bvse fordert in 3-Punkte-Plan vergleichbare Wettbewerbsbedingungen fĂŒr Rezyklate

Mit einem 3-Punkte-Plan hat sich der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling an das Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und die Mitglieder des Bundestagsausschusses gewandt, um dem umweltschadenden VerdrĂ€ngungswettbewerb von Kunststoffneuware gegenĂŒber CO2-einsparenden Rezyklaten zu stoppen und faire Rahmenbedingungen fĂŒr Recyclingprodukte zu schaffen.


„Kunststoffneuware fĂŒr Verpackungen hat sich in den letzten fĂŒnf Jahren um 30 % verbilligt. Dieser Trend hat sich seit Ausbruch der Corona-Krise noch einmal verstĂ€rkt. In der Folge bleiben Rezyklate, die in kostenintensiven Kunststoffrecyclingverfahren hergestellt werden und große Mengen CO2 einsparen, im Konkurrenzkampf um den Markt gegenĂŒber der billigen Rohstoffneuware zunehmend chancenlos, “ erklĂ€rte der Vorsitzende des Fachverbandes Kunststoffrecycling, Dr. Dirk Textor.

„Rezyklateinsatz bedeutet Klimaschutz. Wenn das Kunststoffrecycling in Zukunft noch eine Chance haben soll, mĂŒssen endlich Bedingungen geschaffen werden, die einen vergleichbaren Wettbewerbsrahmen zu Kunststoffneuware schaffen. Der klimaschĂ€dliche CO2-Rucksack, der bei der Produktion von Kunststoffneuware entsteht, bleibt bei der Preisbildung bislang völlig außen vor. Dies muss sich dringend Ă€ndern, “ ergĂ€nzte bvse-VizeprĂ€sident Herbert Snell.

Die VorschlÀge zur Schaffung eines Level-Playing Fields, das Rezyklaten und damit dem Kunststoffrecycling als wichtigem Part im Um- und Ausbau einer Kreislaufwirtschaft in Deutschland und Europa eine Chance gibt, hat der bvse in einem 3-Punkte-Plan zusammengefasst:
Der erste Vorschlag darin sieht ein Zwei-Stufen-Modell fĂŒr eine verlĂ€ssliche und transparente Verminderung der in der kunststoffverarbeitenden Industrie eingesetzten Kunststoffneuware und in der Konsequenz eine stufenweise Erhöhung der Einsatzquote von Rezyklaten vor. Bis zum Jahresanfang 2021 soll in Stufe 1 eine verbindliche Reduktion der CO2-Emissionen der eingesetzten Rohstoffe im Mittel um mindestens 25 % festgeschrieben werden, wobei der Bezugspunkt die Produktion mit Neuware darstellt. In Stufe 2 soll diese Quote dann auf 40 % ab dem Jahr 2030 erhöht werden.

Zur Dokumentation des Reduktionsziels sollen Kunststoffverarbeiter in Zukunft verpflichtet werden, einen jĂ€hrlichen Nachweis zu erbringen. FĂŒr die Zielverfehlung sieht der Plan eine Malus Regelung in Höhe eines 20 %igen Preisaufschlags auf den Produktnettopreis der Neuware vor, der dann als Beitrag fĂŒr klimaschutzfördernde Investitionen eingesetzt werden soll.

Der zweite Vorschlag des bvse-Plans zielt auf eine Vereinheitlichung der QualitĂ€tssicherung. Zur ErfĂŒllung der Recyclingquoten bei dem Recycling von Kunststoffen aus den Sammlungen der Dualen Systeme mĂŒssen sogenannten LetztempfĂ€ngeranlagen eingesetzt werden. Deren Eignung wird zweijĂ€hrlich ĂŒberprĂŒft und in einem Zertifikat dokumentiert. Eine ÜberprĂŒfung der Zertifikate und Auditberichte durch die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) als neutrale Stelle soll dafĂŒr sorgen, dass gleichbleibende QualitĂ€tsstandards eingehalten und Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden. Beispielgebend ist die Vorgehensweise bei der EuCertPlast Zertifizierung.
Die Forderungen des dritten Bausteins richten sich an die Öffentliche Beschaffung auf Bund- und LĂ€nderebene. Hier spricht sich der bvse fĂŒr eine NachschĂ€rfung der Vorgaben fĂŒr einen vorrangigen Rezyklateinsatz aus.

Aufgrund fehlender Einspruchsmöglichkeiten oder Sanktionen hatten diese bislang ihre Wirkung verfehlt. Von den Behörden zu erbringen sei eine jĂ€hrliche Berichtspflicht, die nicht nur Auskunft ĂŒber den direkten Einsatz von Recyclingerzeugnissen oder in vergebenen AuftrĂ€gen gibt, sondern darĂŒber hinaus auch den Nichteinsatz rechtfertigt.


Den 3-Punkte-Plan des bvse als Zukunftsperspektive fĂŒr das Kunststoffrecycling finden Sie hier.


Die Originalpressemitteilung finden Sie hier.



Copyright: © bvse-Bundesverband SekundĂ€rrohstoffe und Entsorgung (10.07.2020)
 
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