Biomassedeponie in in Aßlar-Bechlingen

Zwei Druckluftstationen in einem Container haben sich bewährt

Aßlar-Bechlingen. Im Jahre 2001 hat die Hessische Industriemüll GmbH (HIM), die auf dem Gelände der Abfallentsorgungsanlage in Aßlar-Bechlingen eine Biomasse-Deponie betreibt, zwei separate Druckluftstationen in Betrieb genommen. Bei den Stationen handelt es sich zwei getrennte Erzeugungs-, Aufbereitungs- und Verteilungslinien, die von der ALUP-Kompressoren GmbH errichtet wurden. Während bei der Sickerwasser-Entsorgung die nicht aufbereitete Druckluft als Spülluft eingesetzt wird, erzeugt die andere Station hochwertige Atemluft, die bei Arbeiten im Versorgungssystem der Deponie benötigt wird. Da die geplante Zwei-Stationen-Lösung in den vorhandenen Gebäuden keinen Platz hatte, wurden beide Stationen in einem transportablen Container auf dem Betriebsgelände installiert. Diese Konzeption sowie die Technik haben sich im mehrjährigen Betrieb bestens bewährt, berichtet Projektassistent Ralf Pomplun vom HIMTECH-Büro auf dem Abfallentsorgungsgelände in Aßlar-Bechlingen.

Auf der Biomassedeponie wird Sickerwasser an den Tiefstpunkten in Schächten gesammelt und über mehrere Rohrleitungen in einem zentralen, circa 850 Meter langen  Entsorgungsstollen im freien Gefälle zu einem Tanklager geführt, das sich außerhalb der Deponie befindet. Außerdem wird ein Teil des Sickerwassers aus der angrenzenden Hausmülldeponie in externen Leitungen erfaßt und im Freispiegel abgeleitet. Sauberes Quellwasser, welches sich im Bereich unterhalb der Deponieabdichtung ansammelt, wird ebenfalls im Freispiegel aus dem Entsorgungsstollen abgeleitet und in einen Vorfluter eingebracht.

In den Rohrleitungen für Bio- und Hausmüll-Sickerwasser befinden sich Deponiegase in einer hohen Konzentration, die beispielsweise bei Methan (CH4) bis zu 90 Volumenprozent betragen kann. Die in Sammelschächten und Stollen verlegten Leitungen müssen regelmäßig gesäubert und zu diesem Zweck abschnittweise über Wartungsdeckel geöffnet werden. Mit einem eingeführten Spülschlauch wird dann Wasser mit einem Höchstdruck von circa 650 bar in die rund 70 Meter langen Revisionsabschnitte der Sickerwasserleitungen eingeleitet, um ausgefallenen und auskristallisierten Kalk aus den Rohrleitungen zu lösen und herauszuspülen. Diese Spülschläuche bewegen sich selbsttätig über Rückstrahldüsen im Leitungssystem vorwärts. Da diese Rückstrahldüsen, die sich vor der eigentlichen Reinigungsdüse befinden, im Entwässerungssystem einen Unterdruck erzeugen, wird das in den Leitungen befindliche Deponiegas nach hinten über die geöffneten Wartungsdeckel aus der Rohrleitung herausgedrückt. Auf diese Weise kann es sich in den Sammelschächten und Stollen ausbreiten.

Vor diesem Deponiegas müssen die Mitarbeiter bei den Reinigungsarbeiten jedoch unbedingt geschützt werden, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Im Hauptstollen kann dieses Risiko durch entsprechend groß ausgelegte Ventilatoren mit einem hohen Wetterdurchsatz vermieden werden. Diese Reinigungsarbeiten müssen aber auch in den Sammelschächten (Wartungskammern) durchgeführt werden, die sich mehrere 100 Meter im Stollen und 40 bis 60 Meter untertage befinden. Diese Kammern weisen einen Durchmesser von fünf Meter auf und sind im Innenraum nur drei Meter hoch. Sie werden über Lüfter aus dem Hauptwetter zirkulierend bewettert. Wenn in diesen kleinen Kammern jedoch ein Wartungsdeckel in den Sickerwasserleitungen geöffnet wird, entweicht sofort Deponiegas, welches möglicherweise nicht atembar und explosiv sein könnte.

