Kommentar UN-Klimakonferenz COP24: Mehr Ehrgeiz ist nötig

Die Einigung von Kattowitz ist ein Erfolg f√ľr die Klimapolitik. Was jedoch fehlt, ist beherzte Machtpolitik f√ľr eine Zukunft ohne Kohle.

Autor: Bernhard Pötter

Quelle: TAZ

‚ÄěNoch so ein Sieg und wir sind verloren‚Äú, sagte K√∂nig Pyrrhus in seinem Krieg gegen Rom. In der Klimadiplomatie l√§sst sich das so √§hnlich formulieren. Denn das ‚ÄěKattowitz-Paket‚Äú, das am sp√§ten Samstag Abend von der 24. UN-Klimakonferenz angenommen wurde, ist zwar f√ľr den Prozess ein Erfolg. Endlich gibt es Regeln, sogar relativ strikt und zielf√ľhrend, an die sich bald auch die gro√üen Verschmutzer wie Indien und China halten m√ľssen. Aber das allein vermeidet noch kein Gramm Kohlendioxid, das sich aus der Verbrennung von Kohle, √Ėl und Gas in der Atmosph√§re einnistet und die Temperaturen hochtreibt. In den 24 Jahren, seit es Klimakonferenzen gibt, sind diese Emissionen konstant gestiegen ‚Äď etwa um ein Drittel. Das ist am wenigsten die Schuld der UN-Klimarahmenkonvention und des Systems ihrer oft frustrierenden Diplomatie. Es ist dem rasanten Aufstieg von Schwellenl√§ndern wie China und Indien geschuldet, die sich ihren Weg aus der Armut mit Kohle erk√§mpfen. Es liegt aber auch am z√§hen Widerstand der fossilen Industrien und der Staaten, die auf diesem Wirtschaftsmodell beruhen. Also praktisch alle. Dass sich diese Staaten gegenseitig versprachen, ihre Abh√§ngigkeit von den Fossilen zu beenden, war der Fortschritt von Paris. Jetzt in Kattowitz haben sie sich das Rezept daf√ľr ausgestellt, bald von der Karbon-V√∂llerei auf Nulldi√§t umzustellen.


Wenn das mehr sein soll als der √ľbliche gute Vorsatz zum Neuen Jahr, muss die sogenannte ‚ÄěHigh Ambition Coalition‚Äú (HAC) von Paris und Kattowitz am Leben gehalten werden. In dieser Allianz f√ľr gro√üen Ehrgeiz beim Klimaschutz verb√ľnden sich bisher 107 L√§nder, darunter viele EU-Staaten, Norwegen, Kanada oder die Schweiz mit Entwicklungsl√§ndern wie √Ąthiopien oder Costa Rica. Sie schmieden B√ľndnisse √ľber Grenzen hinweg, die sonst zwischen Industrie- und Entwicklungsl√§ndern bestehen, zwischen Nord und S√ľd, arm und reich. Leider erscheint diese Koalition der Willigen immer nur, wenn das Desaster droht. Es w√§re ein wichtiger Fortschritt, wenn die HAC permanent zum Machtfaktor beim globalen Klimaschutz w√ľrde. Warum nicht den Spaltern, Nationalisten, √Ėl-Lobbyisten und Bremsern eine schlagkr√§ftige Gruppe von L√§ndern entgegensetzen, die f√ľr eine vern√ľnftige Zukunft Front macht? So richtig mit regelm√§√üigen Treffen der Regierungschefs, gemeinsamen Forderungen, abgestimmter Strategie. Wenn G20 und G7 blockieren, w√§re das eine Alternative. Deutschland k√∂nnte da organisatorisch und finanziell an der Spitze stehen. Ach ja, Deutschland. Das w√§re selbstverst√§ndlich der erste Schritt. Dass es in diesem Land mal wieder eine Regierung g√§be, die beim Klimaschutz und der Zukunftspolitik von einer High Ambition Coalition getragen wird. Mit der jetzigen kleinen Koalition ist das wohl nicht zu machen. Die ist in diesem Punkt bisher ohne jede Ambition.



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