Politik muss gute Rahmenbedingungen f√ľr das Kunststoffrecycling setzen

Die Verwendung von Kunststoffen steht gegenw√§rtig heftig in der Kritik. Keine guten Vorzeichen f√ľr den 22. Internationalen Altkunststofftag, den der bvse-Bundesverband Sekund√§rrohstoffe und Entsorgung mit seinem Fachverband Kunststoffrecycling am 4. und 5. Juni 2019 in Bad Neuenahr veranstaltete. In den davor liegenden Wochen und Monaten hat die europ√§ische und die deutsche Politik eine Reihe von Forderungen und Entscheidungen √∂ffentlich gemacht. "Hier sind durchaus richtige Wege beschritten worden, wie etwa die verabschiedete EU-Kunststoffstrategie, wonach ab 2030 alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingf√§hig sein sollen", erkl√§rte Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling.

Manch andere Entscheidungen jedoch hätten eher Symbolcharakter und dienten mehr der politischen Gewissensberuhigung als der Lösung durchaus vorhandener Probleme, hieß es in Bad Neuenahr.

Einig war man sich in der Beurteilung, dass weder Klima- noch andere Umweltprobleme dadurch zu l√∂sen sind, dass der Einsatz von Kunststoffen diskreditiert wird. "Es w√§re ein Irrsinn zu glauben, dass wir √ľberhaupt ohne Kunststoffe in einer modernen und nachhaltigen Welt leben k√∂nnten und diesen Eindruck sollten wir auch nicht erwecken", betonte Textor in einem Pressegespr√§ch.

Mit der Kritik rund um das Thema Kunststoffe m√ľsse man sich aber in gro√üer Ernsthaftigkeit besch√§ftigen. Es sei v√∂llig inakzeptabel, wenn Abf√§lle in L√§nder exportiert werden, die nicht in der Lage sind, diese Abf√§lle nach dem Stand der Technik zu verwerten und die so die Umwelt belasten. Textor: "Das bedeutet dann aber auch, dass wir in Deutschland und Europa unsere Hausaufgaben machen m√ľssen und die ersch√∂pfen sich nicht darin, Kunststoff-Strohhalme oder Plastikt√ľten zu verbieten."

Ganz oben auf der To-do-Liste stehen f√ľr den bvse der Aufbau neuer Recyclingkapazit√§ten sowie die Modernisierung vorhandener Anlagen. Nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, k√∂nnen auch die notwendigen Investitionen in aufwendige und teure Anlagentechnik gestemmt werden, erg√§nzte bvse-Hauptgesch√§ftsf√ľhrer Eric Rehbock. "Unsere Unternehmen haben schon lange genug mit hohem Risiko Pionierarbeit geleistet, damit muss nun Schluss sein! Der Mittelstand muss und wird in die Zukunft investieren. Das muss aber Hand und Fu√ü haben. Einen existenziellen Blindflug k√∂nnen sich unsere Unternehmen nicht leisten", erkl√§rte Rehbock.

Deshalb sollte die europ√§ische und deutsche Politik nicht nur Verbote aussprechen, sondern ihrem Gestaltungsauftrag gerecht werden und die Rahmenbedingungen f√ľr mehr Recycling und Nachhaltigkeit schaffen. Textor: "Wir ben√∂tigen mehr Recyclingkapazit√§ten und auf das Recycling angepasste Rahmenbedingungen. Deshalb pl√§diert der bvse ganz klar daf√ľr, steuerliche Investitionsanreize f√ľr Recyclinganlagen zu setzen und europaweit neue und qualitativ anspruchsvolle Recyclingkapazit√§ten zu schaffen."

bvse-Vizepr√§sident Herbert Snell wies noch auf einen anderen Aspekt in Bad Neuenahr hin. Das Kunststoffrecycling vermindert den Bedarf an Roh√∂l und zwar zweifach, einerseits durch Einsparen von Neukunststoffen und anderseits durch Einsparen von Energie. 1,88 Mio. t an Recyclaten ersetzen die gleich Menge an Neuware. Dar√ľber hinaus ist die Energieeinsparung nicht zu vernachl√§ssigen. Beim Kunststoffrecycling wird nur 33 bis 50 Prozent der Energie verbraucht, die bei der Herstellung von Neuware aufzubringen w√§re. Und schlie√ülich ist hier die CO2-Einsparung zu nennen. Die CO2-Einsparung durch das Kunststoffrecycling ist erheblich. Jede Tonne Recyclingkunststoff, die anstelle vergleichbarer Neuware zum Einsatz kommt, vermeidet spezifisch zwischen 1,45 t und 3,22 t klimarelevante Treibhausgase in Form von CO2-√Ąquivalenten.

F√ľr Herbert Snell ist daher klar, dass das Recycling von Kunststoffen einen beachtlichen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen und zur Ressourcenschonung leistet. Herbert Snell: "Wir sind daher dezidiert der Meinung, dass die Politik diese Klimaschutz-Stellschraube nutzen sollte. Darum sollten den Kunststoffverarbeitern, die statt Neuware Recyclate einsetzen, eine Verg√ľtung f√ľr die damit erzielte CO2-Einsparung erhalten." Gleichzeitig, so f√ľhrte der bvse-Vizepr√§sident aus, w√ľrde damit eine zielgerichtete F√∂rderung des Recyclateinsatzes einhergehen. "Als Finanzierungsm√∂glichkeit bietet sich unserer Meinung nach der EEG-Topf an, da er dem gleichen Zweck dient, n√§mlich der CO2-Einsparung", erkl√§rte Herbert Snell abschlie√üend.



Copyright: © bvse-Bundesverband Sekund√§rrohstoffe und Entsorgung (17.06.2019)
 
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