Neuer Sensor misst Arsengehalt im Trinkwasser - Ausgr√ľndungsprojekt startet 2010

Durch einen neuen Sensor k√∂nnte k√ľnftig der Arsengehalt von Trinkwasser einfacher und kosteng√ľnstiger gemessen werden. Bei dem patentierten Verfahren werden spezielle Bakterien verwendet, die bei Kontakt mit Arsen zum Leuchten angeregt werden.

Die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums f√ľr Umweltforschung (UFZ) sch√§tzen, dass die Kosten pro Wasserprobe mit dem neuen Verfahren ARSOlux® fast halbiert werden k√∂nnten gegen√ľber Konkurrenzprodukten, mit dem zudem die Konzentrationen nicht genau bestimmt werden konnten.
Zur Bek√§mpfung von gef√§hrlichen Durchfallerkrankungen unterst√ľtzten internationale Hilfsorganisationen in den 70er Jahren zum Beispiel in Bangladesh das Bohren von Grundwasserbrunnen. Rund f√ľnf Millionen Handpumpen wurden installiert, damit sauberes Trinkwasser zur Verf√ľgung steht, weitere f√ľnf bis sechs Millionen f√ľr die Landwirtschaft. Seitdem ist die S√§uglingssterblichkeit stark zur√ľckgegangen. Mitte der Neunziger Jahre traten jedoch erste Anzeichen von Arsenvergiftungen auf. Ursache daf√ľr sind arsenhaltige Gesteine und Sedimente, aus denen das Wasser gewonnen wird. Sch√§tzungen zufolge wird der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser von rund 30 Millionen Menschen um das F√ľnffache √ľberschritten. √Ąhnlich verh√§lt es sich in Vietnam. Global gesehen gilt Arsen heute als der problematischste Schadstoff im Trinkwasser. Vor allem in armen L√§ndern reichen die Analysem√∂glichkeiten oft nicht aus, um die Brunnen zu testen. "Eine fl√§chendeckende Analyse im Trinkwasser der betroffenen Regionen ist derzeit nicht m√∂glich und so besteht vielerorts Unsicherheit √ľber dessen Qualit√§t. Da Arsen in den vorhandenen Konzentrationen chronisch toxisch ist und erst nach etwa einem Jahrzehnt erkennbare Symptome verursacht, die dann aber bald verschiedene Arten von Krebs hervorbringen k√∂nnen, ist das Gef√§hrdungspotenzial enorm", erkl√§rt der Mikrobiologe Prof. Hauke Harms vom UFZ.
Einfache, schnelle und preiswerte Tests sind daher n√∂tig, um den Arsengehalt im Brunnenwasser bestimmen zu k√∂nnen. An der Universit√§t Lausanne wurde ein Grundprinzip entwickelt, das Arsen anzeigen kann: Gentechnisch ver√§nderte Bakterien reagieren beim Kontakt mit Arsen und leuchten. Die Lichtabgabe ist messbar. Forscher des UFZ haben dieses Prinzip weiterentwickelt und als ARSOlux® zum Patent angemeldet. "Das Alleinstellungsmerkmal gegen√ľber bisherigen am Markt k√§uflichen L√∂sungen ist die besonders einfache Handhabung", betont Robert Hellmich vom UFZ. Mit einem Ausgr√ľndungsprojekt soll das im Patent beschriebene Verfahren nun in eine praktische Nutzung √ľberf√ľhrt werden. Dazu hat die Helmholtz-Gemeinschaft Ende Oktober Mittel aus dem F√∂rderprogramm Helmholtz-Enterprise bereitgestellt, um den Wissens- und Technologietransfer in Wirtschaft und Gesellschaft zu unterst√ľtzen. Der Helmholtz-Enterprise-Fonds (HEF) stellt Mittel zur Verf√ľgung, um in der Ausgr√ľndungsphase zus√§tzliches Personal zu finanzieren und so das Gr√ľndungsvorhaben konzentriert voranzutreiben. Das Ausgr√ľndungsprojekt ARSOlux® geht zum 01.01.2010 an den Start.
Unterst√ľtzung erhalten die Forscher dabei von SMILE.medibiz, einem Kooperationsprojekt der Universit√§t Leipzig, der Handelshochschule Leipzig und des Helmholtz-Zentrums f√ľr Umweltforschung (UFZ), das durch den Europ√§ischen Sozialfond (ESF), das S√§chsische Staatsministerium f√ľr Wirtschaft und Arbeit (SMWA) und das Staatsministerium f√ľr Wissenschaft und Kunst (SMWK) gef√∂rdert wird. SMILE.medibiz unterst√ľtzt speziell Gr√ľnder aus den Branchen Biotech, Medizintechnik und Dienstleistungen f√ľr den Gesundheitsmarkt.
Tilo Arnhold
Weitere fachliche Informationen:
Helmholtz-Zentrum f√ľr Umweltforschung (UFZ)
Robert Hellmich
Telefon: 0341-235-1372
http://www.ufz.de/spb/mikro/index.php?de=13351
Dr. Khaja Zillur Rahman
Telefon: 0341-235-1842
http://www.ufz.de/index.php?de=3096
Dr. Antonis Chatzinotas
Telefon: 0341-235-1324
http://www.ufz.de/index.php?en=13569
und
Prof. Dr. Hauke Harms
Telefon: 0341-235-1260
http://www.ufz.de/index.php?de=13566
oder √ľber
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
E-mail: presse@ufz.de
Publikationen:
Wackwitz, A., Harms, H., Chatzinotas, A., Breuer, U., Vogne, C., van der Meer, J. R. (2008):
Internal arsenite bioassay calibration using multiple bioreporter cell lines
Microbial Biotechnology 1 (2), 149-157
http://dx.doi.org/10.1111/j.1751-7915.2007.00011.x
Rahman, K. Z., Wie√üner, A., Kuschk, P., Mattusch, J., K√§stner, M., M√ľller, R. A. (2008):
Dynamics of arsenic species in laboratory-scale horizontal subsurface-flow constructed wetlands treating an artificial wastewater
Eng.Life Sci. 8 (6), 603-611
http://dx.doi.org/10.1002/elsc.200800087
Weiterf√ľhrende Links:
Arsenbiosensoren:
http://www.ufz.de/index.php?de=18529
Förderprogramm Helmholtz-Enterprise:
http://www.helmholtz.de/forschung/technologietransfer/spin_offs/foerderprogramm_...
SMILE (Selbst Management Initiative Leipzig):
http://www.smile.uni-leipzig.de/
Im Helmholtz-Zentrum f√ľr Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Ver√§nderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsm√∂glichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung nat√ľrlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ besch√§ftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beitr√§ge zur L√∂sung gro√üer und dr√§ngender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schl√ľsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 16 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,8 Milliarden Euro die gr√∂√üte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=19016



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