Bremer Meeresforschung - die Zukunft beginnt jetzt

Am 23. September hatten die Mitarbeiter und G√§ste des Bremer Max-Planck-Instituts f√ľr Marine Mikrobiologie doppelten Grund zu feiern: Die Erweiterung des Instituts um einen neuen Geb√§udetrakt und der Einstand des neuen Direktors Dr. Marcel Kuypers.

Endlich ist es soweit, weniger als zwei Jahre nach Baubeginn k√∂nnen die neuen B√ľros und Labore des Erweiterungsbaus des Max-Planck-Instituts f√ľr Marine Mikrobiologie bezogen werden. Insgesamt 1000 Quadratmeter stehen nun den ca. 200 Mitarbeitern des Instituts zur Verf√ľgung. Eine eben so gro√üe Zahl an Besuchern und Institutsangeh√∂rigen hatten sich nun in dem neuen H√∂rsaal versammelt, darunter viele G√§ste von au√üerhalb: Vertreter der Bildungsbeh√∂rde, Abgesandte der Bauabteilung der Max-Planck-Gesellschaft, die Architekten, Senatsmitglieder der Universit√§t Bremen, die Vertreter des Fachbeirates des Max-Planck-Institutes, Wissenschaftler und G√§ste aus verschiedenen universit√§ren Einrichtungen und anderen Instituten aus der norddeutschen Meeresforschung.
W√§hrend Florian Oberlechner und Karol Grondzel, Studenten der Hochschule f√ľr K√ľnste, zum Festauftakt musizierten, konnten die Besucher den Blick aus der gro√üen Fensterfront √ľber die D√§cher der angrenzenden Forschungseinrichtungen auf dem Campus der Universit√§t Bremen schweifen lassen. Der Forschungsstandort Bremen hat sich in den letzten Jahren sehr erfolgreich entwickelt, "zusammen mit den wissenschaftlichen Instituten der Universit√§t Bremen und der Jacobs University, aber auch dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven hat sich das Bremer Max-Planck-Institut zu eine national und international f√ľhrenden Forschungsverbund entwickelt", sagte Prof. Dr. Rudolf Amann, der gesch√§ftsf√ľhrende Direktor des Max-Planck-Instituts in Bremen. Er bedankte sich in seiner Willkommens-Ansprache bei den Geldgebern - der Max-Planck-Gesellschaft und dem Land Bremen, der Bauleitung und den Planern, sowie den Architekten: "Wissenschaft braucht K√∂pfe, Wissenschaft braucht Raum! Letzteres umfasst das Privileg des Freiraums f√ľr Grundlagenwissenschaft, aber auch echte R√§ume zum Denken und Arbeiten, also ein Dach √ľber dem Kopf. F√ľr beides sind wir dankbar!".
Das Max-Planck-Institut in Bremen hat als wichtigsten Forschungsschwerpunkt die von Mikroorganismen katalysierten Stoffkreisl√§ufe der Meere. Die Rolle der f√ľrs blo√üe Auge unsichtbaren, aber unglaublich zahlreichen Meeresbewohner ist nicht zu untersch√§tzen, denn sie beeinflussen ma√ügeblich den Kohlendioxid- und Methangehalt in der Atmosph√§re und damit das Klima. Die erst im letzten Jahr etablierten neuen Forschungsgruppen unter der Leitung von Prof. Marc Strous und Dr. Thorsten Dittmar erg√§nzen in Zusammenarbeit mit der Universit√§t Bielefeld und am Institut f√ľr die Chemie und Biologie des Meeres in Oldenburg das breite Methodenspektrum am Bremer MPI. Die Labor- und B√ľrokapazit√§ten waren vor dem Umbau bis an die Grenze ausgelastet, weil die Zahl der jetzt zw√∂lf unabh√§ngigen Forschungsgruppen seit der Gr√ľndung des Instituts im Jahr 1992 mit damals zwei Abteilungen stetig angewachsen war.
