Kreislaufwirtschaft verwirklichen - Umweltgutachten weist den Weg

"Das Umweltgutachten 2020 des Umweltsachverst√§ndigenrates der Bundesregierung legt den Finger in die offene Wunde: Wir sind von einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft noch ein ganzes St√ľck entfernt. Die gute Nachricht ist aber, dass wir die realistische Chance haben, sie in Deutschland und in Europa umsetzen zu k√∂nnen", erkl√§rt Eric Rehbock, Hauptgesch√§ftsf√ľhrer des bvse-Bundesverband Sekund√§rrohstoffe und Entsorgung.

Mit dem Umweltgutachten greift der Sachverst√§ndigenrat f√ľr Umweltfragen (SRU) verschiedene umweltpolitische Handlungsfelder auf, in denen zum einen gro√üer Handlungsbedarf besteht, in denen es zum anderen aber auch vielversprechende Umsetzungsm√∂glichkeiten gibt. Zu diesen Bereichen z√§hlt er die Kreislaufwirtschaft, die in Deutschland und Europa "endlich von der Rhetorik zur konsequenten Umsetzung kommen sollte", denn Deutschland verbrauche nach wie vor zu viele Rohstoffe und f√ľhre diese zu wenig im Kreislauf, so die Analyse des Sachverst√§ndigenrats.

"Man kann und muss im Detail √ľber manche Aussagen des Umweltgutachtens streiten, aber die Richtung stimmt. Kreislaufwirtschaft f√§ngt nicht beim Nutzungsende von Produkten an, sondern muss beim Produktdesign beginnen. Nur recyclingf√§hige Produkte k√∂nnen im Kreislauf gef√ľhrt werden", betont Rehbock.

Der bvse h√§lt es deshalb f√ľr richtig, dass nicht nur Verpackungen in den Blick genommen werden, sondern auch die Produkte selber. Beispielsweise bei Elektroger√§ten oder auch beim Automobilbau sei es m√∂glich und sinnvoll genau zu √ľberlegen, wie die Produkte konzipiert werden m√ľssen, damit beispielsweise die Kunststoffkomponenten am Nutzungsende der Produkte wieder recycelt werden k√∂nnen.

"Zum Design for Recycling geh√∂rt aber genauso, dass f√ľr neue Produkte von vorneherein auch Sekund√§rrohstoffe verwendet werden. Es macht einfach keinen Sinn, wenn Recyclingquoten eingef√ľhrt werden und sich die Wirtschaftsbeteiligten einschlie√ülich der √∂ffentlichen Hand dann scheuen, Recyclingprodukte nachzufragen", so bvse-Hauptgesch√§ftsf√ľhrer Eric Rehbock.

Er begr√ľ√üt daher, dass im Umweltgutachten nicht nur die Forderung aufgestellt wurde, den Einsatz von Rezyklaten zu f√∂rdern, sondern auch darauf hingewiesen worden ist, dass die √∂ffentlichen Institutionen des Bundes, der L√§nder und der Kommunen ihre Rolle als Motor f√ľr die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft st√§rker als bisher wahrnehmen sollten.

"Bei einem im Gutachten angegebenen direkten Beschaffungsvolumen von jährlich 122,5 Milliarden Euro haben es Bund, Länder und Kommunen in hohem Maße selbst in der Hand, der Kreislaufwirtschaft den entscheidenden Impuls zu geben. Es geht eben längst nicht nur um Recyclingpapier. Es geht um Bau-, Sach- und Dienstleistungen, die Bund, Länder und Kommunen beauftragen und es geht auch um IT-Ausstattungen, um Möbel, um Elektrogeräte, um Kraftfahrzeuge aller Art. Der Schalter muss jetzt endlich umgelegt werden", fordert Rehbock.

Als richtig bezeichnet es der bvse, dass ein hochwertiges Recycling angestrebt werde. Wenn man den Kreislauf schlie√üen will, dann geh√∂rt auch die Recyclierbarkeit von Recyclingprodukten am Ende der Nutzungsdauer dazu. Rehbock bezeichnet es aber als ungl√ľcklich, dass das Umweltgutachten als Negativ-Beispiel Produkte aus Mischkunststoffen genannt habe. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. Mischkunststoffrezyklate werden in der Regel in langlebigen Produkten eingesetzt und sind am Ende ihrer Nutzungszeit sehr wohl wieder f√ľr das Recycling geeignet.

Zu einem hochwertigen Recycling geh√∂rt nach Auffassung des bvse √ľbrigens auch eine qualitativ gute Erfassung der Altmaterialien. Diesen Aspekt hat das Gutachten nicht aufgegriffen. Dabei ist dies eine Voraussetzung f√ľr das Recycling. Gerade bei Elektroaltger√§ten haben die Recyclingunternehmen mit teilweiser mangelhafter Erfassung durch die kommunalen Annahmestellen zu k√§mpfen, was das Recycling erschwert und teilweise unm√∂glich macht.

Der bvse weist in seiner Bewertung des Gutachtens besonders daraufhin, dass Kreislaufwirtschaft nur gelingen kann, wenn das Recycling auch rechtlich m√∂glich bleibt. Hinsichtlich der geforderten Schadstoffausschleusung m√ľsse daher darauf geachtet werden, dass diese nicht absolut gesetzt werden d√ľrfe.

"Das Stoffrecht definiert laufend neue Schadstoffe. Eine automatische Verkn√ľpfung von Abfall- und Chemikalienrecht w√§re hier kontraproduktiv. Viele Produkte, die heute recycelt werden sollen, wurden vor Jahren und Jahrzehnten produziert. Wenn keine sachorientierte Abw√§gung erfolgt, die auch anwendungsbezogene Kriterien umfasst, wird das eine systemische √úberforderung zur Folge haben, die letztlich dazu f√ľhrt, dass kaum noch unbelastete Abfallstr√∂me f√ľr das Recycling √ľbrig bleiben", warnt der bvse-Hauptgesch√§ftsf√ľhrer.


Zum Bericht und Umweltgutachten 2020 mit Downloadmöglichkeit:
Umweltgutachten 2020: F√ľr eine entschlossene Umweltpolitik in Deutschland und Europa


Die Originalpressemitteilung finden Sie hier.



Copyright: © bvse-Bundesverband Sekund√§rrohstoffe und Entsorgung (15.05.2020)
 
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