Status-Seminar am 9.2.2022: Die Rolle der Bioökonomie in der Kreislaufwirtschaft

Klimaneutralität bis 2050 braucht eine nachhaltige Bioökonomie und lässt sich nur durch konsequente Energieeinsparung, vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien sowie durch CO2-Entzug aus der Atmosphäre erreichen.

Aktuell wird der Einsatz neuer Verfahren, wie k√ľnstlicher Intelligenz, Tracermarkierungen oder auch digitaler Wasserzeichen diskutiert. Aber auch die g√§ngigen Sortiertechnologien werden immer besser. Welche Chancen ergeben sich durch die innovativen Sortiertechnologien? Und brauchen wir diese √ľberhaupt?

Die DGAW hat hierzu bereits 2021 mit dem DGAW-Positionspapier: Biogene Reststoffe ‚Äď ein wesentlicher Stoffstrom f√ľr eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft und Bio√∂konomie Rahmenbedingungen und Ans√§tze beschrieben. Im Rahmen eines gemeinsamen Symposiums von ANS und DGAW im Herbst 2021 wurde entschieden, den Themenkomplex Anfang 2022 in einem DGAW-Status-Seminar Bio√∂konomie in der Kreislaufwirtschaft erneut aufzugreifen, um zu ermitteln, ob Interesse an der Entwicklung eines eigenen Arbeitskreises Bio√∂konomie innerhalb der DGAW besteht und wie dieser ausgestaltet werden k√∂nnte. Dabei k√∂nnten grunds√§tzliche verschiedene Themen eine Rolle spielen, von nutzbaren Inhaltsstoffen verschiedener Abfallarten √ľber technische Aspekte zur Erzeugung von Energie, Kraftstoffen, Plattformchemikalien und Grundstoffen f√ľr die chemische Industrie bis hin zur Bilanzierung und Bewertung kommunaler und industrieller Ans√§tze.

Die Koppel- und Kaskadennutzung biogener Ressourcen ist zentrales Element einer klimaneutralen Bioökonomie. Kohlenstoff und Nährstoffkreisläufe sind zu schließen, stoffliche Produkte und Bioenergie sind aus nachhaltigen Rohstoffen und Reststoffströmen bereitzustellen, wobei der Einsatz im Zusammenspiel mit den anderen erneuerbaren Energiequellen dort erfolgen sollte, wo der größte Systemnutzen in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft erreicht wird (Smart Bioenergy Ansatz).


