E-Schrott-Recycling in Corona-Zeiten: Einbruch der AltgerÀte-Erfassungsmengen

Die Corona-Pandemie trifft die kleinen und mittleren E-Schrott-Recycler besonders hart. In einer Umfrage des bvse geben die im Verband organisierten Unternehmen der Branche an, dass sie aktuell im Mittel 56 Prozent weniger AltgerÀte im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres erfassen konnten.

Durch die eingeschrĂ€nkten TĂ€tigkeiten in Industrie und Gewerbe sind die dort sonst erfassten Mengen an B2B-GerĂ€ten nahezu eingebrochen. Der RĂŒckgang im gewerblichen Bereich wird mit 50 bis 70 Prozent angegeben. Auch die Schließung des ElektrogerĂ€tehandels trĂ€gt zur negativen Entwicklung bei. Die Vertreiber RĂŒcknahme fiel mit rund minus 90 Prozent nahezu komplett aus.

Unterschiedlich stellt sich die Erfassungssituation bei den kommunalen Mengen dar. In Regionen, in denen die Wertstoffhöfe geschlossen wurden, stand auch dort die RĂŒcknahme still. Bei geöffneten Wertstoffhöfen lief es wie gewohnt weiter. So berichten einige Unternehmen von einem RĂŒckgang kommunaler Mengen im Bereich 60-80 Prozent, wĂ€hrend andere Unternehmen in diesem Bereich keine Einbußen spĂŒrten. Mittlerweile öffnen die Wertstoffhöfe wieder, es wird nun fĂŒr eine kurze Zeit mit einer erhöhten Abgabebereitschaft der Verbraucher gerechnet, da zu erwarten ist, dass zu Hause ausgemistet wurde.

„Durch die Kurzarbeiterregelung kann zwar ein Teil der Personalkosten aufgefangen werden, dabei ist es aber wichtig, dass eine schnelle RĂŒckerstattung des in Vorleistung durch die Unternehmer gezahlten Kurzarbeitergeldes durch die Agentur fĂŒr Arbeit erfolgt. Denn zudem drĂŒcken Fixkosten fĂŒr Anlagentechnik, Fuhrpark, GebĂ€ude und PlĂ€tze erheblich auf die LiquiditĂ€t der Unternehmen“, machte der Vorsitzende fĂŒr den bvse-Fachverband Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling, Bernhard Jehle, deutlich. „Auch mit den Soforthilfen lassen sich laufende Zahlungen nur fĂŒr kurze Zeit auffangen. Umso wichtiger ist es, schnellstmöglich wieder Umsatz machen zu können“, erklĂ€rte Jehle nachdrĂŒcklich.

Weitere Marktkonzentration durch Corona-Krise zu befĂŒrchten

Der Überlebenskampf kleiner- und mittlerer Unternehmen hat in der Branche bereits vor der Corona-Krise begonnen. Die Vergabe von Entsorgungsdienstleistungen im Bereich AltgerĂ€tebehandlung erfolgt in der Regel in bundesweit angelegten Ausschreibungen. FlĂ€chendeckend agierende Systeme haben dabei einen Marktvorteil, ein Unterschied zu dualen Systemen besteht dabei kaum noch. Ausschreibungsbedingungen geben zum Teil unangemessene Marktstandards vor, in dem beispielsweise bei langer Vertragslaufzeit kaum kalkulierbare Fixpreisangebote abgegeben werden mĂŒssen.

GrĂ¶ĂŸere Unternehmen verfĂŒgen ĂŒber eine grĂ¶ĂŸere Kapitaldecke, sie sind robuster darin eine Krise zu ĂŒberstehen. Eine weitere Marktkonzentration aufgrund der Corona-Krise ist zu befĂŒrchten. Gerade auch aus diesem Grund mĂŒssen vor allem kleine- und mittlere Unternehmen durch unbĂŒrokratische Staatshilfen in die Lage versetzt werden, ihren Zahlungen trotz Verdienstausfall nachzukommen.



Copyright: © bvse-Bundesverband SekundĂ€rrohstoffe und Entsorgung (27.04.2020)
 
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