Stand der Umsetzung der Altlastensanierung in der Schweiz – Rechtsgrundlagen, Vorgehensweise, Erfolge/Defizite, Ausblick

Wie andere Staaten hat auch die Schweiz "ihre" Love Canal, Lekkerkerk, Georgswerder. So musste 1985 wegen massiven Staub- und Geruchsimmissionen die Sonderdeponie Kölliken geschlossen werden.

Diese bis heute grösste Altlast der Schweiz führte dazu, dass die Regierung des Standortkantons Aargau 1986 nicht nur Sanierungsmassnahmen für die Sondermülldeponie, sondern auch die systematische Erfassung, Untersuchung und nötigenfalls Sanierung sämtlicher Altlasten auf ihrem Kantonsgebiet beschloss. Andere Kantone folgten diesem Beispiel und ab 1991 wurde das Thema "Altlasten" auch auf Bundesebene prioritär behandelt. Mit der Totalrevision des schweizerischen Umweltschutzgesetzes wurden dann 1995 nicht nur die nötigen Grundlagen für eine moderne Altlastengesetzgebung geschaffen, es wurden auch klare Vorschriften für die zukünftige Vermeidung von Altlasten in die Abfallgesetzgebung aufgenommen. Auch wenn also in Zukunft in der Schweiz kaum mehr Altlasten entstehen sollten, so sieht die Vergangenheit weniger rühmlich aus. Zwar scheint die Altlastenproblematik auf den ersten Blick in der Schweiz nicht so gravierend zu sein. Anders als in grossen europäischen Ländern gab es in der Schweiz kaum Bergbau, Schwerindustrie und auch keine Kriegsaltlasten. Zudem setzte man bereits früh auf die Verbrennung statt auf die Ablagerung von Kehricht. Wegen der Kleinräumigkeit (hohe Siedlungsdichte, wenig freies Bauland, hohe Bodenpreise) ergeben sich aber trotzdem zahlreiche Konflikte zwischen landwirtschaflich intensiv genutzten Böden sowie wichtigen Trinkwasservorkommen und der hohen Dichte von Deponien und Industriegeländen im schweizerischen Mittelland. Das am häufigsten durch Altlasten bedrohte Schutzgut ist das Grundwasser, aus welchem mehr als 80% des Trinkwassers stammt. Alles in allem hat die Schweiz wohl wenig grosse (>10 Millionen €), dafür aber zahlreiche kleine Sanierungsfälle (<1 Million €). Von den ursprünglich ca. 120'000 Verdachtsflächen werden gemäss neuster Erhebung (Februar 2004) schliesslich ca. 58'000 mit Abfällen belastete Standorte in die öffentlich zugänglichen Kataster eintragen.



Copyright: © ICP Ingenieurgesellschaft Prof. Czurda und Partner mbH
Quelle: 5. Karlsruher Altlastenseminar - 2004 (Juni 2004)
Seiten: 10
Preis inkl. MwSt.: € 5,00
Autor: Dr. Christoph Wenger

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