Um die Mitarbeiter bei der Wartung und Kontrolle der Deponie  mit hochwertiger Atemluft versorgen zu können, wurde in den Sammelschächten und Stollen ein circa 900 Meter langes stationäres Atemluft-Leitungssystem verlegt. An insgesamt 38 Zapfstellen können sich die maximal vier Mitarbeiter über Schlauchgeräte mit einer integrierten zusätzlichen tragbaren Druckluftfiltereinheit an dieses Atemluft-System anschließen und sich so mit Atemluft versorgen. Außerdem tragen die Mitarbeiter bei diesen Reinigungsarbeiten Rückentragegeräte als sogenannte Fluchtgeräte, wenn sie bei erhöhten Gaskonzentrationen den Stollen verlassen müssen. Die Grenzwerte sind in den „Schutzmaßnahmen gegen gefährliche Atmosphäre“ festgelegt und liegen hier bei 0,5 Volumenprozent Methan, 20 Volumenprozent Sauerstoff und 0,5 Volumenprozent Kohlendioxid. In einem solchen Fall klinken sich die Mitarbeiter von Ihrer Druckluft-Versorgung ab und werden sofort über ein automatisches Schaltventil weiter aus den umluftunabhängigen Rückentragegeräten versorgt.



Foto: Druckluft-Container

Neben der Versorgung der Wartungsmitarbeiter mit Atemluft dient die Druckluft als Spülluft bei der Zwangsentlüftung der Entwässerungsleitungen in den Sickerwasserbereichen (belastetes Sickerwasser aus dem Biomüll- beziehungsweise Hausmüllbereich). Diese Spülluft wird lediglich in einem Kältedrucklufttrockner mit einem Drucktaupunkt von +3 Grad Celsius getrocknet und nicht weiter aufbereitet. Zum Schutz des Personals wird über eine Strahldüse im Ableitungssystem kontinuierlich ein geringer Unterdruck zwischen 2 und 5 mbar in den belasteten Sickerwasserleitungen aus dem Biomüll- beziehungsweise Hausmüllbereich erzeugt, um die Atmosphäre in diesen Leitungen in Bewegung zu halten. Dadurch werden die in den Leitungen enthaltenen Schadstoffe und Gase nach außen abgesaugt und es wird auf diese Weise verhindert, daß sie während der Reinigungsarbeiten  in den Stollen austreten.

Die Atemluft wird mit einem flüssigkeitsgekühlten ALUP-Schraubenkompressor des Typs SCK 21-13 mit einer Liefermenge von 1,85 Kubikmeter pro Minute bei Höchstdruck 13 bar und einer Antriebsleistung von 15 Kilowatt eingesetzt.   Anschließend wird die Druckluft mit einem Restölgehalt von circa 2 bis 4 Milligramm pro Kubikmeter in einem kaltregenerierten Adsorptionstrockner mit integriertem Vor- und Nachfilter mit einem Drucktaupunkt von 20 Grad Celsius getrocknet. Diese Anlage wird mit einem Teilstrom bereits getrockneter Druckluft regeneriert. Danach wird die getrocknete Druckluft in einer dreiteiligen Filterstrecke, bestehend aus einem Mikrofilter mit einem Abscheidegrad von 100 Prozent bei Staubpartikelgrößen bis 1 Mikrometer, einem Submikrofilter und einem Aktivkohlefilter zu Atemluft-Qualität aufbereitet. Die elektronisch niveaugeregelten Kondensatableiter an Mikrofilter und Submikrofilter ermöglichen, daß das Kondensat ohne Druckluftverlust austritt. Anzeigegeräte an Filtern signalisieren den optimalen Wechseltermin für die Filterpatronen. Die bereits getrocknete Druckluft in Atemluft-Qualität wird in einem liegenden Druckluft-Behälter mit 750 Liter Fassungsvermögen gespeichert, bevor sie in das Atemluftnetz eintritt. Im „Atemluft-Bereich“ anfallendes Kondensat wird in einem Öl-/Wassertrenner aufbereitet.