Die DGAW hat hierzu bereits 2021 mit dem DGAW-Positionspapier: Biogene Reststoffe ‚Äď ein wesentlicher Stoffstrom f√ľr eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft und Bio√∂konomie Rahmenbedingungen und Ans√§tze beschrieben. Im Rahmen eines gemeinsamen Symposiums von ANS und DGAW im Herbst 2021 wurde entschieden, den Themenkomplex Anfang 2022 in einem DGAW-Status-Seminar Bio√∂konomie in der Kreislaufwirtschaft erneut aufzugreifen, um zu ermitteln, ob Interesse an der Entwicklung eines eigenen Arbeitskreises Bio√∂konomie innerhalb der DGAW besteht und wie dieser ausgestaltet werden k√∂nnte. Dabei k√∂nnten grunds√§tzliche verschiedene Themen eine Rolle spielen, von nutzbaren Inhaltsstoffen verschiedener Abfallarten √ľber technische Aspekte zur Erzeugung von Energie, Kraftstoffen, Plattformchemikalien und Grundstoffen f√ľr die chemische Industrie bis hin zur Bilanzierung und Bewertung kommunaler und industrieller Ans√§tze.
In der am 09.02.2022 durchgef√ľhrten Veranstaltung waren √ľber 60 Interessenten digital zugeschaltet. Einen √úberblick √ľber das Thema lieferten zun√§chst drei Impulsvortr√§ge, die im Anschluss intensiv diskutiert wurden.
Dr. Alexander Gosten stellte in seinem Einf√ľhrungsvortrag Die Rolle der Bio√∂konomie f√ľr die DGAW die strategische Bedeutung zur Erreichung der Klimaziele heraus und pl√§dierte daf√ľr, dem Themenfeld auch in der Facharbeit der DGAW zuk√ľnftig ausreichend Gewicht beizumessen.
Professor Achim Loewen lenkte in seinem Vortrag Die strategische Bedeutung der Bio√∂konomie f√ľr Wirtschaft und Gesellschaft den Blick auf den Nutzen einer nachhaltigen Bio√∂konomie f√ľr Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt und wies auch auf das erhebliche Arbeitsplatzpotenzial. hin. Auf EU-Ebene sind bereits jetzt 8 % aller Arbeitspl√§tze der Bio√∂konomie zuzuordnen, durch neue Besch√§ftigungsfelder wird bis 2030 eine Million weiterer entstehen. Dem enormen Beitrag f√ľr Klima- und Umweltschutz wird bereits heute durch verschiedene Bio√∂konomiestrategien auf EU- und L√§nderebene Rechnung getragen, auch Deutschland ist im Rahmen der ‚ÄěNationalen Bio√∂konomiestrategie" aktiv und sieht die Nutzung biogener Nebenprodukte und Reststoffe als einen
wesentlichen Bestandteil. Professor Loewen merkte an, dass die heute h√§ufig gebr√§uchliche Forderung einer ‚ÄěDecarbonisierung" in diesem Zusammenhang falsch ist, da vielmehr die f√ľr die Bio√∂konomie relevanten und somit vermehrt genutzten Rohstoffe und Produkte kohlenstoffbasiert sind und korrekterweise der Begriff ‚ÄěDefossilisierung" Anwendung finden sollte.
Im Anschluss nahm Professor Michael Nelles mit seinem Vortrag Die Rolle der stofflichen und energetischen Verwertung biogener Abf√§lle und Reststoffe in der Bio√∂konomie in den Fokus. Auf Basis der Erfassung der Mengen verschiedener in Deutschland anfallender Stoffstr√∂me konnte er zeigen, dass die Abfall- und Reststoffverwertung f√ľr eine biobasierte Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle spielt. Das Hauptpotenzial an biogenen Reststoffen, Nebenprodukten & Abf√§llen liegt bei den landwirtschaftlichen Nebenprodukten, holz- und forstwirtschaftlichen Reststoffen, gefolgt von Siedlungsabf√§llen und Kl√§rschlamm.
Fazit der Einf√ľhrung:
Es stehen 3 Jahrhundertaufgaben bevor, f√ľr die weniger als 30 Jahre Zeit bleiben: 
-  Nationale und globale Klimaneutralit√§t bis sp√§testens 2050 
-  Nachhaltige Energieversorgung, d.h. vollst√§ndig auf Basis erneuerbarer Energien 
-  Aufbau der Bio√∂konomie, d.h. Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Bereichen im Rahmen eines zukunftsf√§higen Wirtschaftssystems

In allen 3 Bereichen kann und muss die stoffliche und energetische Nutzung von biogenen Abf√§llen und Reststoffen einen nachhaltigen Beitrag leisten: 
-  Koppelproduktion und Kaskadennutzung der Biomasse 
-  Rohstoff- und Energieeffizienz √ľber vernetzte Wertsch√∂pfungsketten 
-  Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien

