nicht radioaktive Isotope, die schwerer als der "normale" Sauerstoff (16O) oder Stickstoff (14N) sind und dadurch per Massenspektrometer gemessen werden k√∂nnen. "Die niedrigeren Werte des Stickstoff-Isotopes 15N in Kl√§rschlamm zeigen an, dass das Nitrat im Grundwasser von Gaza haupts√§chlich auf G√ľlle als D√ľnger zur√ľckzuf√ľhren ist", erkl√§rt Dr. Karsten Osenbr√ľck vom UFZ. Zwischen 2001 und 2007 hatten die Wissenschaftler siebenmal Wasserproben aus 115 kommunalen und 50 privaten Brunnen genommen. Dabei stellten sie Nitratkonzentrationen zwischen 31 und 452 Milligramm pro Liter fest. In lediglich 10 von 115 untersuchten kommunalen Brunnen wurde ein Nitratgehalt unterhalb des Richtwertes der Weltgesundheitsorganisation WHO gefunden. √Ąhnlich dramatisch war die Situation bei den privaten Brunnen: Bis auf drei zeigten alle Brunnen Nitratwerte, die f√ľnf- bis siebenmal √ľber den WHO-Empfehlungen lagen.
Tilo Arnhold
http://www.ufz.de/index.php?de=17112

Publikation:
Basem Shomar, Karsten Osenbr√ľck, Alfred Yahya:
Elevated nitrate levels in the groundwater of the Gaza Strip: Distribution and sources.
SCIENCE OF THE TOTAL ENVIRONMENT 398 (2008) 164-174
http://dx.doi.org/10.1016/j.scitotenv.2008.02.054
Die Untersuchungen wurden vom Bundesministerium f√ľr Bildung und Forschung (BMBF) gef√∂rdert.

Weitere fachliche Informationen:
Helmholtz-Zentrum f√ľr Umweltforschung (UFZ)
Dr. Karsten Osenbr√ľck
Telefon: 0345-558-5207
http://www.ufz.de/index.php?de=697
und
Dr. Basem Shomar
Universität Heidelberg
Telefon: 06221-546 009
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~i02/muelhome/basem.htm
oder √ľber
Doris Böhme (UFZ-Pressestelle)
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E-mail: presse@ufz.de


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