Mittelstand muss sich gegen DSD-Übernahme durch Remondis zur Wehr setzen

Der private Entsorgermarkt in Deutschland befindet sich zurzeit in einem tiefgreifenden Wandel. Die Übernahme der DSD GmbH (Der GrĂŒne Punkt) durch den Entsorgungskonzern Remondis wird deutschlandweit zu erheblichen WettbewerbseinschrĂ€nkungen fĂŒhren und bedroht die Existenz der bisher die Branche prĂ€genden mittelstĂ€ndischen Unternehmen.


Die Beteiligung am Fusionskontrollverfahren vor dem Bundeskartellamt zur PrĂŒfung des angekĂŒndigten Zusammenschlusses zwischen der REMONDIS SE & Co. KG (Remondis) und der Dualen System Deutschland Holding GmbH (DSD) war daher fĂŒr den bvse-Bundesverband SekundĂ€rrohstoffe und Entsorgung Anlass genug, die Berlin Global Advisors GmbH (BGA) mit der "Kurzstudie zur Konsolidierung des privaten Entsorgungsmarktes in Deutschland" zu beauftragen.


Im Rahmen dieser Studie wurde ein breites Meinungsbild verschiedener Akteure im Entsorgungsmarkt erstellt, um eine Standortbestimmung vorzunehmen, mögliche Auswirkungen des Zusammenschlusses zu ermitteln und LösungsansĂ€tze zu identifizieren. Dabei ergab sich ein relativ klares Bild. Nach EinschĂ€tzung vieler Marktbeobachter wird es aufgrund einer Reihe von Faktoren, wie beispielsweise das neue Verpackungsgesetz oder der Einstieg der Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) und insbesondere durch die Auswirkungen der Übernahme der DSD Holding GmbH durch Remondis, zur Bildung eines Oligopols kommen.


"Durch die Übernahme des grĂ¶ĂŸten dualen Systems DSD durch den MarktfĂŒhrer Remondis kommt es derzeit zu einer in dieser Dimension noch nie dagewesenen Form der vertikalen Integration. Aus diesem Grund ist das gesamte MarktgefĂŒge – von kleineren privaten bis zu großen kommunalen Unternehmen – unmittelbar oder mittelbar betroffen, wobei sich teilweise existenzbedrohliche Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ergeben. Das ausgerechnet in einem Markt, auf dem wiederholt, auch durch Maßnahmen der Kartellbehörden, versucht worden ist, mehr Wettbewerb zu ermöglichen", wie der Autor der Studie, Magnus Alexander zu Wied, betont.


Bernhard Reiling, PrĂ€sident des bvse-Bundesverband SekundĂ€rrohstoffe und Entsorgung: "Es liegt auf der Hand, dass die geplante Übernahme zu weiteren WettbewerbseinschrĂ€nkungen in der Recycling- und Entsorgungsbranche fĂŒhren wird. Die Übernahme des Dualen Systems durch Remondis wird die Branche krĂ€ftig durchschĂŒtteln und verĂ€ndern. Zumal die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) sich jetzt auch massiv in der Entsorgungsbranche engagiert. Das wird die Konzentration weiter vorantreiben."


Generell wirft die Übernahme mit einem Transaktionswert von ĂŒber 561 Mio. Euro Fragen hinsichtlich der zukĂŒnftigen Marktgestaltung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland auf, die im Rahmen des Fusionskontrollverfahrens durch das Bundeskartellamt geprĂŒft werden mĂŒssen. Die Marktteilnehmer erwarten ein umfangreiches Fusionskontrollverfahren durch die zustĂ€ndige vierte Beschlussabteilung des Bundeskartellamts.


Umso wichtiger ist es dem bvse, dass sich die betroffenen mittelstĂ€ndischen Unternehmen im Fusionskontrollverfahren gegen die geplante Übernahme zur Wehr setzen. Denn nach EinschĂ€tzung der Autoren der Studie wird der Ausgang der PrĂŒfung des Bundeskartellamts auch davon abhĂ€ngen, wie viele betroffene Akteure sich in dem Verfahren engagieren und ihre Sicht der Dinge darlegen werden.


Die Studie stellt fest, dass Remondis in wichtigen Ballungszentren in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-WĂŒrttemberg den Bereich der kommunalen Entsorgung ĂŒber sogenannte PPP-Gesellschaften (Public-Private-Partnership) dominiert. Kommt dann noch das System-GeschĂ€ft im Bereich der Verpackungsentsorgung hinzu, könne dies faktisch zu einer regionalen Ausgrenzung von Mitbewerbern fĂŒhren.


"Da bleibt den kleinen und mittelstĂ€ndischen Unternehmen keine Luft mehr, wenn in diesen Regionen Remondis auch noch das GeschĂ€ft mit der Verpackungsentsorgung in HĂ€nden hĂ€lt. Der Mittelstand wird so zerrieben", befĂŒrchtet bvse-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Eric Rehbock.



Copyright: © bvse-Bundesverband SekundĂ€rrohstoffe und Entsorgung (30.01.2019)
 
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