Altholzmarkt weiter in Schieflage

Auf dem Altholzmarkt zeichnet sich nach wie vor eine Schieflage ab. Engpässe in den energetischen Verwertungswegen und Übermengen aus der ersten Jahreshälfte wirken nach. Der seit Jahren etablierte Altholzmarkt kommt nicht zur Ruhe, auch wenn sich regional durch vermehrte Exporte Verbesserungen anbahnen.

Die Marktbewegungen auf dem Altholzmarkt standen, neben Informationen zum Fortschreiten der Novelle der Altholzverordnung (AltholzV), im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des bvse-Fachverbandes Ersatzbrennstoffe, Altholz und Biogene Abfälle im September dieses Jahres.

Ein hohes Altholzaufkommen bei gleichzeitig anhaltendem Mangel an Verbrennungskapazit√§ten haben die Altholzverwerter in diesem Jahr bis an die √§u√üersten Lagerfassungsverm√∂gen gebracht. Teilweise mussten in den Betrieben der Altholzverwerter sogar Annahmestopps verh√§ngt werden. In einer Mitgliederumfrage aus dem Sommer gaben die bvse-Mitgliedsunternehmen an, dass die Erfassungsmengen in 2018 gegen√ľber dem Vorjahr (2017) zwar leicht gesunken, aber nach wie vor sehr hoch seien.

Ein Grund hierf√ľr sind unter anderem naturbedingte Ph√§nomene, wie z. B. die Borkenk√§ferplage, die nach Angaben des rheinland-pf√§lzischen Umweltministeriums im Jahr 2018 zu einer F√§llung von mehr als viermal so viel Fichtenholz wie im Jahr 2017 gef√ľhrt hat. Bis September 2019 hat sich dieser Faktor noch einmal um 2,5 erh√∂ht. Ein weiterer Aspekt ist das niedrige Zinsniveau, das einen anhaltenden Bauboom mit entsprechendem Konsumverhalten ausgel√∂st hat. Aber auch eine intensivere Getrennthaltung tr√§gt zu den hohen Erfassungsmengen bei.

Sorgenvoll blicken die Altholzverwerter nach wie vor auf den Flaschenhals in den Verwertungswegen.

W√§hrend sich die stoffliche Verwertung auch aufgrund von gesunkener Nachfrage konstant bis verhalten zeigt, versch√§rft sich der energetische Verwertungsengpass weiter. Teilweise werden gro√üe Transportwege zu Feuerungsanlagen in andere Bundesl√§nder oder ins Ausland in Kauf genommen, mit entsprechend hoher Kostenbelastung. L√∂sungen erhofft sich der Fachverbandsvorsitzende Wolfgang Fritsch in einer Anpassung des Rechtsrahmens: ‚ÄěZurzeit l√§sst der bvse rechtlich pr√ľfen, ob es M√∂glichkeiten zur Anpassung im Genehmigungsrecht geben k√∂nnte, die die Erweiterungen von Lagerkapazit√§ten bei ebendiesen Engp√§ssen erlauben‚Äú, so Fritsch.

Eine kurzfristige √Ąnderung der Marktlage zeichnet sich im Hinblick auf die knappen Verwertungswege in absehbarer Zeit nicht ab.

‚ÄěSelbst im Falle des Inkrafttretens einer neuen Altholzverordnung nicht, mit deren Verk√ľndung wir wohl erst im Fr√ľhjahr 2021 rechnen k√∂nnen‚Äú, prophezeite der Fachverbandsvorsitzende und warnte vor der Forderung eines dogmatischen Vorrangprinzips f√ľr eine stoffliche Altholzverwertung bei der geplanten Novellierung der Altholzverordnung ‚ÄěDie Beschaffenheit von Alth√∂lzern grenzen sowohl die Kapazit√§ten als auch die stoffliche Verwertung dieses Stoffstroms ein. Der Markt hat sich in den letzten Jahren auf den in der AltholzV verankerten Grundsatz des Gleichrangs der Hochwertigkeit von stofflicher und energetischer Verwertung und deren sinnvollen Erg√§nzung eingestellt‚Äú, betonte Wolfgang Fritsch. Von den j√§hrlich ca. 8 Millionen Tonnen anfallenden Altholz werden derzeit 25 Prozent stofflich genutzt und 75 Prozent energetisch verwertet.

Probleme bereiten der Branche auch die in diesem Jahr herrschende erhöhte Brandlast in den Unternehmen.

Die hohen Temperaturen hatten auch in diesen Sommermonaten f√ľr sehr trockenes Material mit erheblicher Staubproblematik gesorgt. ‚ÄěDiese wirkten sich im Hinblick auf erh√∂htes Brand- und Explosionsrisiko sowohl auf das Handling als auch in der Aufbereitung aus. In Zukunft werden die Altholzaufbereiter wohl mit weiteren Investitionen f√ľr Schutzma√ünahmen rechnen m√ľssen‚Äú, erkl√§rte der bvse-Fachverbandsvorsitzende Wolfgang Fritsch.

In diesem Zusammenhang machte Wolfgang Fritsch auch auf die Notwendigkeit aufmerksam, die Bewertung des Brandrisikos in Abfalllagern neu zu √ľberdenken.

Die Kunststofflagerrichtlinie, die oft zur Beurteilung in Schadensf√§llen herangezogen w√ľrde, k√∂nne nicht Grundlage f√ľr die Bewertung von m√∂glichen Br√§nden im Altholzlagerbereich sein, denn Altholz zeige ein v√∂llig anderes Brandverhalten als Kunststoff.

Der bvse-Fachverbandsvorsitzende warnte deshalb eindringlich davor, die Altholzplätze zum Kollateralschaden möglicher Verschärfungen vor dem Hintergrund zahlreicher Brände in den LVP- und AzV-Behandlungsanlagen werden zu lassen, da deren Ursache häufig Lithium-Batterien sind, die auf den Altholzplätzen keine Rolle spielen!



Copyright: © bvse-Bundesverband Sekund√§rrohstoffe und Entsorgung (19.11.2019)
 
Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...