bifa-Text Nr. 30: Ökoeffizienz von öffentlichen Entsorgungsstrukturen

Wie ist die bayerische Abfallentsorgung hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen und der Kosten im nationalen und internationalen Vergleich einzuordnen? Dieser Frage ging BIfA im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz für ausgewählte Abfallarten und Entsorgungswege nach.

Die Bestandteile des durchgeführten Vergleichs der Entsorgungsstrukturen sind eine mit Hilfe der Bilanzierungssoftware Umberto® durchgeführte ökobilanzielle Betrachtung der Umweltauswirkungen, eine Kostenbetrachtung und die Zusammenführung der ökologischen und ökonomischen Ergebnisse im Rahmen einer Ökoeffizienzanalyse. Zur Bilanzierung der ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der Entsorgungsstrukturen wurde mit Umberto® ein dynamisches und erweiterbares Stoffstrommodell entwickelt.
Kennzeichnend für die aktuelle bayerische Entsorgungssituation ist die überwiegende thermische Behandlung der Restabfälle. Wesentlich geringere Mengen werden deponiert oder mechanisch-biologisch behandelt. Leichtverpackungen werden im Rahmen des Dualen Systems Deutschland sortiert und der Verwertung zugeführt. Bioabfälle gehen überwiegend in die Kompostierung und in geringeren Mengen in die Vergärung. Grüngut wird kompostiert oder auch direkt als Häckselgut verwertet.
Im Vergleich zur bayerischen Entsorgungsstruktur betrachtete BIfA die Entsorgung von Restabfall, Leichtverpackungen und Bioabfall/Grüngut in Deutschland und der Schweiz. Ein Zukunftsszenario für die Entsorgung in Bayern war die vierte untersuchte Entsorgungsvariante (Bayern 200X). Jede der im Vergleich betrachteten Entsorgungsstrukturen unterscheidet sich von der aktuellen Bayerischen u.a. in der Zusammensetzung der erfassten Abfälle und den Entsorgungswegen, denen die Abfälle zugeführt werden. In Deutschland werden beispielsweise deutlich größere Restabfallmengen deponiert. Die Schweiz erfasst große Teile des Bioabfalls und der Leichtverpackungen gemeinsam mit dem Restabfall, der anschließend thermisch behandelt wird. Das Zukunftsszenario der bayerischen Entsorgungsstruktur geht davon aus, dass Restabfälle ausschließlich in Anlagen mit optimierten energetischen Wirkungsgraden thermisch behandelt werden.
Die ökologischen Auswirkungen wurden im Rahmen der Wirkungsabschätzung anhand von Wirkungskategorien wie z.B. Treibhauspotenzial, Versauerungspotenzial und Ressourcenbeanspruchung betrachtet. Aus den Ergebnissen des ökologischen Vergleichs lassen sich u.a. die folgenden Optimierungspotenziale zur Reduzierung der Umweltwirkungen ableiten:

  • Verringerung der unbehandelt deponierten Restabfallmenge zu Gunsten einer Erhöhung der thermisch behandelten Menge
  • Optimierung der energetischen Wirkungsgrade in thermischen Behandlungsanlagen
  • Verringerung des Anteils der in offenen Kompostieranlagen behandelten Bio- und Grüngutabfälle zugunsten der geschlossenen Kompostierung oder Vergärung
Die komplexen und differenzierten Einzelergebnisse der ökobilanziellen Betrachtung werden durch eine für dieses Vorhaben entwickelte Methodik zum sogenannten Ökologie-Index aggregiert. Je höher der Ökologie-Index einer Entsorgungsstruktur, desto höher sind die mit der Entsorgung verbundenen Umweltauswirkungen. Mit Blick auf den Ökologie-Index schneiden die Entsorgungsstrukturen Bayerns und der Schweiz ähnlich gut und deutlich besser als die Entsorgungsstruktur Deutschlands ab. Das Zukunftsszenario der bayerischen Entsorgungsstruktur führt zum besten Ökologie-Index.
Die Gesamtkosten für jede der vier Entsorgungsstrukturen ermitteln sich aus den Einzelkosten der betrachteten Entsorgungswege und den Anteilen der Abfälle, die diesen Entsorgungswegen zugeführt werden. Alle vier untersuchten Entsorgungsstrukturen sind mit ähnlichen Kosten verbunden. Die Kosten für die Entsorgung einer Tonne Abfall liegen innerhalb einer engen Spanne von ca. 10 % des Maximalwerts. Die höchsten spezifischen Gesamtkosten fallen in der Entsorgungsstruktur Bayerns an. Sie resultieren aus dem hohen technischen Entsorgungsstandard, der wiederum für das positiven Abschneiden Bayerns hinsichtlich der Umweltwirkungen verantwortlich ist.
Die Ökoeffizienzanalyse setzt für jedes der untersuchten Entsorgungsstrukturen das Ergebnis der ökobilanziellen Betrachtung (Ökologie-Index) in Bezug zu den mit der Entsorgung verbundenen Kosten (Gesamtkosten). Ökologie-Index und Gesamtkosten sind dabei nicht funktional miteinander verknüpft, sondern unabhängig voneinander aufgetragen. Entsorgungsstrukturen, die hohe Kosten verursachen und mit großen Umweltbelastungen verbunden sind, liegen im Bereich "niedriger Ökoeffizienz", während geringe Kosten und ein gleichzeitig niedriger Ökologie-Index zu "hoher Ökoeffizienz" führen.



Copyright: © bifa Umweltinstitut GmbH
Quelle:
Seiten: 244
Preis: € 10,00
Autor: Dipl.- Ing. Thorsten Pitschke
Dipl.-Ing. (FH) Udo Roth
Dipl.-Geoökol. Sarah Hottenroth
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rommel

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