Finanzierte Kapazitäten für Erneuerbare Energien 2019 weltweit auf Rekordniveau

Bericht über globale Investitionen in Erneuerbare Energien vorgestellt / Deutschlands Investitionen zwischen 2010 und 2019 auf Platz vier weltweit


Das UNEP-Collaborating Centre der Frankfurt School of Finance & Management und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) haben heute den Report "Global Trends in Renewable Energy Investment 2020" vorgestellt. Der Jahresbericht liefert umfassende Informationen über internationale Investitionen in Erneuerbare Energien und weist frühzeitig auf Fehlentwicklungen beim Ausbau von Erneuerbaren Energien hin. Der aktuelle Bericht zeigt, dass der weltweite Aufbau von Kapazitäten für Erneuerbare Energien im Jahr 2019 um 12 Prozent auf 184 Gigawatt gestiegen ist. Dieser bisher weltweit größte Zuwachs innerhalb eines Jahres wurde mit einer Investition von 282,2 Milliarden US-Dollar realisiert – nur ein Prozent höher als im Jahr 2018. Das bedeutet: Technologien, die nachhaltige Energie erzeugen, werden immer günstiger. Der Bericht zeigt neben Analysen und Trends auch Chancen für Klima-Investitionen während der Corona-Krise und für das neue Jahrzehnt auf.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Schon heute stellen Erneuerbare Energien wie Wind und Solar knapp 80 Prozent der neu gebauten Kapazitäten zur Stromerzeugung. Investoren und Märkte sind von ihrer Zuverlässigkeit und Wettbewerbsfähigkeit überzeugt. Die Förderung Erneuerbarer Energien ist ein starker Motor für die Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise und schafft neue und sichere Arbeitsplätze. Zugleich werden Wind- und Solarenergie immer günstiger und entwickeln sich weltweit zu einer wettbewerbsfähigen sauberen Alternative zu den fossilen Energien."

 Professor Dr. Ulf Moslener, Mitherausgeber des Reports und Wissenschaftlicher Leiter des Frankfurt School-UNEP Collaborating Centre: "Bei den 2019 finanzierten Kapazitäten für Erneuerbare Energien sehen wir ein Rekordniveau – und das bei nahezu gleichen Investition wie im Jahr 2018. Das zeigt, dass solche Investitionen attraktiver werden. Trotzdem decken Erneuerbare Energien erst 13,4 Prozent des weltweiten Strombedarfs und sowohl Regierungen als auch Unternehmen und Konsumenten dürfen jetzt nicht nachlassen. Denn die Pariser Klimaziele sind mehr als nur politische Ziele: Sie sollen ernsthaften Schaden für die Menschheit abwenden."

  • Wichtige Ergebnisse des Berichts sind:
    Die innerhalb eines Jahres finanzierten Kapazitäten für Erneuerbare Energien haben 2019 mit 184 Gigawatt (ohne große Wasserkraft) ein Rekordhoch erreicht. Davon entfallen 118 Gigawatt auf Solarenergie – der höchste jährliche Anstieg innerhalb eines Jahres bei Solarenergie.
  • Mit 29,9 Milliarden US-Dollar stiegen die Investitionen in Windkraft um 18 Prozent auf ein Rekordhoch.
  • Der weltweite Anteil von Erneuerbaren Energien (ohne große Wasserkraft) ist im Energiemix von 12,4 Prozent (2018) auf 13,4 Prozent im Jahr 2019 gestiegen. Dadurch werden mittlerweile jedes Jahr rund 2,2 Milliarden Tonnen Kohlendioxidemissionen vermieden.
  • Die bisher größte Finanzierung für ein Solarprojekt ist mit 4,3 Milliarden US-Dollar das Projekt AI Maktoum in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
  • Weltweit werden über die Hälfte aller Investitionen für Erneuerbare Energien in Schwellen- und Entwicklungsländern getätigt (152,2 Milliarden US-Dollar) – und das im fünften Jahr in Folge.
  • Deutschland ist bei den Investitionen mit Blick auf das gesamte Jahrzehnt weltweit auf Platz vier und belegt für das Jahr 2019 Platz vier in Europa. Einem Einbruch bei den Wind-Anlagen stehen dabei weiterhin steigende Investitionen in dezentrale solare Stromerzeugung gegenüber.

Zahlen für Deutschland und Europa

Zwischen 2010 und 2019 lag Deutschland mit einer Gesamtinvestition von 184,4 Milliarden US-Dollar auf dem weltweit vierten Platz nach China, den USA und Japan. Damit lag Deutschland in Europa für den gesamten Zeitraum an der Spitze, gefolgt von Großbritannien (126,5 Milliarden US-Dollar). Für 2019 betrachtet ist das Investment Deutschlands im Vergleich zu 2018 allerdings um 30 Prozent auf jährliche Ausgaben von 4,4 Milliarden US-Dollar gesunken. Dagegen sind beispielsweise die Investitionen in Spanien (im Jahr 2019 auf Platz 1 in Europa) und den Niederlanden (im Jahr 2019 auf Platz 2 in Europa) um jeweils 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Großbritannien liegt mit einer Investition von 5,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf Platz 3, allerdings sind dort die Investitionen um 40 Prozent gesunken.
Die Ausgaben Deutschlands (Platz 4) im Jahr 2019 gingen mit 3,4 Milliarden US-Dollar in die Installation von Photovoltaikanlagen (plus 500 Millionen US-Dollar im Vergleich zu 2018) und mit 1 Milliarde US-Dollar in die Windkraft.