Diskussion:
In der folgenden Diskussion wurde zunächst erörtert, inwiefern biologisch abbaubare oder auf biogenen Rohstoffen basierende Kunststoffe bei der Abfallbehandlung eine Rolle spielen. Dieses Thema wurde allgemein als wichtig eingestuft, wird allerdings bereits in anderen Arbeitskreisen behandelt.
Um bei der Vielzahl der M√∂glichkeiten √∂konomisch und √∂kologisch sinnvolle Ans√§tze zu verfolgen, ist zu entscheiden, an welcher Stelle der Prozesskette welche Teilstr√∂me oder Inhaltsstoffe aus Reststoffen abzutrennen und einer weitergehenden Nutzung mit hohem Wertsch√∂pfungspotenzial zuzuf√ľhren sind. Aus Sicht der Anlagenbetreiber besteht diesbez√ľglich weiterf√ľhrender Informationsbedarf √ľber zus√§tzlich zu ber√ľcksichtigende Reststoffarten (Qualit√§t, Menge, Ort, ges. Rahmenbedingungen), um die Steuerung von Stoffstr√∂men zu optimieren. Ziele sind eine Optimierung der Bioabfallerfassung und ‚Äďbehandlung und eine Optimierung der Kaskadennutzung mit dem Vorrang der stofflichen vor der thermischen Verwertung.
Der Ersatz fossiler Rohstoffe durch biogene Reststoffe in industriellen Anwendungen wird zu einem weiteren Anstieg der Nachfrage z.B. durch die chemische Industrie und damit auch der im Rahmen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft zu behandelnden und zu verwertenden Stoffstr√∂me f√ľhren. Somit treten diese Nutzungen auch vermehrt in Konkurrenz zu klassischen Behandlungsverfahren wie Kompostierung oder Verg√§rung, beispielsweise k√∂nnen ein vermehrter Humusaufbau in der Landwirtschaft und die Nutzung biogener Reststoffe f√ľr stoffliche Produkte kontr√§re Ziele sein. F√ľr die Entscheidung, welche Verfahren und Nutzungen f√ľr welche Stoffstr√∂me am besten geeignet sind, spielt die √Ėkobilanzierung und insbesondere die Betrachtung von Kohlenstoffbilanzen und Freisetzung bzw. Verminderung von CO2-Emissionen der verschiedenen Alternativen eine wichtige Rolle.
Problematisch gesehen wurden von den Teilnehmern die unterschiedlichen Rechtsvorgaben f√ľr den Umgang mit Reststoffen aus den Bereichen Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaft. So hat z.B. der Abfallbegriff bzw. das Ende der Abfalleigenschaft einen signifikanten Einfluss auf die M√∂glichkeiten der Umsetzung neuer Technologien, h√§ufig steht die aktuelle Rechtsprechung √∂kologisch sinnvollen Ans√§tzen entgegen. Hier kann die DGAW durch Positionspapiere sowie eine neutrale und faktenbasierte Beratung die Rechtsprechung auf Bundes- und auf EU-Ebene begleiten und √∂kologisch und volkswirtschaftlich sinnvolle Ma√ünahmen vorschlagen.


Aufgabenfelder der DGAW im Themenfeld Bioökonomie
Ankn√ľpfend an das Motto ‚ÄěWir √∂ffnen T√ľren f√ľr die Zukunft" sieht die DGAW ihre zuk√ľnftige Funktion im Schwerpunkt als Informationsplattform f√ľr Mitglieder, die in ihrem betrieblichen Alltag nicht √ľber Informationen oder Anregungen zum Thema Bio√∂konomie verf√ľgen, und in der Sensibilisierung f√ľr dieses Themenfeld. Anhand von Best Practice Beispielen, z. B. Anlagenbesichtigungen mit begleitenden Fachveranstaltungen, sollen DAGW-Mitgliedern konkrete Handlungsoptionen an die Hand gegeben werden.
Ein Engagement im Bereich der Grundlagenforschung wird nicht als Aufgabenbereich der DGAW gesehen, allerdings k√∂nnen √∂ffentlich oder industriell gef√∂rderte Forschungsprojekte angesto√üen und begleitet werden. F√ľr die Antragstellung und Durchf√ľhrung steht eine Vielzahl kompetenter und engagierter Mitglieder des Vereins zur Verf√ľgung.
Dar√ľber hinaus wird sich die DGAW im Themenkomplex Bio√∂konomie durch Positionspapiere in politische Umsetzungsprozesse einbringen.


Weiteres Vorgehen
Die Gesch√§ftsstelle wird in Erg√§nzung zu den thematischen R√ľckmeldungen des Status-Seminares zeitnah einen Fragebogen an alle DGAW-Mitglieder versenden. Auf Basis der R√ľckmeldungen werden thematische Priorit√§ten ermittelt und abgestimmt, welche Themen den bereits bestehenden Arbeitskreisen Biologie, Klimaschutz und Grundsatzfragen zugeordnet werden k√∂nnen und ob ein Bedarf f√ľr einen neu zu bildenden Arbeitskreis Bio√∂konomie gesehen wird.
Der Fragebogen wird im Februar an die Mitglieder verschickt.


Weitere Informationen:
DGAW-Geschäftsstelle Telefon: 030 - 84 59 14 77 Mail: info@dgaw.de

Link zur Originalnachricht >>>



Copyright: © DGAW - Deutsche Gesellschaft f√ľr Abfallwirtschaft e.V. (22.02.2022)
 
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