Droht jetzt der Altpapier-Notstand?

Plötzlich werden Ressourcen neu gedacht – Die Altpapier-Situation aktuell

In der Pressemeldung vom 04.03.2020 stellte der DGAW die damalige Altpapier-Situation dar. Heute sind die vagabundierenden Mengen zu Toilettenpapier oder Verpackungsmaterial verarbeitet, die Lager sind so leer wie die Regale im Supermarkt und keiner fragt mehr nach energetischer Verwertung. Gleichwohl ist nicht geklärt, wo die ĂĽberlagerten Qualitäten bleiben und es fehlt vielmehr an Nachschub. Altpapier ist wieder ein begehrter Rohstoff mit einem positiven Marktwert.

Verantwortlich dafür sind insbesondere die zurückgehenden Sammelmengen aufgrund geschlossener Wertstoffhöfe, Sortieranlagen, Grenzen und Logistikketten.

Vor acht Wochen wurde noch der erschwerte Export von Altpapier und die ungleiche Behandlung gegenüber Neuware moniert. Heute fehlen die Importe, für das Netto-Importland Deutschland. Die Gründe hierfür liegen vor allem am deutlichen Rückgang der gewerblichen Altpapiermengen durch den europaweiten Lockdown. Bei einigen europäischen Nachbarn wurde außerdem die Abholung von Altpapier aus den Haushalten (vorübergehend) ausgesetzt. Die nun knappen Mengen werden in den jeweiligen Ländern benötigt und deshalb kaum exportiert. Prinzipiell wäre ein grenzüberschreitender Altpapierhandel jedoch auch in der Krise möglich. Zugleich ist in der Krisensituation die Nachfrage starkgestiegen, vor allem für die Herstellung von Toilettenpapier und Verpackungsmaterialien. Die Nachfrage nach Neupapier für die Herstellung von Prospekten, etc. hat dagegen deutlich nachgelassen.

Seit der Corona-Krise hat der Klimaschutz eine andere Bedeutung: noch nie war die globale Luft so rein, die Emissionen so niedrig und die CO2-Ziele so greifbar nah... aber zu einem wahnsinnig hohen Preis! So geht Klimaschutz nicht...

Die DGAW fordert, die Zeit nach der Krise, wenn die Wirtschaft sich hoffentlich recht bald wieder erholt, zu nutzen, um eine nachhaltigere und CO2-ärmere Circular Economy zu schaffen und Abhängigkeiten, insbesondere von Asien, abzubauen. Dies gelingt nur, wenn wir Ressourcen tatsächlich neu denken und die uns zur Verwertung zur Verfügung stehenden Materialien wirklich effizient nutzen.

Hierbei müssen wir die Möglichkeiten der stofflichen und energetischen Verwertung in der Rohstoffwirtschaft neu definieren und umsetzen, mit dem Ziel, den Einsatz von Sekundärrohstoffen im Sinne einer hochwertigen Ressourcenwirtschaft weiter zu steigern. Zugleich müssen aber auch die Grenzen der jeweiligen Verwertungswege im Auge behalten werden, vor allem wenn es darum geht, eine Anreicherung umweltgefährdender Stoffe zu vermeiden. Ein neues Denken und Definieren von Grenzwertenwäre auch hier notwendig – gerade auch bei Primärrohstoffen. Eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance!

Wir sind gespannt, wie sich die Lage in 8 Wochen darstellt.

Bleiben Sie gesund!

Der Vorstand der DGAW e. V.



Copyright: © DGAW - Deutsche Gesellschaft fĂĽr Abfallwirtschaft e.V. (04.05.2020)
 
Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...