Nachhaltige ökonomische Kreislaufwirtschaft erfordert Zusammenspiel aller Akteure!

Die Auswirkungen des Negativ-Trends „Fast-Fashion“ könnten fĂŒr einige Unternehmen der Alttextilbranche bald existenzbedrohliche ZĂŒge annehmen. Hat eine echte textile Kreislaufwirtschaft in Zukunft eine Chance? DarĂŒber diskutierten die Teilnehmer auf dem 8. Internationalen Alttextiltag.


Die Textile Kreislaufwirtschaft benötigt internationale Vernetzung aller Akteure!
„Die Textilrecyclingunternehmen sind ein wichtiger Teil der textilen Kreislaufwirtschaft. Rund die HĂ€lfte der gesammelten Alttextilien wird wiederverwendet, die Recyclingquote insgesamt liegt bei starken 90 %. Jedoch kann unser hochwertiges, ökonomisch und ökologisch sinnvolles System des Textilrecyclings in Zukunft nur gemeinsam mit allen großen Playern der textilen Kreislaufwirtschaft, der Textilindustrie, der staatlichen Abfallwirtschaft, den gemeinnĂŒtzigen Sammlern und auch den Verbrauchern gesichert und weiterentwickelt werden“, machte bvse-VizeprĂ€sident Martin Wittmann vor den rund 80 Teilnehmern in Fulda deutlich.


Auswirkungen von Fast Fashion bringen Branchenunternehmen in Existenznot
FĂŒr die Unternehmen der Alttextilbranche gibt es derzeit keinen Grund, optimistisch in die Zukunft zu sehen, erklĂ€rte Wittmann in seiner EinfĂŒhrungsrede. „Das Masse-statt-Klasse-Prinzip der sich am Markt immer weiter ausdehnenden Textildiscounter bringt das kostenfreie privatwirtschaftliche System der Altkleiderverwertung allmĂ€hlich ins Wanken“, so Wittmann.


Seit Monaten sind die Sammelmengen von Alttextilien ĂŒberdurchschnittlich hoch. Die Lager der Textilrecycler laufen voll – und das mit Sammelware von Ă€ußerst minderwertiger QualitĂ€t. Immer mehr Unternehmen sind aufgrund begrenzter LagerflĂ€chen gezwungen, sich der AbwĂ€rts-Preisspirale fĂŒr Sammelware zu beugen, um die Ware ĂŒberhaupt noch los zu werden. Hinzu kommen zusĂ€tzliche Kosten, die die betriebswirtschaftliche Kalkulation belasten, beispielsweise fĂŒr die Beseitigung von Fremdstoffen und querkontaminierten Textilien, fĂŒr die es keinen anderen Weg als die ressourcenvernichtende MĂŒllverbrennung mit hohen Verbrennungskosten gibt.
Wenn es dazu kommt, und wahrscheinlich ist es, dass die erzielbaren Preise am Markt geringer sind als die Kosten fĂŒr die Erfassung und Verwertung, fĂŒhrt dies ĂŒber kurz oder lang zu einer existenzbedrohlichen Situation fĂŒr viele Sammler und Sortierer.


„Die Aussicht, dass die Unternehmen unserer Branche sich gezwungen sehen, ihre GeschĂ€fte aufzugeben und Alttextilien dann wieder zunehmend in die Reißerei oder in die Verbrennung gehen, wĂ€re ein Zukunftsszenario, das niemand will“, warnte Wittmann. Auch entsprĂ€che dies nicht der Hierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, das der Wiederverwendung ganz klar den Vorrang gegenĂŒber dem Recycling und der weiteren Verwertung gibt.


Lösung im Dialog mit der Textilindustrie finden
Einen Ausweg sieht Wittmann nur mit und ĂŒber die Textilindustrie. Diese mĂŒsse in Zukunft fĂŒr ihre Produkte auch nach dem Verkauf mehr Verantwortung ĂŒbernehmen. „Anstelle einer staatlichen Regelung befĂŒrworten wir als Verband der Privatwirtschaft ein privatwirtschaftlich organisiertes System mit freiwilliger Selbstverpflichtung“, schlug Wittmann vor. So wĂ€re denkbar, dass sich die Textilindustrie ĂŒber eine GebĂŒhr im Rahmen der, auch im Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgesehenen, erweiterten Produktverantwortung, an den Kosten fĂŒr die Sammlung und die Sortierung ihrer eigenen Produkte beteiligt. ZielfĂŒhrend sei darĂŒber hinaus eine (Selbst-)Verpflichtung, den Neutextilien mindestens eine bestimmte Quote von Recyclingmaterial beizumischen, um das Faserrecycling zu fördern. Insgesamt muss ein Anreiz geschaffen werden, die HerstellungsqualitĂ€t allgemein zu verbessern und damit die Wiederverwendbarkeit der Produkte zu erhöhen.


„Hierzu haben wir bereits den Dialog mit allen Beteiligten aufgenommen und werden diesen demnĂ€chst noch weiter vertiefen, um gemeinsam Lösungen zu finden“ erklĂ€rte bvse-VizeprĂ€sident Martin Wittmann.



Copyright: © bvse-Bundesverband SekundĂ€rrohstoffe und Entsorgung (29.05.2019)
 
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