Die Spülluft wird ebenfalls von einem flüssigkeitsgekühlten ALUP-Schraubenkompressor erzeugt. Der hier verwendete Typ SCD 10-10 hat eine Liefermenge von 1,0 Kubikmeter pro Minute bei Höchstdruck 10 bar. In einem Zentrifugalabscheider hinter dem Verdichter wird sofort ein Teil des in der Druckluft enthaltenen Wassers ausgeschieden. Auf eine weitere Aufbereitung kann für diese Anwendung verzichtet werden, da der in der Druckluft enthaltene Restölanteil von 2 bis 4 Milligramm pro Kubikmeter für den Einsatz als Spülluft genau so unerheblich ist wie die in der Druckluft enthaltene Feuchtigkeit. Anfallendes Kondensat wird in einem für diesen Bereich ebenfalls separat verfügbaren Öl-/Wassertrenner aufbereitet. Als Speicher steht ein Druckluft-Behälter mit einem Fassungsvermögen von 500 Litern zur Verfügung.

Sehr großen Wert hat ALUP auch auf eine reichlich bemessene Be- und Entlüftung des Containers gelegt, um die zwei Verdichter einerseits mit ausreichender Zuluft zu versorgen, und um andererseits die entstehende Abwärme auch bei hochsommerlichen Außentemperaturen und bei geschlossenen Containertüren wirksam abführen zu können. Die für Kühlung und Verdichtung erforderliche Zuluft tritt über temperaturabhängig regelbare Wetterschutzklappen in den Container ein. Die warme Abluft der luftgekühlten Kompressoren tritt über direkt angeschlossene Abluftkanäle ins Freie, ohne die Innentemperatur im Container zu belasten. Im Winter leiten thermostatgeregelte Klappen Teile der warmen Abluft als Umluft zurück in den Container, um eine optimale Ansaugtemperatur von +25 Grad Celsius auch während der kalten Jahreszeit sicherzustellen. Oberhalb dieses Wertes wird die gesamte Abluft nach außen geleitet.

Eine zusätzlich installierte elektrische Heizung arbeitet als Frostwächter und verhindert zum Beispiel während längerer Stillstandszeiten im Winter ein Einfrieren funktionswichtiger Baugruppen. Eine im Heizung, die im „Atemluft-Kompressor“ installiert wurde,  erwärmt das Öl zusätzlich bei extremen winterlichen Temperaturen. Außerdem werden die Innenerwärmung des Containers im Sommer und seine Abkühlung im Winter durch eine wirksame Isolierung auf den inneren Außenwand- und Deckenflächen des Containers deutlich verringert. Die Doppelstation läuft vollautomatisch und springt bei entsprechendem Bedarf an Spülluft und/oder Atemluft automatisch an.

Im Gegensatz zu sonst üblichen Lösungen wurde beim Container-Konzept für die Abfallentsorgungsanlage in Aßlar-Bechlingen bewußt auf Redundanz-Leistungen verzichtet. Wenn bei der Atemluft-Versorgung eine Komponente ausfällt, werden die Arbeiten sofort bis zur Wiederinbetriebnahme dieser Komponente unterbrochen. Durch die mitgeführten Rückentragegeräte mit Atemluftflaschen ist eine kontinuierliche Weiterversorgung der gefährdeten Mitarbeiter bis in die Hauptwetter mit Atemluft in jedem Falle garantiert. (Barlmeyer)
/Aus: MüllMagazin, Heft 2, 2005/

Kontakt: HIM GmbH, Orber Straße 65, D-60386 Frankfurt, Tel. 069.94 21 55-0, Fax: -94 21 55-44, eMail: info@him.de, Internet: www.him.de.
ALUP-Kompressoren GmbH, Adolf-Ehmann-Straße 2, D-73257 Köngen, Tel. 07024.802-240, Fax: -802-209, eMail: info@alup.com, Internet: www.alup.com.



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