Heute ist ein besonderer Tag, wir haben zweifachen Grund zu Feiern, die Einweihung eines neuen Geb√§udes und den Einstand eines jungen Direktors", freute sich Bremens Wissenschaftssenatorin Renate J√ľrgens-Pieper zu Beginn ihrer Ansprache. Das Land Bremen unterst√ľtzte das Bauprojekt mit einem Viertel der Kosten von knapp 7 Millionen Euro. Die Senatorin verwies auf das dichte Kooperationsnetz zwischen den Bremer Forschungsinstituten. Die au√üeruniversit√§re Meeresforschung des Landes Bremen sei durch mehrere bekannte und hochkar√§tige Wissenschaftsinstitute exzellent positioniert: das Alfred-Wegener-Institut f√ľr Polar- und Meeresforschung der Helmholtz-Gemeinschaft, das Zentrum f√ľr Marine Tropen√∂kologie der Leibniz-Wissenschaftsgemeinschaft und nat√ľrlich das Max-Planck-Institut f√ľr Marine Mikrobiologie. All diese Institute vernetzen sich eng mit der zentralen universit√§ren Einrichtungen in der Meeresforschung, dem Zentrum f√ľr Marine Umweltwissenschaften (Marum). Durch das Konsortium Deutsche Meeresforschung sind die Bremer Forschungseinrichtungen mit anderen norddeutschen Meeresforschungs-Instituten der Standorte Oldenburg, Wilhelmshaven, Kiel, Rostock, Warnem√ľnde, Stralsund, Geesthacht und Hamburg √ľber Kooperationen gut vernetzt.
Auch der Universit√§tsrektor Prof. Dr. M√ľller betonte die gute Zusammenarbeit der wissenschaftlichen Einrichtungen und die Chance f√ľr den Standort Bremen durch den Erweiterungsbau und die direktorielle Verst√§rkung. Das MPI Bremen habe wie auch AWI Bremerhaven zum gro√üen Erfolg der Universit√§t in der Exzellenzinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft beigetragen. Viele der Gruppenleiter des MPI sind im Nebenamt Hochschullehrer in den Fachbereichen Biologie und Geowissenschaften.
Der Vizepr√§sident der Max-Planck-Gesellschaft Prof. Dr. J√§ckle dankte dem Architekten f√ľr den geschaffenen "Wohlf√ľhlrahmen" und dass es ihm gelungen ist "aus dem alten Heim ein neues Zuhause f√ľr die jungen Forscher zu schaffen". Der Architekt Markus Hammes widerstand der Versuchung eines jeden Architekten "die Welt neu zu erfinden" und plante nach dem Motto "das Neue muss zusammen gehen mit dem Alten". Zusammen mit dem Bauleiter Dieter Gr√∂mling √ľberreichte er dem amtierenden gesch√§ftsf√ľhrenden Direktor, Prof. Dr. Rudolf Amann, den symbolischen Schl√ľssel und eine 160 Millionen Jahre alte Versteinerung, die in einem Flachmeer der Jurazeit entstanden war, als Geschenk.
Bevor der Schl√ľssel √ľbergeben wurde, stellte sich Dr. Marcel Kuypers, der am 1. Juli 2009 zum neuen Direktor berufen wurde, mit einem mitrei√üenden Vortrag √ľber seine Forschungsarbeit vor. "Ich bin schon sehr gespannt auf diese kleinen Wesen Anammox", so die Senatorin J√ľrgens-Pieper in ihrer Rede. F√ľr sie bringt die fr√ľhzeitige Nachfolge f√ľr den Direktor Prof. Dr. Bo Barker J√łrgensen durch Dr. Kuypers Stabilit√§t und Dynamik f√ľr das Institut. Der junge Wissenschaftler aus den Niederlanden forscht seit 2001 in Bremen und hat 2005 eine selbstst√§ndige Arbeitsgruppe gegr√ľndet, die Nutrient-Gruppe. Mit neuen Methoden und technischen Ger√§ten, wie dem so genannten NanoSIMS-Massenspektrometer, untersucht diese Arbeitsgruppe Zellstrukturen von Mikroorganismen und gleichzeitig deren Aktivit√§t in h√∂chstm√∂glicher Aufl√∂sung. Das Hauptinteresse des Umwelt-Mikrobiologen liegt dabei auf dem Stickstoff-Kreislauf im Meer, die Forschungsergebnisse seiner Gruppe sind f√ľhrend auf diesem Gebiet. Neben der reinen Forschung wird sich Marcel Kuypers zuk√ľnftig auch intensiv in der Lehre engagieren. Er schloss seinen Vortrag mit den Worten von Nam June Paik "The future is now - die Zukunft beginnt jetzt".
Susanne Borgwardt
Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de Homepage des Max-Planck-Instituts f√ľr Marine Mikrobiologie



Copyright: © Informationsdienst Wissenschaft e.V. -idw- (25.09.2009)
 
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