10 Jahres-Trend und Ausblick bis 2030

Das Fokuskapitel des 80-seitigen Reports gibt einen Ausblick auf das nächste Jahrzehnt: 87 Regierungen haben sich bis 2030 dazu verpflichtet, bei einem Investment von 1 Billion US-Dollar zusätzlich neue Kapazitäten für 826 Gigawatt an Erneuerbaren Energien zu schaffen. Im vergangenen Jahrzehnt waren es dagegen weltweit zusätzlich 1,213 Gigawatt an Kapazitäten mit einem Investment von 2,7 Billionen US-Dollar. Die Kapazitäten werden trotz sinkender Kosten also in deutlich geringerem Umfang ausgebaut als in den vergangenen zehn Jahren. "Das letzte Jahrzehnt brachte große Fortschritte für den Ausbau von Erneuerbaren Energien", sagt Dr. Christine Grüning, Senior Project Manager an der Frankfurt School, "die Ziele und Investments von Regierungen bis 2030 liegen aber weit hinter dem zurück, was zur Bekämpfung des Klimawandels erforderlich ist." Chancen in der Corona-Krise

Die Analysen des Reports zeigen, dass die Kosten für Strom aus Erneuerbaren Energien in den letzten Jahren dank neuer Technologien und einem hohen Wettbewerb signifikant gesunken sind: in den letzten zehn Jahren sind beispielsweise die Kosten für Photovoltaikanlagen um 83 Prozent gefallen und bei Onshore- und Offshore-Windenergie um 49 beziehungsweise um 51 Prozent. Gleichzeitig hat die Corona-Krise die Entscheidungen für Investitionen in Erneuerbare Energien verlangsamt. Die am Report beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern appellieren an die Regierungen, die ständig sinkenden Preise für den Ausbau von Erneuerbaren Energien zu nutzen und saubere Energien zu fördern, anstatt fossile Brennstoffe zu subventionieren: "Die Corona-Krise bietet jetzt die Chance, die Förderung von Erneuerbaren Energien bei zukunftsfähigen Konjunkturpaketen mit zu denken. Die richtigen Weichen müssen genau jetzt gestellt werden, um die Wirtschaft nachhaltig aufzustellen und gleichzeitig die Klimaziele zu fördern", sagt Prof.Dr. Ulf Moslener.


Über den Global Trends in Renewable Energy Investment Report

Der Global Trends in Renewable Energy Investment erscheint seit 2007 und ist der maßgebende Jahresbericht für Investitionen in Erneuerbare Energien. Der Report wird vom Frankfurt School – UNEP Collaborating Centre gemeinsam mit UN-Environment und Bloomberg New Energy Finance herausgegeben und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mitfinanziert. Er richtet sich an die Climate Finance Community, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, Investorinnen und Investoren, NGOs und die angewandte Forschung. Die herausgebenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beraten darüber hinaus internationale Organisationen wie die International Renewable Energy Agency (IRENA) oder das Netzwerk für Erneuerbare Energien des 21. Jahrhunderts (REN21).


Das UNEP Collaborating Centre "Climate & Sustainable Energy Finance" an der Frankfurt School

Aufgabe und Ziel des Centre ist es, kosteneffiziente Wege und Instrumente zur Reduktion von CO2-Emissionen zu entwickeln, Investitionen in nachhaltige Energien zu mobilisieren und die jeweiligen Märkte – vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern – zu stärken. Das FS-UNEP Centre arbeitet hierfür mit Finanzinstitutionen zusammen, um technisches Know-how sowie innovative Finanzierungsansätze für Unternehmen und Endverbraucher zu entwickeln. Kernaktivitäten sind die Übernahme von Beratungsprojekten, Aus- und Weiterbildung sowie Forschung. Damit deckt das Centre alle Aktivitäten eines modernen Think and Do Tanks für globale Fragestellungen der Klimafinanzierung und Nachhaltige-Energie-Investitionen ab. Die Frankfurt School verfügt über langjährige und breite Erfahrungen mit Forschungs-, Beratungs- und Trainingsprojekten zu allen Fragen der Entwicklungsfinanzierung in Entwicklungs- und Schwellenländern. Damit stärkt sie den Finanzsektor vor Ort und übernimmt Beratungs- und Trainingsmandate zu Energieeffizienz- und Erneuerbare-Energiefragen in aller Welt.

Über die Frankfurt School of Finance & Management

Die Frankfurt School of Finance & Management ist eine forschungsorientierte Business School. Sie ist von EQUIS, AMBA und AACSB International akkreditiert. Die Frankfurt School bietet Bildungsprogramme zu Finanz-, Wirtschafts- und Managementthemen an – dazu gehören Bachelor-, Master- und MBA-Programme sowie ein Promotionsprogramm, Executive Education, Zertifikatsstudiengänge, offene Seminare und Trainings für Berufstätige sowie Seminare und Workshops für Auszubildende. In ihrer Forschung adressieren die Fakultätsmitglieder der FS aktuelle Fragestellungen aus der Wirtschaft, dem Management sowie aus Banking und Finance. Darüber hinaus verantworten Experten der FS Beratungs- und Trainingsprojekte zu Financefragestellungen in Schwellen- und Entwicklungsländern, insbesondere zu Mikrofinanz und zur Finanzierung Erneuerbarer Energien. Der Master in Management wird für das Jahr 2019 von der Financial Times auf Platz 36 gerankt. Im QS World University Ranking liegt die FS mit seinen MBA Programmen auf Platz zwei der deutschen Hochschulen. Die FS unterhält zusätzlich zum Frankfurter Campus Studienzentren in Hamburg und München sowie internationale Büros in Ankara (Türkei), Amman (Jordanien), Brüssel (Belgien), Dubai (UAE), Istanbul (Türkei), Nairobi (Kenia) sowie Peking (China). Mit über 125 Partneruniversitäten ist sie eine weltweit vernetzte Business School.


Die Originalpressemitteilung finden Sie hier.



Copyright: © Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (10.06.2020)
 
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